1. (-) 74 Punkte
PÉTER NÁDAS: Behutsame Ortsbestimmung
Zwei Berichte. Aus dem Ungarischen von Heinrich Eisterer.
Berlin Verlag, 80 Seiten, 16,00 EUR
mittelschwere Lektüre
Das Dorf Gombosszeg, Nádas’ Zuhause, ein Ort der Götter, der alten Bräuche, eine vormodernde Gemeinschaft, zu der man gehört, ohne zu wissen, warum. Und: der Bericht über den Herzinfarkt, der den 51-jährigen auf offener Straße ereilte, eine Schwellenerfahrung, ein Zögern am Rande des Todes.
2. (-) 56 Punkte
ORHAN PAMUK: Istanbul
Erinnerungen an eine Stadt
Aus dem Türkischen von Gerhard Meier.
Carl Hanser Verlag, 432 Seiten, 25,90 EUR
mittelschwere Lektüre
„Wir blättern in diesem überaus reich illustrierten Buch wie in einem doppelten Familienalbum. Der abwesende Großvater ist durch die Stadt Istanbul ersetzt, ein Familienmitglied, das immer schon war und immer sein wird, der mythische Stammvater der Sippe und der missratene kleine Vetter in einer Person.“ (Hubert Spiegel)
3. (-) 44 Punkte
GEORGE STEINER: Warum Denken traurig macht
Zehn (mögliche) Gründe
Aus dem Englischen von Nicolaus Bornhorn.
Suhrkamp Verlag, 89 Seiten, 14,80 EUR
mittelschwere Lektüre
Weil Denken unbegrenzt, unkontrolliert, beschränkt, fehlerhaft, verschwenderisch, wirkungslos, zwanghaft, einsam, banal, weltfremd ist.
4. (-) 40 Punkte
VIRGINIA WOOLF: Briefe
Zwei Bände: 1888 – 1927 und 1928 – 1941.
Aus dem Englischen von Brigitte Walitzek.
S. Fischer Verlag, 550 und 516 Seiten, je Band 39,00 EUR
mittelschwere Lektüre
„Liebster, (…) wenn überhaupt jemand mich hätte retten können, wärst Du es gewesen. Alles ist von mir gegangen bis auf die Gewißheit Deiner Güte. Ich kann Dein Leben nicht länger ruinieren. Ich glaube nicht, daß zwei Menschen glücklicher hätten sein können als wir es waren. V.“ (aus dem Abschiedsbrief an Leonard Woolf)
5. (-) 37 Punkte
GERT LOSCHÜTZ: Die Bedrohung
Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 192 Seiten, 19,90 EUR
mittelschwere Lektüre
Matthias Loose, ehemals Feuilletonredakteur, wird zu einer Botanikerversammlung in einen kleinen Ort eingeladen. Er zögert, bis er eine eigentümliche Zeitungsnachricht entdeckt. Dort, in einem angrenzenden Wald, haben wieder zwei Jugendliche Selbstmorde begangen. „Von überall her kommen die Leute, um hier zu sterben, sagte der Bürgermeister.“
6.-7. (-) 36 Punkte
NICO BLEUTGE: Klare Konturen
Gedichte. C.H. Beck Verlag, 88 Seiten, 12,00 EUR
mittelschwere Lektüre
„was sehen wir“, so beginnt ein Gedicht. Am Ende mehr als zuvor. Bleutge schreibt Sehgedichte, Augenlyrik: die Sprache ist ein Fern-, ein Nah-, ein Brennglas.
6.-7. (-) 36 Punkte
JOAN DIDION: Das Jahr magischen Denkens
Aus dem Amerikanischen von Antje Rávic Strubel.
Claassen Verlag, 288 Seiten, 18,00 EUR
mittelschwere Lektüre
„Was geschieht, wenn der andere so sehr Teil des eigenen Lebens geworden ist, dass die meisten Gedanken an ihn adressiert sind? Was geschieht mit den Gewohnheiten, die plötzlich halbiert sind, was mit der intimen Sprache, die nun kein Gehör mehr findet? Was wird aus der Erinnerung, die man nicht mehr teilen kann, wenn der Mensch, der in den meisten Erinnerungen die Hauptperson ist, in den kommenden keine Rolle mehr spielen wird?“ (Andrea Köhler)
8. (10.) 33 Punkte
FRIEDRICH CHRISTIAN DELIUS: Bildnis der Mutter als junge Frau
Erzählung. Rowohlt.Berlin Verlag, 128 Seiten, 14,90 EUR
leichtere Lektüre
„Liebe in allen Formen, Gattenliebe, Mutterliebe, Heimatliebe, Nächstenliebe, liegt diesem makellosen, klassisch modernen Stück Prosa zugrunde, das nicht umsonst an den Schlussmonolog des Ulysses mit seinem großen Lebens-Ja erinnert.“ (Gustav Seibt)
9. (9.) 31 Punkte
SILVIA BOVENSCHEN: Älter werden
Notizen
S. Fischer Verlag, 154 Seiten, 17,90 EUR
mittelschwere Lektüre
„Eignungsanmaßung. Jetzt, Anfang 2006: Warum glaube ich an meine besondere Zuständigkeit für dieses Thema? Weil ich alt bin. 60!“ Kein Essay, keine wissenschaftliche Abhandlung, Persönliches zu einem Thema, das täglich weniger ein Thema und mehr ein Bekenntnis ist.
10. (-) 30 Punkte
ULRIKE EDSCHMID: Die Liebhaber meiner Mutter
Roman. Insel Verlag, 150 Seiten, 16,80 EUR
leichtere Lektüre
Eine abgelegene Burg als Zuflucht am Ende des Zweiten Weltkriegs, eine Mutter, die webt – wie einst Penelope, um ihre Kinder zu ernähren, eine Frau, die sich ihre Liebhaber nimmt und sie wieder verstößt. Eine Umwertung der Geschlechterverhältnisse im Schatten des Nachkriegs, bis das Wirtschaftswunder die Ordnung wieder herstellt.
Persönliche Empfehlung im Dezember von Iris Radisch (Hamburg)
EMILY DICKINSON: Gedichte
Englisch – Deutsch. Herausgegeben und übersetzt von Gunhild Kübler.
Carl Hanser Verlag, 560 Seiten, 45,00 EUR
„Die Wiederentdeckung der großen amerikanischen Dichterin des leeren Himmels und des scharfsinnigen Gefühls.“ (Iris Radisch)
Literatur im Fernsehen:
‚Literatur im Foyer‘ mit Thea Dorn
Freitag, 8. Dezember 2006 um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 14. Januar 2007 um 13.30 Uhr in 3sat
Thema „Älter werden“ mit Barbara Bronnen, Hellmuth Karasek, Marie-Luise von der Leyen und Annette Pehnt
‚Literatur im Foyer‘ mit Martin Lüdke
Freitag, 15. Dezember 2006 um Mitternacht im SWR Fernsehen
Sonntag, 17. Dezember 2006 um 13.30 Uhr in 3sat
Gäste: Alexander Kluge, Oskar Negt, Manfred Schneider, Meike Fessmann und Stephan Speicher
Diskussionssendung zur ‚Bestenliste‘ im Hörfunk:
SWR2 RadioART: Literatur
Dienstag, 5. Dezember um 21.03 Uhr
Über Bücher der Dezember-Bestenliste diskutieren
Andrea Köhler, Sigrid Löffler, Elmar Krekeler. Moderation: Eberhard Falcke