Auf dem ersten Blick sehen sie aus wie die Warnhinweise auf Zigarettenschachteln. Dann bemerkt der Leser, dass es sich um Schulbücher handelt, auf denen im schwarz eingerahmten Kasten ironisch gewendet freche Sprüche für den Eigenkauf von Schulbüchern werben.

An rund 1.500 Standorten wollen die vier als Serie gestalteten Motive vom 24.5. bis 13.6. bei Eltern, Schülern und Auszubildenden in Hamburg und Niedersachsen zum Nachdenken darüber anregen, ob sie in diesem Jahr die für das kommende Schuljahr nötigen Bücher bei der Schule gegen Gebühr mieten oder kaufen.
Die Motive (s. Abb.) werden als Großflächenplakate und als City-Light-Poster zu sehen sein. Außerdem gibt es Plastik-Tragetaschen und kostenlose Schaufensterplakate für Buchhändler (Kontaktadresse s. u.).
In beiden Bundesländern müssen sich die Eltern dieser Situation stellen – denn die Lernmittelfreiheit ist hier abgeschafft. Hinter der Aktion steht der Schulbuchverlegerverband VdS Bildungsmedien, der sich von der Kampagne auch ein Nachdenken über die desolate Schulbuchausstattung der Schulen erhofft: Über die letzten 15 Jahre wurden die Lernmittelausgaben der Länder und Kommunen bundesweit von 400 auf 250 Mio. Euro heruntergekürzt.
Die Folge sind überlange Ausleihzeiten von Schulbüchern von bundesweit neun Jahren. Mit diesen Büchern können die nach PISA eingeleiteten Bildungsreformen nicht umgesetzt werden; deshalb gehen immer mehr Bundesländer dazu über, Mietsysteme für Schulbücher einzuführen.

Die Sicherheit, mit einem aktuellen Schulbuch, mit den neuesten Normen und Richtlinien, zu arbeiten, biete laut VdS Bildungsmedien aber weder das kostenlose Ausleihbuch, noch das Mietschulbuch, sondern nur das neu gekaufte Buch. Auf diesen Umstand will der Schulbuchverlegerverband aufmerksam machen, wenn in diesen Tagen die Eltern und Schüler von den Schulen die Schulbuchlisten mit der Wahlmöglichkeit von Miete und Eigenkauf erhalten.
Angesichts der Tatsache, dass die Mietgebühren 30 bis 40 % des Buchneupreises betragen können, ist der Kauf schon preislich eine Überlegung wert. Die Komplettausstattung mit neuen Schulbüchern ist von Schule zu Schule, von Schuljahr zu Schuljahr grob unterschiedlich und schwankt im Durchschnitt zwischen 50 und 215 Euro. Im Durchschnitt aller Klassen fällt in der Grundschule ein Betrag von durchschnittlich 66 Euro, in den weiterführenden Schulen von 143 Euro und in der Oberstufe von 123 Euro an (nach Berechnungen des Instituts für Bildungsmedien, Frankfurt am Main, 2002 anhand des realen Bucheinsatzes in Hamburger Schulen). Dies sind Beträge, die pro Schüler und Jahr fällig würden.
Die privaten Schulbuchausgaben lagen 2003 in Deutschland bei rund 200 Mio. Euro. Zum Vergleich wurden im selben Jahr 564 Mio. Euro nur für die Spielsoftware der Spielkonsolen von Nintendo, Sony und Microsoft ausgegeben (20 % mehr als im Vorjahr; Angaben des Verbandes der Unterhaltungssoftware Deutschlands/VUD). Für die Geräte wurden weitere 353 Mio. € ausgegeben.
Hintergrundinformationen und Zahlen zur Kampagne, zur Lernmittelfreiheit und zur Rolle des Schulbuchs bei den laufenden Bildungsreformen nach PISA gibt es im Internet unter www.eigenes-schulbuch.de.