Dr. Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT erläutert gegenüber buchmarkt.de seine Beweggründe zum Vorlesetag [mehr…].

buchmarkt.de: Herr Dr. Esser, warum investiert DIE ZEIT in Leseförderung und in welchem Zusammenhang steht damit der Vorlesetag?
Dr. Esser: Zunächst einmal geht es uns um die Sache: Wer nicht liest, nimmt nicht Teil am Denken und fühlen, wer nicht liest, bleibt dumm und wird nur wenig Spaß am Leben haben. Wie Sie wissen, ist die ZEIT viel Lesestoff. Wir können nicht immer rummeckern, die jungen Leute würden nicht lesen, sondern wir müssen etwas tun und ihnen Anreize geben, zum Buch oder zur Zeitung zu greifen. Wir glauben an die jungen Menschen und deshalb hat sich die ZEIT auch immer wieder selbst erfunden und Themen für die junge Generation behandelt. Wir haben deshalb heute auch das jüngste Durchschnittsalter in unserem Wettbewerbsumfeld. Der Vorlesetag ist nicht unser einziges Engagement für Leseförderung: Wir verteilen jährlich an 200 000 Schüler drei oder vier Wochen lang DIE ZEIT kostenlos an Schulen, und ermöglichen damit, dass Medienkunde stattfinden kann, bei denen die Lehrer Lehr-Material über Medienkunde bekommen. Wir haben in den letzten vier Jahren die Auflage um 60 000 Exemplare gesteigert, das ist einzigartig in der Zeitungslandschaft. Ein Drittel der neugewonnenen Leser sind Studenten.
Wie kann lesen heute wieder sexy werden? Wie haben Sie es geschafft, dass am 17. November bereits der dritte Vorlesetag stattfindet?
Wenn es heißt, dass junge Leute durch andere Medien abgelenkt werden, müssen wir etwas tun, um sie wiederum abzulenken, um sie zum Lesen zu bringen. Wie sind überzeugt: Vorbilder müssen vorlesen. Zuerst sind das natürlich die Eltern. Doch auch Prominente können etwas bewegen, sie sind häufig Vorbilder für die Eltern und die Kinder. Das nutzen wir beim Vorlesetag.
Wie kam das Geld für den Scheck für die Stiftung Lesen zustande? Wird es weitere Aktionen in dieser Richtung geben?
Das sind die Gewinne, die wir mit unserer ZEIT Kinderbuchedition gemacht haben. Mit den 15 Schätzen der Kinderliteratur wollen wir ebenfalls das Vorlesen fördern und mit den schönen Zeichnungen soll das Vorlesen Spaß machen. Es sind jetzt 50 000 Euro zusammengekommen, die wir am Donnerstag, den 16. November im Beisein des Bundespräsidenten und dem Chef der Deutschen Bahn Hartmut Mehdorn der Stiftung Lesen übergeben werden. Im nächsten Jahr wird es zum vierten Mal den Vorlesetag geben.
Die Fragen stellte Matthias Koeffler