Für die Buchhändlertage morgen und übermorgen in Berlin will der Börsenverein die nächste Stufe des Branchen-Monitors zünden: Die Zahlen sollen nicht mehr nur die seltsame Kombination Sortiment / Warenhaus / Onlinebuchhandel abdecken, sondern alle Vertriebswege zusammen (gespannt sein darf man auf die Verlags-Direktumsätze).
Beim Sortiment soll der Monitor nicht mehr nur die Barumsätze, sondern auch das Rechnungsgeschäft erfassen.
Die Kraftanstrengung wird die Zweifel an den Monitor-Zahlen freilich nur noch verstärken, denn schon in seiner jetzigen provisorischen Aufstellung steckt das Projekt in der Zwickmühle: Drei der vier Zahlen zur Umsatzentwicklung des Sortiments im Mai liegen jetzt vor, und sie sind diesmal nicht so weit auseinander wie sonst: Langendorfs Dienst misst für Mai -1,4% und für die ersten fünf Monate +0,6% (LD vom 9.Juni). Das Kölner IfH hat für Mai -2% und kumuliert -1% ermittelt, der buchreport zielt wieder mal hoch mit +2,1% im Mai und +1,8% seit Januar. Fehlt noch der Branchenmonitor Buch des Börsenvereins, der nach vier Monaten bei atemberaubenden +4,3% stand und mit dem Mai-Wert jetzt eigentlich nur noch Fehler machen kann:
Produziert die Mai-Erhebung einen Wert in der Nähe der drei anderen Untersuchungen, also um Null, bleibt es bei dem inakzeptablen Ausreißer im Fünfmonatsumsatz, soll der Fünfmonatsumsatz auf einen nachvollziehbaren Wert fallen, muss sich die Mai-Statistik einen Ausreißer nach unten leisten. Übertreibt aber auch der Mai-Wert wieder nach oben, wird die Fünfmonatszahl noch unwirklicher.
Dazu meint www.langendorfs-dienst.de:
Der Monitor liefert keine glaubhaften Zahlen. Das zeigt schon die Differenz zu den ähnlich erhobenen buchreport-Zahlen. Die Methodik mag für hoch standardisierte Branchen passen, offensichtlich aber nicht auf den differenzierten Buchhandel
Der Monitor schadet der Branche. Bisher stellt er die Umsatzentwicklung stark überhöht dar, am krassesten ausgerechnet zu Beginn der Tarifrunde
Der Monitor ist überflüssig: Es gibt drei andere Erhebungen und die Monitor-Zahl kommt meist erst als Letzte.
Das Engagement des Verbands, seine Mitglieder mit guten und differenzierten Zahlen versorgen zu wollen, verdient Anerkennung. Doch in dieser Form ist der Branchenmonitor gescheitert. Vielleicht können die Mitglieder den Börsenverein in Berlin dazu bewegen, das Projekt jetzt nicht auch noch auszuweiten, sondern zu begraben und den Etat für Projekte zu verwenden, die den Mitgliedern nützen und nicht schaden.