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Verleger und literarische Agenten klagen: Urhebervertragsrecht schadet Übersetzungskultur in Deutschland

Bei einem Treffen Anfang dieser Woche in Frankfurt diskutierten Vertreter von Verlagen und Literaturagenturen über die Auswirkungen der aktuellen Urteile zu Übersetzervergütungen. Die in den meisten Urteilen derzeit vorgeschriebene Höhe der Honorare und die Möglichkeit der Nachforderung mache das Verlegen fremdsprachiger Literatur in deutscher Sprache zum unkalkulierbaren Risiko, so der Tenor des Gesprächs von Verlegerseite. Hintergrund der Auseinandersetzung um Übersetzerhonorare ist das seit 2002 geltende Urheberrechtsgesetz, in dem die Vergütung der Übersetzer mehrdeutig geregelt ist. Aus diesem Grund wurden im Herbst 2005 erste Fälle vor Gericht verhandelt.

Die literarischen Agenturen, die internationale Buchrechte an deutsche Verlage verkaufen, zeigten bei dem Treffen in Frankfurt Unverständnis über die deutsche Rechtsprechung. “Eine Umverteilung der Honorare von Autoren zu den Übersetzern kann es nicht geben”, betonte Ursula Bender von Agence Hoffman. Im Zentrum ihrer Arbeit stehe der Einsatz für die Autoren, die oft jahrelang an einem Buch arbeiten.

Agenten und Verleger betrachten mit Sorge, dass die Anzahl der Übersetzungen dramatisch gesunken ist. Wurden im Jahr 2000 noch 7600 Titel in die deutsche Sprache übersetzt, so waren es 2004 nur noch 5400. “Die deutschsprachige Literaturlandschaft mit ihrer herausragenden Übersetzungskultur droht zu verarmen”, befürchtet Thomas Carl Schwoerer, Verleger des Campus Verlages und im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Publikumsverlage im Börsenverein. “Es ist zu befürchten, dass diese Abwärtsentwicklung weiter an Dynamik gewinnt, wenn die Verlage gezwungen sind, bei der Übersetzung von Büchern für sie unkalkulierbare Risiken einzugehen”, so Schwoerer.

Bei dem Treffen zwischen Agenten und Verlegern wurde ein weiterführender und regelmäßiger Austausch zu übergreifenden Themen auch auf internationaler Ebene beschlossen. Mit dabei waren: Campus Verlag, Carl Hanser Verlag, Piper Verlag, Rowohlt Verlag, S. Fischer Verlag, Verlagsgruppe Lübbe, Verlagsgruppe Random House, Ullstein Verlag, Agence Hoffman, Agentur Mohrbooks, agentur literatur und UnderCover Literaturagentur.

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