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Noch einmal Handke: Sebastian Hammelehle in der WELT über den Verzicht des Autors

Nun hat Handke in einem Brief an den Düsseldorfer Oberbürgermeister Joachim Erwin [mehr…] auf den Preis verzichtet. „Ich bitte Sie – so das in Ihrer Macht steht -, die Sitzung oder Veranstaltung auf den Nimmerleinstag zu verschieben und statt dessen die Stadträte an die frische Luft zu entlassen, zum Beispiel zu einem Picknick an den Rhein.“ Die Fraktionen von SPD, Grünen und FDP im Stadtrat hatten angekündigt, auf einer Sitzung am 22. Juni die Preisverleihung an Handke zu verhindern. Das brauchen sie nun nicht mehr. Statt dessen sollten sie sich endlich einmal Gedanken machen, was der Heine-Preis eigentlich sein soll und für was er verliehen wird. Ohne diese Klärung kann die Auszeichnung kaum wiederbelebt werden.
„Daß Handke ihn gar nicht mehr haben will, ist verständlich. Und es ist schade, da Handke, wie er schreibt, bei der Preisverleihung ‚einiges hätte darlegen können zum Unterschied zwischen journalistischer und literarischer Sprache’, schreibt Hammelehle und fährt fort: „Um diesen Unterschied geht es: Man muß sich einlassen auf Handkes eigenen Ton, auf seine Sprache, bevor man seine Äußerungen bewertet. Sechs Veröffentlichungen gibt es von Peter Handke zum Jugoslawien-Konflikt. Darüber hinaus hat er, seit er am 8. Juni 1966 – auf den Tag genau vierzig Jahre vor dem Bekanntwerden seiner Heine-Preis-Absage – mit der ‚Publikumsbeschimpfung’ zu einem Literaturstar wurde, immer wieder wirklich hervorragende Werke (oder, wie Handke jetzt schreibt, ‚Zeug’) veröffentlicht: Von welchem anderen lebenden, deutschsprachigen Autor kann man das schon behaupten? Die verstiegensten Aussagen zum Jugoslawien-Krieg stammen übrigens nicht von Handke – sondern Rudolf ‚Hufeisenplan’ Scharping.“

Weiterlesen: http://www.wams.de/data/2006/06/11/909968.html

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