Die neue Eigentümerstruktur von Suhrkamp [mehr…] war gestern Nachricht des Tages, spekuliert wurde auch viel (und nicht immer richtig) [mehr…] um mögliche Folgen für die Verlage Cossee, Dörlemann und Kein & Aber.
„Seit dem Tod des Verlegers Siegfried Unseld kommt der Frankfurter Suhrkamp Verlag nicht zur Ruhe“, schreibt heute Uwe Wittstock in der WELT. „Jetzt zum Beispiel hat einer der beiden Minderheits-Eigentümer des Verlags, der Schweizer Geschäftsmann und Mäzen Andreas Reinhart, seine 29-prozentige Beteiligung an den Medienunternehmer Hans Barlach und den Investmentbanker Claus Grossner verkauft. Diese Meldung ist schon deshalb eine Sensation, weil Suhrkamp-Anteile nicht eben häufig angeboten werden.“
Bemerkenswert ist dabei, dass Suhrkamp, wie der stellvertretende verlegerische Leiter des Hauses, Dr. Thomas Sparr, schon gestern gegenüber buchmarkt.de bestätigte, von Reinharts Verkauf aus der Zeitung erfahren hat. „Das spricht nicht eben für freundliche Umgangsformen unter Geschäftspartnern, die jahrzehntelang zusammengearbeitet haben“, kommentiert Wittstock und fragt, ob der Anteilverkauf nicht vielleicht sogar rechtswidrig sein könnte. Der Verlag lasse derzeit prüfen, ob Reinharts Verkauf ohne deren Genehmigung überhaupt rechtsgültig ist, heißt es.
Reinhart begründet laut WELT den Verkauf mit dem Führungsstil von Unselds Witwe Ulla Berkéwicz und mit dem „Herausmobben“ von Geschäftsführern: „Seit Unseld vor gerade mal vier Jahren starb, haben den Verlag der noch von Unseld bestellte Geschäftsführer Günter Berg und die Geschäftsführer Georg Rieppel und Rainer Weiss und der Lektor Thorsten Ahrend verlassen“, resümiert Wittstock. „Dazu sind etliche der erfolgreichsten und interessantesten Autoren zu anderen Häusern gewechselt.“
Die FAZ wird da noch deutlicher: „Aber was ist mit Familientraditon, zu der seit einem halben Jahrhundert das Engagement bei Suhrkamp zählt? Und wieso verbleiben die Verlage Dörlemann und Kein & Aber bei Reinhart und werden nicht zusammen mit den Suhrkamp-Anteilen in die neue Holding eingespeist? Hat die Entscheidung womöglich mit schlechten Erfahrungen zu tun, die Reinhart in den letzten Jahren mit Suhrkamp machen mußte und seine Söhnen in Zukunft ersparen möchte?“, fragt FAZ-Autor Hubert Spiegel: „‚Ja, klar. Da mache ich keinen Hehl daraus. Mein Verhältnis zu Suhrkamp, vor allem zu Herrn Lübbert, aber auch zu Ulla Unseld-Berkewicz, ist sehr schlecht. Zwischen mir und diesen Leuten'“, sagt Andreas Reinhart, „‚ging es einfach nicht länger.'“
Zum vollständigen Artikel der WELT: http://www.welt.de/data/2006/11/10/1105025.html
Auch die „Süddeutsche Zeitung“ kommentiert: http://www.sueddeutsche.de/kultur/ticker/iptc-bdt-20061109-495-dpa_13070394/