
Hans-Karl von Kupsch wird heute 70 Jahre alt.
Für den deutschen Buchhandel sei er zu einer Institution geworden, über fast drei Jahrzehnte habe er engagiert für die Belange des Buchhandels und des Buches mit Hartnäckigkeit, aber auch mit diplomatischem Geschick gestritten. Und gleichzeitig habe er mit seiner Kompetenz, seinem Integrationsvermögen und organisatorischem Geschick die Interessen von Verlegern und Buchhändlern gebündelt.
Dies und viel Lobendes mehr schrieb Herausgeber Jürgen Jeske im Wirtschaftsteil der FAZ, als sich v. Kupsch vor fünf Jahren, an seinem 65. Geburtstag, in den Ruhestand verabschiedete. Nach 35 Jahren Börsenverein und davon gut 26 Jahren Hauptgeschäftsführer – nach derzeitigen Begriffen eine ungewöhnlich lange und ungewöhnlich erfolgreiche Zeit.
Warum? Weil es eine glückliche Zeit war für den Buchhandel, dessen Umsätze beständig stiegen, und für den Börsenverein, dessen Mitgliederzahl sich nahezu verdoppelte. Weil die Rahmenbedingungen Preisbindung, Mehrwertsteuer und Urheberrecht allen Angriffen, die es auch damals gab, standhielten, weil sich der Börsenverein, u.a. mit der damaligen Buchhändlervereinigung, zu einem modernen Dienstleister entwickelte und weil die drei Sparten im Börsenverein im wesentlichen gut zusammen hielten.
„Die ausgeprägte soziale Kompetenz war der wesentliche Beitrag des scheidenden Hauptgeschäftsführers für den Frieden in der Branche, für den Ausgleich der Sparten und das harmonische Funktionieren des vielköpfigen Vorstandes“, bescheinigte Vorsteher Roland Ulmer Hans-Karl v. Kupsch im Börsenblatt zu dessen 65. Geburtstag.
Eine besondere Herausforderung für den im niederlausitzischen Luckau geborenen Sohn eines Amtsgerichtsrates aus einer Potsdamer Familie kam mit der Wiedervereinigung Deutschlands. Die gleichzeitige Wiedervereinigung der beiden Börsenvereine durch die nahezu einstimmige Annahme „seines“ Fusionsvertrages 1990, sowohl in Leipzig wie in Frankfurt, zählt v. Kupsch auch heute noch zu seinen schönsten beruflichen Erlebnissen.
Zu seinem 25. Dienstjubiläum am 1.1.1991 bestätigte Altvorsteher Friedrich Georgi dem Jublilar v. Kupsch, dass das Gelingen dieses buchhandels-historischen Ereignisses in erster Linie sein Verdienst sei, wobei er u. a. seine „auf die Durchsetzung des Wesentlichen konzentrierte Kompromissbereitschaft und sein sensibles Gespür für die menschlichen Komponenten notwendiger Entscheidungen“ hervorhob.
Dabei die Bedeutung Leipzigs als Buchstadt so gut wie irgendwie möglich zu wahren und damit auch der Identität der dort groß gewordenen Menschen gerecht zu werden, machte sich v. Kupsch zu seinem besonderen Anliegen.
Bei der Leipziger Buchmesse hat er das zweifellos geschafft, was durch die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft des Beirates der Leipziger Buchmesse durch die Leipziger Messe herausragend gewürdigt wurde. Auf diese Auszeichnung und auf diese Leipziger Buchmesse, der er bis vor kurzem auch noch beratend zur Seite stand, ist v. Kupsch stolz, und so werden wir ihn hoffentlich in seiner alten Frische und Unternehmenslust bald wieder in Leipzig sehen.
Ein weiters Zeugnis seines Leipzig-Engagements ist das imposante „Haus des Buches“. Dass den Bau die damalige Abgeordnetenversammlung nahezu einstimmig abgesegnet hatte, wollte in den Jahren ab 2001, als sich zeigte, dass die damalige Euphorie wie anderswo zu falschen Rendite-Vorstellungen geführt hatte, niemand mehr wissen. Umso erfreuter zeigt sich v. Kupsch, dass es offenbar inzwischen gelungen ist, die Finanzierung auf eine neue Grundlage zu stellen, mit schmerzhaften Begleitumständen zwar, aber nunmehr mit der Aussicht auf eine gedeihliche Zukunft. „Haus des Buches“ auf dem alten Gelände des stolzen Buchhändlerhauses des Börsenvereins der Deutschen Buchhändler zu Leipzig – das ist ein Name, der sich in erster Linie durch das in ihm beheimate „Kuratorium Haus des Buches“ und das von diesem betriebene Literaturhaus Leipzig zu rechtfertigen vermag. Auch von diesem Kuratorium hat v. Kupsch die Ehrenmitgliedschaft erhalten, eine ebenfalls sehr seltene Auszeichnung, die v. Kupsch mit großer Genugtuung erfüllt.
Seine Verdienste („mit Leidenschaft und Augenmaß“) wurden zudem mit dem Bundesverdienstkreuz 1997 und vom Börsenverein zu seinem Abschied mit der Zuerkennung der Plakette „Dem Förderer des deutschen Buches“ gewürdigt.
Was macht er jetzt? Von der Leipziger Buchmesse, der er sich nach wie vor stark verbunden fühlt, war schon die Rede. Die Entwicklung im Börsenverein verfolgt in wohlmeinender Distanz, zuletzt aufgemuntert durch die Berufung von Alexander Skipis als seinen Nach-Nachfolger.
Zur Schonung seiner Bandscheibe hat er das geliebte Tennisspiel (in dem ich ihm einmal schmählich unterlag) durch das Radfahren ersetzt. Die moderne Malerei ist immer noch sein Steckenpferd, auch wenn die im Buchhandel nicht unbekannte und in erster Linie von seiner Ehefrau Hilde betriebene „Galerie von Kupsch“ vor zwei Jahren ihre Pforten schloss (aus Altersgründen, wie die beiden versichern) – das „Geschäftsmodell“ hätte bis zuletzt gestimmt.
Vermutlich waren es auch die anderen Hobbys, die jetzt noch stärker in den Vordergrund getreten sind, an erster Stelle der Wein und Kupschens neue Aktivität, die Organisation von Weinreisen. Nicht zu vergessen die vielen Freunde innerhalb und außerhalb des Buchhandels, der Rotary Club, der Schwarzwald, die Welt des Internets – wie das eben mit siebzig so ist. Das Geburtstagskind sagt denn auch: „Wenn ich morgens aufwache, stelle ich immer noch ein wenig erstaunt, aber stets mit großer innerer Freude und auch mit kribbliger Erregung fest, dass ich Zeit habe, einfach Zeit.“ Ja, ihm fällt dauernd was Neues ein!
Darum beneiden Dich Deine Freunde, die zum Glück daran teilhaben!
Dein Christian
Kontakt: info@vonkupsch.de
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