Wie schon gestern [mehr…] geschrieben: Es werden maximal 20% des digitalisierten Buchesangezeigt. Eine nicht unerhebliche Neuerung ist allerdings, dass Google Print nun mit Google Accounts https://www.google.com/accounts/NewAccount korrespondiert und wir somit in vielen Fällen nur weiterlesen können, wenn wir über einen solchen Google Account http://www.google.com/help/faq_accounts.html#create verfügen. Dies wiederum setzt eine Registierung bei Google voraus, wie ja zum Beispiel auch für die Nutzung von Googles Webmail Gmail http://gmail.google.com oder dem nützlichen News-Benachrichtigungs-Dienst Google Alerts http://www.google.de/alerts.
Der Deal, den Google hier anbietet, heißt also: Persönliche Informationen gegen Inhalte. Das ist in so weit fair, weil minimale persönliche Daten abgefragt werden, wie der Name oder die E-Mail, und wir bei jedem Einsatz unserer Kreditkarte per se mehr Informationen preisgeben müssen. Kompliziert wird es, weil alle Google-Dienste miteinander korrespondieren und sich dadurch leicht ein abstraktes Gesamtbild einer Persönlichkeit zusammensetzen lässt: Nach was suchen wir bei Google, welche Bücher interessieren uns bei Google Print, was kaufen wir via Googles Warenhaus Froogle http://froogle.google.de, über welche Stichworte hält uns Google Alerts auf dem Laufenden und wer schickt uns E-Mails auf unseren Gmail Account? Die Antworten auf all diese Fragen kennt Google.
Doch seien wir nicht heiliger als der Papst: Diese Form des „Data Minings“ ist im
„richtigen Leben“ genau so Gang und Gebe – jedes doofe Gewinnspiel und jede Kunden- bzw. Rabatt-Karte fordert einen Wust von persönlichen Daten ab, bis hin zur Schufa-Auskunft.
Bleiben 2 Fragen: Ist Google Print wirklich nützlich und stellt dieser Service für die Verlage eine Gefahr dar? Erstes ist durch die Vormachtstellung von Google im Web bereits definiert: Was es bei Google nicht gibt, gibt es nicht. Das geht so weit, dass die Schlussfolgerung „gibt’s im Web nicht, weil Google es nicht findet“, manch einen dazu verleitetet, zu glauben, „das gibt’s ja überhaupt nicht“. Das bedeutet, die Trennlinie zwischen der digitalen Online- und der analogen Offline-Welt verliert, auch angesichts des immer breiteren und tieferen Nutzerverhaltens im Web, weiter an Schärfe und Kontur.
Google gibt hier im Moment, ob es uns nun gefällt oder nicht, den Takt vor – nicht dabei zu sein, heißt, nicht wahrgenommen zu werden. Wer auch immer sich das im Zeitalter der Aufmerksamkeits-Ökonomie erlauben kann, gerade die Verlage mit ihren speziellen und eher kleinpreisigen Artikeln, dürften nicht dazu gehören. Ob Google Print von den Benutzern angenommen wird, steht auf einem anderen Blatt, ist aber, wenn wir zum Beispiel nur mal die Kategorie der vergriffenen Bücher mit einbeziehen und an den Erfolg vom ZVAB http://www.zvab.com denken, mehr als wahrscheinlich.
Die zweite Frage, ob Google Print eine Gefahr für die Verlage ist, ist so schon mal falsch gestellt. Sie müsste eigentlich heißen: Ist Google Print eine Chance für die Verlage? Und das würden wir rundheraus mit ja beantworten. Denn im Gegensatz zu Amazons http://www.amazon.de Search Inside the Book-Service http://www.amazon.com/exec/obidos/tg/browse/-/10197021/103-6375437-6547032, der sowohl optisch wie inhaltlich meilenweit hinter Google Print rangiert, verbleiben bei Google Print ALLE Rechte bei den Verlagen. Was das dann für die grundsätzliche Rechtslage zwischen Rechteinhabern und Verlagen bedeutet, zum Beispiel für alle nicht mehr lieferbaren Bücher, die dann ja eigentlich immer noch lieferbar sind, wenigstens in digitaler Form, müsste schnellstens geklärt werden. Auf alle Fälle müssen bei Amazon Deutschland, schon alleine wenn ein Verlag seine Bücher via Amazon verkaufen möchte, ALLE Rechte an Amazon übertragen werden. Hier nochmals der Link zum nachlesen: http://www.amazon.de/exec/obidos/tg/browse/-/3110751/ref=br_bx_1_c_2_2/302-7915380-2484055.
Hinlänglich zu fragen, welche Rechte dann eigentlich noch auf Amazon für die Teilnahme an dem Search Inside the Book-Service übertragen werden sollen – Amazon hat bereits alle. Dass Amazon da zumindest in Deutschland beweglich ist, zeigt das Beispiel des Campus Verlages http://www.campus.de, der erfolgreich nachverhandelte.
STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de
MORGEN:
Teil III: Web-Wünsche und Web-Wirklichkeiten
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