Eine launige und äusserst lesenswerte Geschichte beschert uns heute, knapp vorm Fest, Philipp Schwenke in der Financial Times Deutschland www.ftd.de unter der Headline O Amazon, o Amazon http://www.ftd.de/technik/it_telekommunikation/143168.html. Schwenke hat die Halle besucht „aus der Deutschland bestellt“ – das neue Versandzentrum des Web-Warenhauses Amazon ww.amazon.de in Leipzig, „die Gabentischzentrale Deutschalnds“.
Naturgemäß kann in dem Artikel nur stehen, was der Berichterstatter in Erfahrung bringt und dafür, dass die häuftigste Wendung von Amazon und seinen Mitarbeitern „Kein Kommentar!“ lautet, steht in der Geschichte noch ziemlich viel. Zum Beispiel, dass vor Weihnachten in drei Schichten gearbeitet wird, dass es fürs Auspacken und Einsortieren einen Stundenlohn von 7,76 Euro und 25 Kartonmodelle zum Einpacken gibt und dass einfache Systeme, die praktischsten sein können: „Wir räumen die Sachen dahin, wo Platz ist.“
Schon etwas älter dagegen ist die Tatsache, die der deutsche Amazon-Chef Ralf Kleber – wie üblich – nicht kommentieren mag: Dass für Amazon die unwichtigsten Artikel die wichtigsten sind. Diese sogenannte Long Tail-Theorie beruht auf dem Long Boom-Gedanken, den Kevin Kelly, Peter Schwartz und Peter Leyden bereits im Juli 1997 erstmals im amerikanischen Magazin WIRED als Titelgeschichte abhandelten http://www.wired.com/wired/archive/5.07/longboom.html.
Aber vielleicht ist es auch einfach so, dass diese Geschichte in der heutigen Zeit, in der die Marketingbilligheimer vom Web 2.0 herumfloskeln, gar nicht oft genug erzählt werden kann. Auf verblüffende Weise offenbart sie eine der grundsätzlichen Stärken des Internets: Durch die Möglichkeit ein schier unerschöpfliches (Produkt)-Angebot abzubilden, findet (fast) jeder Topf seinen Deckel. Davon, vom „langen Rattenschwanz“, und nicht von der schnelldrehenden Massenware lebt Amazon. So einfach ist das. Kein Kommentar!
STEFAN BECHT
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