Mit einem Offenen Brief an den Bayerischen Ministerpräsidenten Dr. Edmund Stoiber haben die Münchner Verlage [Antje Kunstmann, Deutsche Verlags-Anstalt, Prestel, Carl Hanser Verlag, Manesse Verlag, Siedler, Deutscher Taschenbuch Verlag, Oldenbourg Wissenschaftsverlag und C.H.Beck sich am 24.2.2006 gegen die drohende Schließung des Historischen Kollegs München ausgesprochen.
Offener Brief zur Streichung der Grundfinanzierung für das Historische Kolleg
Sehr geehrter Herr Ministerpräsident,
mit Entsetzen haben die in München ansässigen Verlage von der Entscheidung der bayerischen Staatsregierung erfahren, sich aus der Finanzierung des Historischen Kollegs zurückzuziehen. Wenn es bei dieser Entscheidung bleibt, bedeutet dies das Ende für eine der besten Einrichtungen des wissenschaftlichen und kulturellen Lebens unserer Stadt.
Das Historische Kolleg ist eine Institution, die höchstes nationales Ansehen genießt und auch international als eine geisteswissenschaftliche Einrichtung der Spitzenklasse wahrgenommen wird. Es ist ein in Deutschland in seiner Art einzigartiger Ort, an dem Historiker jene Ruhe der schöpferischen Besinnung finden, die ihnen der hektische Alltag an den Universitäten schon lange nicht mehr gewährt. Es ist deshalb kein Zufall, dass am Kolleg viele große Werke der Geschichtsschreibung geschrieben oder vollendet wurden. Die öffentlichen Vorlesungen der Fellows erfreuen sich darüber hinaus einer großen Beliebtheit. Der mit dem Kolleg eng verbundene „Historikerpreis“, den der Bundespräsident zu überreichen pflegt, ist die begehrteste Auszeichnung der Geschichtswissenschaft in Deutschland. Jeder, der das Historische Kolleg kennt, weiß auch, dass die Kaulbach-Villa ein vorzüglich geführtes Haus ist, dessen Gastfreundschaft, Ambiente und Professionalität bei den Fellows stets einen ganz besonderen Eindruck machen.
Dies alles ist mehr als nur ein Segen für die deutschen Geisteswissenschaften. Es ist auch eine große Bereicherung für den Kulturstandort München. Auf der Weltkarte der Geisteswissenschaften hat München auch deshalb einen weithin sichtbaren Platz, weil das Historische Kolleg regelmäßig herausragende Wissenschaftler in unsere Stadt führt. Mit der absehbaren Schließung des Kollegs gibt der Freistaat eine Trumpfkarte aus der Hand, deren Wert gerade in Zeiten der Exzellenzcluster und der Eliteförderung gar nicht hoch genug veranschlagt werden kann.
Verlage sind darauf angewiesen, dass die kulturelle Welt um sie herum pulsiert. Dazu gehört auch, dass Menschen, die wissenschaftliche Werke von bleibendem Rang schreiben, zu Gast in unserer Stadt sind. Sie bringen wertvolle Einsichten und Anregungen mit. Sie tragen aber auch Eindrücke von München und Bayern in ihre Wirkungsstätten zurück. Der bescheidene Ertrag, den die Entscheidung der bayerischen Staatsregierung für den Haushalt erbringt, steht wirklich nicht in einem ausgewogenen Verhältnis zu dem schwerwiegenden Verlust, den sie heraufbeschwört. Wir appellieren deshalb an Sie, verehrter Herr Ministerpräsident, den Beschluß Ihres Kabinetts auszusetzen und einer Prüfung zu unterziehen.
24.2.2006