In den ersten drei Monaten dieses Jahres ist der Umsatz des Bahnhofsbuchhandels um drei Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum gesunken. Gleichzeitig steigen die Nebenkosten, die die Bahn für die Vermietung der Räumlichkeiten berechnet, weiter. So beschreibt Götz Grauert, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Bahnhofsbuchhändler,

die Vorzeichen, unter denen sich am 3. April in Düsseldorf die Bahnhofsbuchhändler zur Jahreshauptversammlung getroffen haben. Auf der Veranstaltung, die noch bis zum 5. April fortgesetzt wird, diskutieren Buchhändler, Vertriebs- und Marketingexperten der Verlage und Repräsentanten der Grossohäuser über bessere Absatzmöglichkeiten und über die weitere Verbandsarbeit.
Bereits im Vorfeld hatte Grauert verlauten lassen, dass es im vergangenen Jahr nur ein leichtes Umsatzplus von 1,5 Prozent gegeben habe. „Die Schere zwischen kleinen und großen Anbietern klafft immer weiter auf“, so Grauert. Insbesondere die kleinen Sortimente hätten im letzten Jahr Umsätze eingebüßt, das Plus tragen die großen.
Bereits am ersten Tag wurden viele Themen im Detail angesprochen, die die Bahnhofsbuchhändler bewegen. Dabei richteten sich Forderungen an die Verlage nach besseren Konditionen, mehr Verkaufsförderung (zum Beispiel durch Gutscheine und Give-aways) und Schulung der Mitarbeiter. Verlagsvertreter wiederum wünschten sich eine bessere Zusammenarbeit zwischen dem Marketing der Verlage und der Bahnhofsbuchhandlung.
Probleme bereiten nach wie vor mangelnde Regalsysteme, die auch Hefte mit so genannten Gimmiks als Beigabe so aufnehmen, dass sie auch noch nach einiger Zeit sortiert aussehen. Aber auch das Thema Gattungsmarketing, d.h. Werbung für eine Gruppe von Medien aus einem Themenbereich unter Einbeziehung mehrerer Verlage, oder der Einsatz von konzertierten Plakataktionen wurden diskutiert.
„Bahnhofsbuchhandel: Papierlager oder Medientempel“, lautete der Titel des Vortrages von Gruner + Jahr-Gesamtvertriebsleiter Dr. Olaf Conrad

und er brachte damit das Präsentationsproblem des Bahnhofsbuchhandels auf den Punkt. Dabei gehe es nicht nur um gutes Aussehen, sondern vor allem darum, auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen. In Arbeitsgruppen wurde diskutiert, welche gemeinsamen Bedürfnisse unterschiedliche Kundentypen haben. Mehr Orientierungshilfen in den Läden, großzügigere Gänge, mehr Licht und offensiver Service lauten die erarbeiteten Eckpunkte.
Dr. Christian Schreier, Geschäftsführer des Hamburger Werbeforschungsunternehmens MediaAnalyzer Software & Research, stellte jüngste Kenntnisse aus dem Neuromarketing vor und forderte dazu auf, die neuen Erkenntnisse auf Ladengestaltung und Sortimentsstruktur anzuwenden. Dabei plädierte Schreier, der auch Autor des Buches „Wie Werbung wirkt“ ist, das im Mai bei Haufe erscheint, für klare Wegeführung, übersichtliche Schaufenstergestaltung und ein überschaubares Produktangebot.

Erste Erfolgsmeldungen über eine vor zwei Jahren begonnene Marketingkampagne für den Bahnhofsbuchhandel wird der Vorsitzende des Verbandes Götz Grauert am 4. April auf der Jahreshauptversammlung vorstellen. Am 5. April wird in der Mitgliederversammlung der Geschäftsbericht 2005 vorgelegt und dann soll der Vorstand entlastet werden. Außerdem steht die Wahl des neuen Schatzmeisters an. Dietrich v. Wissell, Geschäftsführer Presse und Buch im Bahnhof, gibt sein Schatzmeisteramt auf. Als einziger neuer Kandidat wird den Mitgliedern Michael Falter, Geschäftsführer Falter Bücher und Presse Vertrieb, zur Wahl empfohlen.