
Sonntagmorgen, fünf Uhr früh. Völlig übernächtigt taumle ich aus dem Festivalcafé hinaus in die kühle Nacht. Draußen stehen die Festivalmacher Werner Köhler, Rainer Osnowski und Edmund Labonté im Kreis zusammen mit ihren Fahrern. Irgendetwas Beschwörendes geht da vor sich. Für mich und andere haben sie jetzt keine Augen mehr. Das Festival ist vorüber und alle liegen sich glücklich in den Armen.
Der Samstag hat noch mal richtig gekracht, bevor dann die große Party mit Tanz und jeder Menge Alkohol stieg. Der Norweger Kjell Ola Dahl reiste an, ebenso wie der Kanadier Joseph Boyden, eine echte Entdeckung. Sein Roman „Der lange Weg“ wurde von James Bond Bösewicht Gottfried John gelesen. John Griesemer trat auf, der Pink Floyd-Drummer Nick Mason begeisterte und der Lokalmatador Frank Schätzing schenkte seinen Freunden vom Festival gleich zwei Premierenlesungen. Irene Dische packte in Köln ihre Koffer ebenso aus, wie der Kubaner Leonardo Padura und dann noch der große Abschluss Abend: „Im Land der dichten Denker“ brachte uns die Skurrilität eines kleinen Völkchens in der Mitte Europas, der Deutschen, nahe. Vor 1200 Zuschauern zeigten Hans Zippert, Heinz Strunk], Thomas Kapielski und das Oberkreuzberger Nasenflötenorchester, das keinesfalls nur die Römer spinnen.
Und dann ging sie zu Ende, die sechste lit.COLOGNE. In einem rauschenden Fest, das sich bald jeder Kontrolle entzog. Und alle waren noch einmal gekommen. Roger Willemsen und Iris Berben sogar ausschließlich um dabei sein zu können. Ebenso wie K&W-Verleger Helge Malchow, Elke Heidenreich, Bernd Schröder, Ex-Minister Michael Vesper, Michael Kumpfmüller, Cordula Stratmann sowie das fast vollständige Ensemble des Kölner Schauspielhauses. Die Musik wurde lauter, bis die Festivalmacher schließlich in einer berührenden Schlussansprache das Festival für beendet erklärten und ihre Teammitglieder hochleben ließen. Da war sie noch mal, die Magie der lit.COLOGNE, ohne die es in den kommenden Monaten ganz schön trist sein wird. Bleibt uns nur die Hoffnung auf ein erneutes Glanzlicht der Literatur im Frühjahr 2007.
Auch ihr Reporter möchte sich an dieser Stelle von Ihnen, den Lesern von buchmarkt.de, verabschieden. Tragen auch Sie die Botschaft, die in diesen neun Tagen von Köln ausging in die Welt: Die Literatur lebt, heftiger, intensiver, kraftvoller als jemals zuvor.
Es grüßt herzlich
Ihr
Titus van Trier
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