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Dritte Ravensburger Jugend-Medienstudie in Leipzig präsentiert / Ein Ergebnis: Jungen kommen genauso lesemotiviert in die Grundschule wie Mädchen

Bereits die Hälfte der Fünf- bis Sechsjährigen in Deutschland hat Umgang mit dem Computer. Bücher spielen aber in diesem Alter noch eine wesentlich größere Rolle, und Jungen kommen genauso lesemotiviert in die Grundschule wie Mädchen. Zu diesen ersten Ergebnissen gelangt die dritte Ravensburger Jugend-Medienstudie zum Thema „Medienerziehung in der Frühförderung“, die die Stiftung Ravensburger Verlag heute im Rahmen der Leipziger Buchmesse vorstellte.

Seit PISA stehen vor allem die Lesedefizite der 15-Jährigen im Fokus der deutschen Öffentlichkeit. Es schien pädagogisch nahe liegend, die Jungen und Mädchen von den TV-Soaps und PCs weg und hin zum Buch führen zu wollen. Die Ergebnisse der ersten beiden Ravensburger Jugend-Medienstudien (2003 und 2004) machten jedoch deutlich, dass bildungsbürgerliche Medienvorbehalte der Alltagswelt der Jugendlichen nicht gerecht werden. Ihr Fazit lautete: Bildung sollte mit den Mediengewohnheiten gefördert werden, nicht gegenläufig.

„Die Einführung von Bildungsstandards in den Bundesländern und die Bildungspläne für die Kindergärten werden allgemein die Schulfähigkeit verbessern. Auch der Medienumgang der Kinder und Jugendlichen stellt einen wichtigen Bildungsfaktor dar, der noch stärker berücksichtigt werden sollte“, begründet Dorothee Hess-Maier, Vorsitzende der Stiftung Ravensburger Verlag, das Engagement der Stiftung. „15-Jährige fallen nicht vom Himmel“, schlussfolgerten ihrerseits die wissenschaftlichen Projektleiter Professorin Dr. Gudrun Marci-Boehncke (Literaturwissenschaft, Didaktik) und Professor Dr. Matthias Rath (Pädagoge und Medienethiker). Sie begannen deshalb in einer dritten Studie, die Mediennutzung im Vorschulalter und die Medienbiografien von Eltern und Erzieherinnen unter die Lupe zu nehmen.

“Medien sind mehr als nur Zeitstaubsauger. Die Kinder haben kreativ die Medien für sich entdeckt und in ihr eigenes Spiel und ihre eigenen Interessen integriert“, erklärt Professor Rath den Ausgangspunkt. Ein Jahr lang untersuchte das Team der Forschungsstelle Jugend – Medien – Bildung an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg die Medienwelt von 80 Vorschulkindern in fünf Kindergärten einer Kleinstadt in Baden-Württemberg. Das Projekt „Kinder auf die Spuren bringen – Medienerziehung in der Frühförderung“ ist ein „interventives Forschungsprojekt“, das heißt, neben der Datenerhebung steht gleichberechtigt die Förderung des eigenständigen und kreativen Medienumgangs der Kinder. Auch diese medienpädagogische Intervention wird wiederum wissenschaftlich begleitet, die Ergebnisse an die Erzieherinnen zurückgemeldet, damit diese sie für ihre tägliche Arbeit im Kindergarten nutzen können.

Fünf- und Sechsjährige spielen und toben am liebsten draußen mit ihren Freunden (82,5 % der Jungen, 47,5 % der Mädchen) und geben sich kreativ-produktiven Spielen (z. B. Rollenspiele) hin (75 % der Mädchen, 60 % der Jungen). Die Computernutzung im Vorschulalter (22,5 % Jungen, 7,5 % Mädchen) liegt leicht unter der von klassischen Brett- und Kartenspielen (27,5 % Jungen, 15 % Mädchen). Bücher nehmen mit 30 % Nutzung immerhin einen mittleren Platz unter den Lieblingsbeschäftigungen bei beiden Geschlechtern ein.

Wie die Forscher festgestellt haben, ist die Lebenswelt der Vorschulkinder bereits „medial durchwoben“. Bereits 57,5 % der Jungen und 42,5 % der Mädchen nutzen im Elternhaus Computer. Über 80 % aller Kinder sehen regelmäßig fern und ebenso viele lassen sich Bücher vorlesen oder schauen selbst Bilderbücher an. Bei der Frage nach ihrem Lieblingsmedium liegt das Schwergewicht eindeutig beim Fernsehen (Jungen 42,5 %, Mädchen 47,4 %), bei den Hörmedien wie z. B. Märchenkassetten (Jungen 20 %, Mädchen 31,6 %) und dem Buch (Jungen 22,5 %, Mädchen 13,6 %). Professorin Marci-Boehncke: „Für uns sehr überraschend: Anscheinend kommen Mädchen und Jungen zunächst nicht unterschiedlich lesemotiviert in die Grundschule.“

Weitere Informationen unter www.stiftung.ravensburger.de

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