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Orell Füssli rudert zurück

Noch im Oktober letzten Jahres hatte sich der Schweizer Verlags- und Buchhandelskonzern Orell Füssli (OFB) in einem Hearing vor der Subkommission des Nationalrates „für eine Marktsituation frei von jeglichen wettbewerbseinschränkenden Preisregulierungen“ und damit gegen das Fortbestehen einer Preisbindung in der Schweiz ausgesprochen. Erst Ende Januar hat sich Fabio Amato, CEO bei OFB pressewirksam für die freie Preisgestaltung von Verlagsprodukten durch die Buchhändler geäußert und damit eine neue Diskussion um den Fortbestand der Preisbindung in der Schweiz entfacht.

In einem einseitigen Leserbrief, der in der heutigen Ausgabe von „Der Schweizer Buchhandel“ zu lesen ist, rudern Verwaltungsrat und Geschäftsleitung der Orell Füssli Buchhandlungs AG nun zurück. Man fühle sich durch die Presse „vereinfacht“ zitiert, heißt es da. Im Ringen um eine neue gesetzliche Regelung tritt der schweizerische Marktführer jetzt für ein Mindestpreismodell ein. Demnach soll es nur noch eine Untergrenze bei der Preisgestaltung von Büchern in der Schweiz geben, nach oben hin soll der Buchhändler in Zukunft seine Bücher höher kalkulieren können, so der neue Vorschlag der Züricher.

Nachdem die Wettbewerbskommission in der Schweiz im März letzten Jahres die Buchpreisbindung zum zweiten Mal für unzulässig erklärt hat, geht jetzt der schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband gerichtlich gegen die Entscheidung vor. Gleichzeitig wurde ein Prozess in Gang gesetzt, die Buchpreisbindung für die Deutschschweiz nach deutschem Vorbild gesetzlich zu verankern. Über verschiedene Preisbindungsmodelle wird zur Zeit in der Subkommission des Nationalrats verhandelt.

Weiterhin sieht OFB in dem bestehenden Preisbindungsmodells eines Sammelrevers weiterhin eine größerer Gefahr als im Wegfall der Preisbindung. Begründet wird dies mit der besonderen Situation in der Schweiz. Da deutschsprachige Bücher überwiegend aus Deutschland auf den Schweizer Markt kommen, bestimmt ein Preisüberwacher die Ladenpreise für den Schweizer Buchhandel. So liegen die Ladenpreise derzeit um ca. 16 Prozent über dem deutschen Preisniveau. Der Internetversand aus Deutschland, aber auch der Druck der Preisüberwacher, die die schweizerischen Ladenpreise für deutsche Buchprodukte gern weiter absenken würden, sei „für das Überleben der Buchhandlungen wesentlich gefährlicher als ein Wegfall der Preisbindung“, begründen dies die Briefeschreiber, die nach eigenem Bekunden ihre Überlegungen im Sinne des gesamten Schweizer Buchhandels anstellen.

Der Grund für den Sinneswandel findet sich auch in dem Brief: „Der Wegfall der Preisbindung in der Schweiz kann ein Tesco-Modell provozieren, wonach Kaufhausketten Bestseller in großem Volumen zu günstigen Konditionen einkaufen und praktisch zum Einkaufspreis an den Kunden abgeben mit dem Ziel, Frequenzen in den Kaufhäusern zu erzeugen“, gibt Orell Füssli jetzt zu bedenken. Dennoch gilt für das nternehmen: „Falls eine Einigung auf ein Mindestpreismodell nicht erzielt werden kann, würde OFB wohl einen Wegfall der Preisbindung einem nicht absehbarem Preisdiktat des Preisüberwachers vorziehen“

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