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Plagiatsvorwurf: Feridun Zaimoglu wird verdächtigt, in „Leyla“ abgeschrieben zu haben

Neben dem Verbot von Büchern (bekannteste Fäller: Alban Nikolai Herbst [mehr…] und Maxim Biller ) [mehr…] scheint es einen neuen „Volkssport“ zu geben: Plagiatsvorwürfe. Jetzt trifft es den deutschen Autor Feridun Zaimoglu, wie die FAZ schon gestern meldete (Login erforderlich).

Begeistert wurde im Frühjahr sein Roman „Leyla“ (Kiepenheuer & Witsch)aufgenommen, nun sieht sich Zaimoglu einem „widerlichen Rufmord“ ausgesetzt, mehr noch: „Hier wird meine Existenz angegriffen.“ Grund ist ein kursierendes Manuskript einer Germanistin, das Parallelen zwischen „Leyla“ und einem 1992 erschienenen Roman der Autorin Emine Sevgi Özdamar auflistet.

Beide Autoren kamen 1965 nach Deutschland, beide Bücher erzählen von einer Frau, die im anatolischen Malatya (Heimatort von Özdamar und von Zaimoglus Mutter) aufwächst, später nach Istanbul zieht und weiter nach Berlin. Die Arbeit der Wissenschaftlerin nennt eine Fülle ähnlicher Details: etwa die Verballhornung von US-Filmstars („Humprey Pockart“ versus „Kessrin Hepörn“), Enthaarungen mit Zitronenwasser und Zucker oder den Umstand, dass das Mädchen auf einem Ausflug in dem einen Roman an einen „silbernen See“ kommt, im anderen an einen „Silberfluss“, schreibt heute Die Presse.

Ein „Rumor“ gehe um, meldete daher die Frankfurter Rundschau am Mittwoch. Ausgelöst worden sei er durch eine „noch nicht fertige Studie aus dem universitären Bereich, deren Urheber nicht genannt werden möchte“.

Gegen die „Mauschelei“ habe er sich nicht wehren können, sagt Zaimoglu zur „Presse“. Jetzt habe er jedoch seinen Anwalt eingeschaltet. „Wenn es keinen Widerruf gibt, werde ich klagen. Auch um die, die das behaupten, aus dem Dunkel zu locken.“ Denn die Verfasserin der „Studie“ hat sich nicht öffentlich zu den Plagiatsvorwürfen bekannt.

Wie „Die Presse“ erfuhr, handelt es sich um die Münchener Germanistin Maria Brunner. Ihr Schwerpunkt: Migrationsliteratur, etwa das Werk von Emine Sevgi Özdamar. Auch Özdamar hat Zaimoglu bisher nicht persönlich beschuldigt. Sie zitiert ihn nur laut der Süddeutscher Zeitung mit der Äußerung: „Es gibt Bücher, da wird man böse, dass sie nur 400 Seiten haben und nicht 4000.“ Er habe das in Bezug auf ihr Buch gesagt. „Einfach falsch“, kontert Zaimoglu. „Ich habe es nicht gelesen. Ich kann es als Quelle hunderprozentig ausschließen“. Einzige Quelle seien die auf Band aufgenommenen Gespräche mit seiner Mutter. „Ich werde alles offen legen und von unabhängiger Seite übersetzen lassen.“

Er habe keinerlei künstlerische Übereinstimmungen bemerkt, betont Helge Malchow, Verleger des beide Autoren betreuenden Kiepenheuer & Witsch-Verlags. Wörtliche Übereinstimmungen gebe es ebenfalls nicht. Daher liege auch in juristischer Hinsicht kein Plagiat vor. Malchow muss sich auskennen: Auch sein Starautor Frank Schätzing war als Plagiator verdächtigt worden – und vom anfangs großen Geschrei ist nicht viel übriggeblieben…

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