

„Hiermit informieren wir Sie, dass Herr Ludwig Könemann ab sofort unser Haus als Berater nicht mehr vertritt.“ O-Ton der eben veröffentlichten Tandem-Presseerklärung [mehr…]. Weiter heißt es dort: „Bedauerlicherweise haben sich letztlich die unterschiedlichen Auffassungen zur Investitions-, Programm- und Vertriebsstrategie als unvereinbar erwiesen. Wir danken Herrn Könemann für die Zusammenarbeit in den letzten dreieinhalb Jahren.“ Ludwig Könemann hat leider sein Hany ausgestellt und ist für eine Stellungnahme derzeit nicht zu erreichen.
Zum Hintergrund: Als Ludwig Könemann und Andreas Langenscheidt auf der Londoner Buchmesse miteinander redeten, hätten Insider eigentlich aufmerken müssen. Bald aber war klar, was die beiden in London zu bereden gehabt hatten: Die Langenscheidt Verlagsgruppe hat sich mehrheitlich (angeblich zu 51% Prozent) an der Könemann Verlagsgesellschaft beteiligt. – Das ist eine Meldung aus dem Jahr 2001 auf buchmarkt.de [mehr…], als die Könemann-Welt noch in Ordnung war. Nur ein paar Monate später das:
Die Könemann Verlagsgesellschaft mbH hat am vergangenen Freitag, den 14.12.2001 Insolvenzantrag beim Amtsgericht in Köln gestellt. Das Unternehmen hat im letzten Geschäftsjahr weltweit einen Umsatz von ca. DM 200 Mio erzielt und beschäftigt derzeit rund 200 Mitarbeiter. Damit ist der Könemann Verlag einer der größten Verlage in Deutschland.
Der Verlag ist durch erhebliche logistische und strukturelle Probleme in wirtschaftliche Schwierigkeiten gekommen und war auf Grund sich verengender Finanzierungsspielräume nicht in der Lage, diese Probleme zu lösen… [mehr…].
Das war das vorläufige Aus für Ludwig Könemann, und die Branche hatte in diesem Moment ihr Menetekel: Was wird passieren, wenn sich die Schleusen öffnen und sich all die gelagerten Könemann-Bücher (die trotz billigen Preisen alles andere waren als „billiger Ramsch“) über das Sortiment ergießen? (Damals hatte man noch nicht die geringste Vorstellung über die Zukunft von Zanolli – Anm. d. Red.). Das vom Amtsgericht Köln am 1. August 2002 eröffnete Insolvenzverfahren scheiterte: Von einem Einstampfen von 20 Millionen Büchern war zeitweise die Rede.
Ärger gab es dann auch noch mit dem Insolvenzverwalter: „Wie es aussieht, zeigt sich der Insolvenzverwalter, Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Dr. Paul J. Groß weiterhin nicht bereit, auf Vorschläge einer Auffanggesellschaft um Ludwig Könemann, Langenscheidt und eines Kundenpools von fünf bedeutenden Auslandskunden einzugehen. Betroffene Lizenzgeber vor allem aus dem Ausland werfen ihm vor, eigene wirtschaftliche Interessen vor die Sanierung des Unternehmens zu stellen“, berichtete buchmarkt.de am 24. Oktober 2002 [mehr…].

ein Foto aus besseren Tagen
Noch war das unheilvolle Insolvenzverfahren nicht endgültig abgeschlossen, da wurde bekannt, dass Ludwig Könemann, der wohl bis zuletzt noch an eine Sanierung seines Unternehmens geglaubt hatte, in dem auf Nebenmärkte spezialisierten Verleger Herbert Ullmann (Tandem Verlag, Königswinter,) einen Investor gefunden hatte, der mit ihm ein international ausgerichtetes Buchprogramm aufbauen wollte [mehr…]. „Tandem erhofft sich von dieser Zusammenarbeit einen neuen Wachstumsschritt auch in den internationalen Markt. Das erst 1995 gegründete Unternehmen produziert bislang weitgehend für Discounter wie ALDI und macht derzeit rd. 50 Mio. € Umsatz“, meldete buchmarkt.de am 5. März 2003.
Im Juli war dann alles (fast) in trockenen Tüchern: Tandem hat neben umfangreichen Buchrechten an der Könemann-Produktion auch die Rechte an den Marken „Culinaria“ und der Nutzung des Namen „Könemann“ für Nach- und Neudrucke erworben [mehr…]. Tandem bereitete auch sofort den Nachdruck der Bestseller zur internationalen Vermarktung und zum Vertrieb in Deutschland noch für das bevorstehende Weihnachtsgeschäft vor.
Im August war es dann offiziell: Tandem wird die internationale Geschäftsidee der Könemann Verlagsgesellschaft unter neuer Leitung und Organisation als eigene Sparte fortsetzen: „Mit dem Erwerb von weiteren rund 3,5 Mio. Büchern sei außerdem endgültig sichergestellt, dass dem Markt ein unkontrolliertes Verramschen der in durchweg erstklassigen Könemann-Produktionen erspart bleibt, denn alle Könemann Titel werden in Deutschland zu den gesetzlich gebundenen Ladenpreisen und im Ausland jeweils zu dem seinerzeit von der Könemann Verlagsgesellschaft vorgesehenen Preisen weiterverkauft“, hieß es auf buchmarkt.de [mehr…].
Eine Knallermeldung kam dann 2006: „Ende September wird bei Könemann in der Tandem GmbH in Königswinter der erste Band einer völlig neuen Buchreihe mit dem Titel „SudoLogIQ“ erscheinen. Dabei handelt es sich um die Entwicklung einer neuartigen Rätselgattung, die Elemente des japanischen Sudoku mit anspruchsvollen Wissensfragen vereint (BuchMarkt-Leser durften die ersten Testrater sein) [mehr…]. Erfinder der Rätselsystematik und gleichzeitig Lieferant der Fragen war Ludwig Könemann selbst.