Die diesjährige Leipziger Buchmesse wird heute mit einem Rekordergebnis zu Ende gehen: Der gestrige Samstag war mit 41.000 Besuchern der erfolgreichste Tag in der

Messegeschichte (bisheriger Rekord: 38.000). Heute abend werden es über 108.000 Besucher sein, ein Plus von 6 Prozent.
„Wir sind mit dem Verlauf und Ergebnis der diesjährigen Leipziger Buchmesse mehr als zufrieden. Die Messe ist in eine höhere Klasse aufgestiegen. Das neue Hallenkonzept wurde grundsätzlich positiv angenommen“, sagte Wolfgang Marzin, Vorsitzender der Geschäftsführung der Leipziger Messe GmbH. “ Und er lobt die Zusammenarbeit mit dem Börsenvein]: „Wir haben gemeinsam fürs Buch gepunktet. Im nächsten Jahr werden wir das gemeinsam mit unseren Ausstellern optimieren.“
Marzin: „Eigentlich sind wir ja Messeveranstalter, diesmal aber haben wir uns als Chemiker betätigt und mehrere Versuche gestartet, die alle erfolgreich waren“ – sodaß Buchmesse-Direktor Oliver Zille und sein Team entspannt auf das kommende Jahr sehen können.

Ihm ist egal, ob es wieder zur Terminüberschenidung mit der Kölner Lit.Cologne kommt. Heute gab es schon Lob von der BERLINER MORGENPOST: „Leipzig ist nicht die größte, aber die netteste Buchmesse.“ – Das Lob muss an den Zutaten Team und den Neuerungen liegen:
Neu war nicht nur das großzügigere Hallenlayout, neu war auch Buchpreis der Buchmesse und erstamals fand auch die Verleihung des Leipziger Buchpreises für Europäische Verständigung auf dem Gelände sattt.
Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, beurteilte die Buchmesse ebenfalls als vollen Erfolg: „Die Stimmung auf der Leipziger Buchmesse war sehr gut. Ich denke, dass sich diese Zuversicht in den nächsten Monaten auch auf den Buchhandel auswirkt.“
Laut offizieller Ausstellerbefragung sahen 90 Prozent der Aussteller ihre Erwartungen in die Messe erfüllt und wollen im nächsten Jahr auf alle Fälle wiederkommen.
Sehr zufrieden zeigte sich unter anderem Ruth Geiger, Pressesprecherin des Diogenes Verlages: „Mich begeistert am meisten „Leipzig liest“. Die zahlreichen Kontakte, die sich hier zwischen Autoren entwickeln, machen Leipzig zu etwas Besonderem.“
„Wir fühlten uns sehr wohl auf der Leipziger Buchmesse. Das Publikum auf der Messe

und bei den Veranstaltungen in der Innenstadt war überaus interessiert. Wir kommen sehr gern wieder“, sagt Frank Niederländer vom Verlag „Tisch 7“, der zum ersten Mal auf der Messe ausstellte.
Tom Erben, Marketingleiter von DAV, äußerte sich zufrieden über den Schwerpunkt „Hörbuch“ auf der Leipziger Buchmesse. „Der Gemeinschaftsstand und das Hörbuchforum waren gut besucht. Sie boten viele Möglichkeiten, Kontakte zu knüpfen. Leipzig ist im Vergleich zur Kölner Hörbuchmesse konkurrenzlos und vollständig in Sachen Angebot und Publikum.“
Ein Höhepunkt der Leipziger Buchmesse war die erstmalige Verleihung „Der Preis der Leipziger Buchmesse“. Die Jury unter Vorsitz von Martin Lüdke (SWR) entschied sich unter den 15 nominierten Kandidaten in der Kategorie Belletristik für Terézia Mora („Alle Tage“), in der Kategorie Sachbuch/Essayistik für Rüdiger Safranski („Schiller oder Die Erfindung des deutschen Idealismus“) und in der Kategorie Übersetzung für Thomas Eichhorn (für seine Übersetzung von Les Murray „Fredy Neptune“). „Ich bin mir sicher, dass dieser Literaturpreis Zeichen gesetzt hat. Er wird zu den führenden Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum zählen“, sagt Wolfgang Marzin.
Die 1.500 Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Mitwirkenden innerhalb von „Leipzig liest“ waren mit zehntausenden Zuhörern wieder ein Literaturfestival der Superlative. Prominente Autoren, Schauspieler und Politiker wie Christoph Hein, Thomas Brussig, Amos Oz, Robert Gernhardt, Joachim Fest, Breyten Breytenbach, Manfred Krug, Eberhard Esche, Oskar Lafontaine, Hermann van Veen, Wolfgang Niedecken und Charles Aznavour stellten dem Publikum ihre Bücher vor und lasen in überfüllten Häusern.
Zum zweiten Mal hieß es in diesem Jahr nicht nur „Leipzig liest“ sondern auch „Leipzig hört“. Bei den Hörbuchnächten im Jazzkeller Spizz und in der alten Handelsbörse lasen Prominente wie Jan Josef Liefers und Robert Gernhardt. Ebenfalls zum zweiten Mal veranstaltete die Leipziger Buchmesse zusammen mit dem „Hörspielsommer e.V.“ den Nachwuchs-Hörspiel-Wettbewerb, an dem sich über 80 Hörspielmacher aus ganz Deutschland beteiligten.
Rund 9.000 Besucher (2004: 7.000) kamen zur 11. Leipziger Antiquariatsmesse, die parallel zur Leipziger Buchmesse stattfand. Veranstalter Detlef Thursch: „Die Antiquariatsmesse ist in den letzten Jahren enorm gewachsen. Das ist eine gute Chance, Konzept und Struktur der Messe im nächsten Jahr auszubauen.“
Erster internationaler Kongress für literarisches Schreiben.
Äußerst zufrieden zeigten sich auch die Veranstalter des ersten internationalen Kongresses für literarisches Schreiben. Über 200 Teilnehmer und 60 Referenten aus 20 Ländern trafen sich von 16. bis 18. März im Congress Center Leipzig, um über die Ausbildungsmöglichkeiten von jungen Autoren zu diskutieren. Rund 30 Institute aus ganz Europa und den USA waren vertreten. Darunter der renommierte Iowas Writers Workshop aus den USA und Vertreter des Moskauer Maxim Gorki Institutes. „Mit diesem Kongress haben wir uns zu unserem zehnjährigen Bestehen selbst ein Geschenk gemacht. Der Kongress war für uns ein wichtiger Schritt zu einem europaweiten Netzwerk der creative writing Studiengänge. Der Austausch hier in Leipzig mit Kollegen aus aller Welt war überaus fruchtbar und wird sich für die zukünftige Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Instituten auszahlen“, sagt Professor Josef Haslinger, Direktor des Deutschen Literaturinstituts.
Die lange Lesenacht in der Moritzbastei – als Rahmenprogramm des Kongresses – zählte zu den Höhepunkten von „Leipzig liest“. Mehr als 1.000 Besucher ließen sich die 40 Autoren auf vier Bühnen nicht entgehen. Unter den Autoren waren internationale Größen wie Südafrikas bekanntester Dichter Breyten Breytenbach, der Amerikaner Robert Coover sowie Englands „Creative Writing Päpstin“ Patricia Duncker.