In Anwesenheit von 160 Gästen aus Kultur, Medien, Wirtschaft und Politik wurde gestern abend in München erstmals der PRIX HÖRVERLAG verliehen.
Die Jury – besetzt mit dem Autor Wiglaf Droste, Udo Kittelmann (Museum für Moderne Kunst in Frankfurt), dem Musiker und Komponisten Hans Platzgumer, der Schauspielerin Wiebke Puls, dem Literaturkritiker Wilhelm Trapp und Verlegerin Claudia Baumhöver – stellte die drei besten unter 120 Einsendungen in Wort und Klang vor.
Den ersten Platz, dotiert mit 5.000 € und einer Veröffentlichung im Programm des Hörverlags, belegte Stefan Finke aus Köln mit seiner assoziativen Soundcollage „Familienalbum. Innerer Monolog für Stimmen, Musik und Geräusche“, produziert für den Bayerischen Rundfunk.

Den zweiten Preis, und damit 3.000 €, konnte das Berliner Autoren-Duo SEROTONIN (Marie-Luise Goerke und Matthias Pusch) für den Beitrag „Scheitern für Fortgeschrittene“, produziert im Auftrag des WDR, entgegennehmen.
Mit „In’ Sack haun“, ebenfalls eine WDR-Produktion, kam der Berliner Hermann Bohlen, auf Platz 3 und erhielt ein Preisgeld von 1.000 €.
Der PRIX HÖRVERLAG, der einzige Hörspielpreis, der von einem Verlag vergeben wird, wird alle zwei Jahre ausgeschrieben und hat das Ziel, unabhängige HörspielmacherInnen zu fördern und ihren Werken zusätzliche Aufmerksamkeit zu verschaffen.
„Mit dem Preis“, so Claudia Baumhöver, „wollen wir freie Kreative ermutigen, die Möglichkeiten des Formats Original-Hörspiel in alle Richtungen auszuloten. Gleichzeitig sollen die Werke den Autoren und ihrem Publikum gleichermaßen Lust auf akustische Umsetzungen machen.“
Aus den Begründungen der Jury:
1. Preis: „Familienalbum. Innerer Monolog für Stimmen, Musik und Geräusche“:
„…Die Form des Stückes ist ungeheuer interessant, weil sie nicht klassisch narrativ ist, und sie wird vom Tempo und der Musikalität des Regisseurs Ulrich Lampen getragen. Ich mag Worte wie „kongenial“ nicht, aber es ist wirklich so: Sie haben eine Partitur geschrieben, und er hat sie dirigiert. Und wir alle haben große Freude daran…“
2. Preis: „Scheitern für Fortgeschrittene“:
„…All das ist in einer so abwechslungsreichen wie schlüssigen Dramaturgie und mit wunderbarer Musikalität arrangiert, strukturiert auch durch einen treibenden, mit Streichern durchzogenen Groove. Wiederholungen sind Programm, dem Wunsch entsprechend, das Leben zurückspulen zu können, um noch einmal von vorne anzufangen. Statt dessen erleben wir vielfach verpasste Einsätze, aufs Neue verschusselte Momente, evergreene Kränkungen, widerkehrende Ratlosigkeiten und – das ist der Zauber – in der Summe eine höchst elegante, komplexe Fuge…
…Diese hör- und spürbare Realität der Situationen gibt dem Patchwork der Elemente den in seiner Eigenwilligkeit leichten, homogenen Fluss, dem zu folgen ein großes Vergnügen ist.“
3. Preis: „In’ Sack haun“:
„…Als ich es gehört habe, war es einer meiner persönlichen Favoriten. Und ich dachte, das ist eine der frischesten und frechsten Produktionen unter den Einreichungen. Obwohl vor einigen Jahren für den WDR umgesetzt, ist es sehr jung und frei produziert, was für das Stück spricht. Es hat eine Zeitlosigkeit…“