Das neue Jahr beginnt mit einem interessanten Auftakt. Erstmals stehen mit Thomas Kastura und Stefan Slupetzky zwei deutschsprachige Autoren auf den ersten Plätzen der Bestenliste. Eine Schwalbe, die einen deutschen Krimisommer ankündigt?
Wir werden es sehen: Auf den kommenden Bestenlisten.
Die Januar-Ausgabe der KrimiWelt – Die Bestenliste von WELT, ARTE und NordwestRadio im NordwestRadio (Live mit Tobias Gohlis heute zwischen 8.05 und 9.00) und am So. den 7.1.2007 in der „Literaturzeit“ zwischen 15.00 -16.00) und unter www.arte.tv/krimiwelt mit Kommentaren des Jurysprechers, und Kurzrezensionen der Juroren und weiteren Informationen zu Büchern und Autoren, dazu in der Literarischen Welt von heute.
Monatlich wählen achtzehn auf Kriminalliteratur spezialisierte Literaturkritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz aus der Masse der Neuerscheinungen die zehn Titel aus, denen sie viele Leser wünschen.
Auf den ersten drei Plätzen finden Sie im Januar 2007:
Thomas Kastura: Der vierte Mörder (Droemer)
Stefan Slupetzky: Das Schweigen des Lemming (Rowohlt)
Richard Rayner: Das dunkle Herz der Wüste (dtv)
Die vollständige kommentierte KrimiWelt – Bestenliste Januar 2007
1
Thomas Kastura: Der vierte MörderDroemer, geb., 512 S., 19,90 €
Köln: Kein Terrorist, ein wahngeplagter Einzeltäter will einen U-Bahnzug verbrennen. Mit Versen aus Schillers „Glocke“, meistzitiert, meistgehasst unter deutschen Gedichten, kündigt er das Inferno an. Die Polizei ahnt nix. Auch nicht von den anderen, die im Nahverkehr töten. Das Kriminalquartett zum Schillerjahr.
2
Stefan Slupetzky: Das Schweigen des Lemming
Rowohlt, TB, 282 S., 8,90 €
Wien: Ex-Kripo-Gruppenleiter Lemming ist zum Nachtwächter abgestiegen. Im Schönbrunner Polarium findet er einen erhängten Pinguin und kommt – Verbrechen und Kunst sind artverwandt – einem als Kunstaktion getarnten Raub auf die Spur. Nicht ohne weitere Leich. Wiener Reigen, mal schwül heiß, mal tief kalt.
3
Richard Rayner: Das dunkle Herz der Wüste
Aus dem Englischen von Lutz-W. Wolfdtv, TB, 374 S., 14,50 €
Los Angeles/ Las Vegas 1956: Mallory Walker hat ein großes Ziel. Maurice Valentine, Architekt von Atom-Testsiedlungen und Casinohotels, verfällt ihr, wie jeder Mann. Auch wenn sie auf ihn schießt. Verzwirbelte Geschichte um Rache und Rassismus. Im Vordergrund ein blonder Vamp, am Horizont Atompilze.
4
Frank Göhre: Zappas letzter Hit
Pendragon, TB, 234 S., 9,90 €
Hamburg: Zappa, der St.Pauli-Killer, hat seine Frau und sich im Knast getötet. Immer noch lose Fäden. Tochter Julie will Rache. Am Kiez kommen die Biker ran. Die Ermittler von damals geben keine Ruhe. Endlich hat Göhre seine Kiez-Trilogie fortgesetzt: Leidenschaft und Härte.
5
Pete Dexter: Train
Aus dem Englischen von Jürgen Bürger
Liebeskind, geb., 400 S., 22,00 €
Los Angeles nach dem Krieg: Train, schwarz, jung, vorsichtig, ist Caddie. Im kleinen Finger hat er mehr Golf als die, denen er das Bag schleppt. Mr. Packard, reicher Detective, kommt herüber zum Schwarzen. Roman über das Recht des großen Talents, den alltäglichen Rassismus und das, was wichtig ist: Mord ist es nicht. Kein Wort zu viel.
6
Merle Kröger: Kyai!
Ariadne im Argument Verlag, TB, 387 S., 9,90 €
Harmsdorf/ Berlin/ Bombay/ Pune: Aus dem Überfall einiger Bundeswehr-Brutalos auf Matties Wanderkino an der Ostseeküste entwickelt sich ein Erzähl-Tsunami. Deutsch-indisches Liebes-, Familien- und Psychodrama mit einem satten Schuss Politik. Was wurde aus den Bhagwan-Jüngern der 80er? Turbulent, komisch, scharf beobachtet, toll gesponnen.
7
John Harvey: Schrei nicht so laut
Aus dem Englischen von Sophie Kreutzfeldtdtv, TB, 448 S., 9,90 €
Nottingham/ Huddersfield/ Whitby: Das Verschwinden von Susan Blacklock vor 14 Jahren lässt Ex-Inspektor Frank Elder nicht in Ruhe. Als ein Verdächtiger von damals aus dem Knast entlassen wird, wacht der Hass wieder auf in Mittel-England. Erster Band von Harveys Elder-Trilogie, realitätsnah fein gegen die Genre-Erwartungen erzählt.
8
Robert Littell: Die kalte Legende
Aus dem Englischen von Ulrike Wasel und Klaus Timmermann Scherz, geb., 448 S., 19,90 €
New York/ Prag/ London/ Qiryat Arba/ Moskau: Martin Odum hat als CIA-Agent so viele Legenden gelebt, dass er seiner selbst nicht mehr gewiss ist. Seine Suche nach einem durchgebrannten russischen Ehemann öffnet ein Kapitel Destruktionsgeschichte. Ein Meisterwerk des Agententhrillers nach dem Kalten Krieg: Wettlauf zwischen CIA und Wahrheit.
9
Antonio dal Masetto: Blut und Spiele
Aus dem Spanischen von Susanna Mende
Rotpunkt, geb., 234 S., 19,80 €
Bosque, Argentinien: In der Kleinstadt Bosque schwelt Blutdurst. Geweckt wird er von Fremden. Muto öffnet die Schleusen. Er tut, als wolle er einen Film über den Bankraub vor anderthalb Jahren drehen. Lakonisch, Fortsetzung und Steigerung von „Noch eine Nacht.“ Ein Höhepunkt argentinischer Kriminalliteratur.
10
Paulus Hochgatterer: Die Süße des Lebens
Deuticke, geb., 294 S., 19,90 €
Furth am See: Seinesgleichen geschieht. Psychiater Horn und Kommissar Kovacs stochern in der verrückten Welt. Eine kleine Stadt in Austria. Opas Kopf zermalmt, dem Kind die Beine gebrochen, ein Mädchen kann nicht mehr sprechen. Sie stochern. Die Welt ist, wie ihr Berufsblick sie zeigt: verrückt.







