
Anna Politovskaja
c DuMont Literatur und Kunst Verlag
Für die DuMont Crew schlug die Nachricht auf der Messe ein wie eine Bombe: Die russische Journalistin und Autorin Anna Politkovskaja ist am Samstag in Moskau ermordet worden. Auch auf der Frankfurter Buchmesse wurde denn am Messe-Sonntag Ihres Todes gedacht.
In ihren beiden Büchern „Tschetschenien. Die Wahrheit über den Krieg“ und „In Putins Russland“, die auf Deutsch im DuMont Literatur und Kunst Verlag erschienen, wie auch in ihrer journalistischen Arbeit für die Zeitung „Nowaja Gaseta“ offenbarte sie die Methoden der russischen Kriegsführung gegen die Tschetschenen. Ihre akribischen und gefahrvollen Recherchen enthüllten ein Bild des Grauens.
Sie berichtete unerschrocken von Folter und Morden, von Korruption in Staat und Justiz und vom Terror der organisierten Kriminalität in Russland. Immer wieder versuchte sie die Welt auf die Missstände in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Meist vergeblich. Die Ignoranz der westlichen Politik, auch der deutschen, gegenüber „Putins Russland“ enttäuschte sie zutiefst. Wiederholt hat Anna Politkovskaja auf ihre Gefährdung hingewiesen. Vor zwei Jahren, bei der versuchten Berichterstattung über die Geiselnahme in der Schule von Beslan wurde sie bereits einmal zum Ziel eines Anschlags. Gleichwohl blieb sie bis zuletzt unermüdlich in ihrem Kampf für Menschenrechte und Demokratie.
Die Mitarbeiter des DuMont Literatur und Kunst Verlags, die Anna Politkovskaja kennen gelernt haben, waren tief beeindruckt von ihrem Mut, ihrer Entschlossenheit und der Warmherzigkeit, mit der sie den Opfern des Krieges in Tschetschenien eine Stimme verlieh. Ihr Engagement, daran kann kaum ein Zweifel bestehen, hat der Moskauerin jetzt das Leben gekostet
„Tschetschenien – Die Wahrheit über den Krieg“ (2003) berichtet vom Schicksal der Menschen in Tschetschenien, den Übergriffen auf die Zivilbevölkerung, von einem Alltag, in dem Folter, Hinrichtungen, Plünderungen und Entführungen an der Tagesordnung sind. Und von der Ausbreitung eines Rassismus gegen alles Nicht-Russische in der russischen Bevölkerung. Schonungslos analysiert es die politischen und wirtschaftlichen Interessen an der Fortführung dieses Krieges, den Verflechtungen mit dem illegalen Handel von Erdöl und Waffe. Immer wieder reiste Anna Politkovskaja unter größten persönlichen Gefahren zu Recherchen in das Krisengebiet.
„In Putins Russland“ (2005), beschreibt eindringlich und warnend den mächtigen Apparat des Geheimdienstes, dem Putin entstammt; die unerträglich brutalen und korrupten Verhältnisse in der Armee und in einer käuflichen Justiz; die Oligarchen-Mafia in der Industrie; das bestechliche Geflecht aus Nomenklatura und Zentralverwaltung und die zunehmende Rechtlosigkeit von ethnischen Minderheiten. In russischer Sprache wurde das Buch nie veröffentlicht.







