Gerhard Schröders politische Memoiren (Hoffmann und Campe) sollen jetzt bereits am Donnerstag, dem Tag der offiziellen Vorstellung in Berlin, verkauft werden dürfen.

Hoffmann und Campe-Verleger Günter Berg jetzt noch mal am Telefon: „Wir haben keine andere Wahl, der Druck aus dem Handel ist so groß geworden. Kein Mensch versteht, dass das Buch nach den jetzt schon zahlreichen Veröffentlichungen nicht auch verkauft werden kann.“
Um den Termin des Verkaufsstarts hatte es am Dienstag zuvor Verwirrung gegeben, weil eine irritierende Info in einem Fakturierungstext zu einer Meldung in der „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ (NRZ/Essen) geführt hatte, das Buch könne bereits ab Mittwoch verkauft werden.
In Irland nimmt übrigens der Buchmacher Paddy Power Wetten auf denjenigen an, der zuerst gerichtliche Schritte gegen den Ex-Kanzler aufnimmt. Potenzielle Kläger seien demnach Ministerpräsident Edmund Stoiber, der ehemalige Außenminister Joschka Fischer, Doris Schröder-Köpf und sogar George Bush.
Ganz heißer Kandidat für die Klageführung sei aber Oskar Lafontaine mit einer Quote von 3,0. Schließlich ließ Schröder kein gutes Haar an seinem ehemaligen Parteifreund, wie bereits in der Presse nachzulesen war – während sich nach neuesten Meldungen Oskar Lafontaine aber versöhnlich zeigt:
In einer Rezension der Schröder-Memoiren für den „Stern“ erinnert Lafontaine an den Großen Zapfenstreich zur Verabschiedung Schröders, bei dem das Bundeswehr-Orchester den Frank-Sinatra-Song „I did it my way“ gespielt hatte und dem scheidenden Kanzler die Tränen gekommen waren. „Als ich diese Szene im Fernsehen sah, war die Bitterkeit der letzten Jahre verflogen“, schreibt Lafontaine. „Ich war auf seltsame Art und Weise beklommen, denn wir wollten etwas anderes.“
Lafontaine, der 1999 im Streit mit Schröder alle Ämter niedergelegt hatte und nun Fraktionschef der Linkspartei im Bundestag ist, zeigte sich beeindruckt, dass sein „ehemaliger Partner auch heute noch an seiner Einschätzung festhält, nie wieder einen so begabten politischen Menschen kennen gelernt zu haben“ wie ihn, Lafontaine. Er fügte hinzu: „Und wenn er zum Ergebnis kommt, dass mein Rücktritt auch mit dem Attentat vom 25. April 1990, das ich nur knapp überlebte, zusammenhängt, dann stimme ich zu.“
Dass das Buch ein Erfolg wird, darüber sind sich die Quotenexperten von Paddy Power sicher: Die Quote hierfür liegt bei 1,33. Denn der Ex-Kanzler genießt in der Bevölkerung nach wie vor gutes Ansehen: Die Mehrheit der Bundesbürger ist laut einer «Stern»-Umfrage der Ansicht, dass er ein guter Regierungschef war. Auf die Frage, ob Schröder ein guter Kanzler war, antworteten 56 Prozent mit «ja», 36 Prozent stimmten mit «nein», der Rest mit «weiß nicht».