18 Hörbücher und drei Verlage sind für den Deutschen Hörbuchpreis nominiert worden, der am 18. März 2007 zum fünften Mal im Rahmen der lit.COLOGNE in Köln verliehen wird. Die Schirmherrschaft hat die designierte WDR-Intendantin Monika Piel.
Die Nominierungsjury setzte sich in diesem Jahr aus Cornelia Camen (Redaktion BuchMarkt), René Wagner (Bildungsreferent und Hörbuch-Journalist), Anne Künstler (freie Medienberaterin), Maria Härtig (Hörbuch-Eventagentin), Sybille Fuhrmann (freie Redakteurin), Sabine Schwietert (freie Journalistin), Matthias Kapohl (freier Mitarbeiter für die Hörspielabteilung des WDR), Kirsten Meyer (freie Hörfunk- und Fernsehjournalistin), Gaby Miketta (Chefredakteurin FOCUS-SCHULE) und Dieter Pittrich (ehemaliger Hörspiel-Regisseur, jetzt Dozent an der Folkwang-Hochschule in Essen) zusammen.
Die Nominierungen:
In der Kategorie „BESTE INFO“
– „Die Kinder der Manns“
Regie: Ulrich Klenner
Sprecher: Mit Erika Mann, Klaus Mann, Monika Mann, Golo Mann, Elisabeth Mann Borgese, Michael Thomas Mann, u.a. Hörverlag 2005. Eine Produktion des BR 2005
Begründung der Jury: Man mag es nicht glauben, aber es gibt immer noch etwas zu erfahren über die Familie Mann. Diese Box weckt Interesse an einem Stoff, den man eigentlich schon zu kennen glaubt: Mit einer Mischung aus O-Tönen und Fakten liefern die separaten Hörspiele neben dem oft überraschenden Blick der Kinder auf den Vater (und andere Familienmitglieder) ein Kaleidoskop der Gesellschaft, den Triebfedern und Motiven der Zeit. „Die Kinder der Manns“ bietet schlagende Argumente für das Medium Hörbuch an sich.
– „Sigmund Freud – Die Höredition. Entdeckungen auf der Couch“
Autor: Siegmund Freud
Sprecher: Hannah Schygulla, Christiane Paul, Ulrich Noethen, Hans Kremer, Christoph Waltz, Michael Krüger, Gudrun Landgrebe, Juliane Köhler, Roger Willemsen. Erschienen bei: Hörverlag 2006
Begründung der Jury: Kompetent, anschaulich und nachvollziehbar werden hier auf spannende Weise die verschiedenen Aspekte des Gesamtoeuvres von Siegmund Freud vermittelt. Das Hörbuch mit seiner guten Auswahl ist informativ und weckt wahrlich das Interesse.
– „Hitler und die Künstler – Mit den Wölfen geheult“
Regie: Volker Kühn
Sprecher: Judy Winter, Dietmar Schönherr
Erschienen bei: duo-phon records 2006
Begründung der Jury: Eine große Leistung, den Nationalsozialismus auf diese Weise zu präsentieren: „Mit den Wölfen geheult“ stellt auf herausragende und differenzierte Weise eine Zeit dar, die aus heutiger Sicht keinen Humor zulässt – und wirft dabei einen kritischen Blick auf Personen, die wir eigentlich in positiver Erinnerung haben. Hervorragend umgesetzt.
In der Kategorie „BESTER INTERPRET“
– Hans Korte in „Der Vater eines Mörders“
Autor: Alfred Andersch
Sprecher: Hans Korte
Erschienen bei: Diogenes Hörbuch 2006
Begründung der Jury: Hans Korte schafft eine so starke, suggestive und bild fördernde Interpretation, dass vor dem inneren Auge ein Film abläuft. Eine stimmige Arbeit an der Form um des Inhalts willen.
– Christian Redl in „Komm an mein zärtlich Herz, du schöne Katze“
Autor: Charles Baudelaire
Sprecher: Christian Redl
Erschienen bei: Hoffmann & Campe 2006
Begründung der Jury: Außergewöhnlich gut. Die Vielfalt der Themen entspricht der Variabilität der Mittel, die der Schauspieler Christian Redl einsetzt. Man wird förmlich hineingezogen in die Bilderwelt Baudelaires. Hören – eine anhaltende Überraschung.
– Volker Lechtenbrink in „Die Brücke“
Autor: Manfred Gregor
Sprecher: Volker Lechtenbrink
Erschienen bei: Hörkultur 2006
Begründung der Jury: Volker Lechtenbrink findet immer wieder neue Töne für Akteure, Handlungen und Atmosphären der Textvorlage und spannt dabei einen Bogen nach dem anderen. Zu jedem Zeitpunkt schafft er es, mit seiner Stimme neue Momente zu erzeugen und das Spiel der Sichtweisen wiederzugeben.
In der Kategorie „BESTE INTERPRETIN“
– Monica Bleibtreu in „Tannöd“
Autor: Andrea Maria Schenkel
Sprecher: Monika Bleibtreu
Erschienen bei: Hörbuch Hamburg 2006
Begründung der Jury: Dieses Hörbuch ist etwas Besonderes: Monika Bleibtreu vermag es, dem schwierigen Text mit ihrer Stimme gerecht zu werden – kleinste Nuancen geben den Ton an und erzeugen Stimmung.
– Doris Wolters in „solange noch Liebesbriefe eintreffen“
Autor: Helga M. Novak
Sprecher: Doris Wolters
Erschienen bei: Gugis Hörbücher 2006
Begründung der Jury: Differenziert schreibt die Interpretin Doris Wolters ohne aufgesetztes Engagement und stimmlich angemessen die Sprach- und Bilderwelt der Autorin fort und schafft dabei eine eigene Interpretation des Textes.
– Cordula Trantow in „Solange Du liebst“
Autor: Sonja A. Buholzer
Sprecher: Cordula Trantow
Erschienen bei: Hörkultur 2005
Begründung der Jury: Die Sprecherin bezieht den Hörer ein in die Nachdenklichkeit beim subtilen Abtasten des Textes. Die Verhaltenheit der Mittel erzeugt dabei formal eine den Inhalt konturierende Spannung.
In der Kategorie „BESTE FIKTION“
– „Die Attentäterin“
Autor: Yasmina Khadra
Regie:Frank-Erich Hübner
Sprecher: Christian Berkel, Hans Peter Hallwachs, Peter Fitz u.v.a.
Erschienen bei: Hörverlag 2006
Eine Produktion des WDR
Begründung der Jury: Ein brisantes und polarisierendes Thema wird hier ergreifender und tiefer nahe gebracht als es die tägliche Fernsehberichterstattung vermag. Rundum gelungen.
– „Lissabonner Requiem. Eine Halluzination“
Autor: Antonio Tabucchi
Sprecher: Ueli Jäggi
Erschienen bei: Sprechtheater Zürich 2006
Begründung der Jury: Das Hörbuch schlechthin: Text, Interpretation, Musik und Geräusche verbinden sich optimal und schaffen eine Kunstform, die es so noch nicht gegeben hat. Der „Earcatcher“ des Jahres.
– „Wie der Soldat das Grammofon repariert“
Autor: Saša Stanišic
Regie: Leonhard Koppelmann
Sprecher: Maximilian von Pufendorf, Lukas Schreiber u.v.a.
Erschienen bei: Random House Audio 2006
Eine Produktion des BR
Begründung der Jury: Ein Hör-Ereignis, dessen gelungene Umsetzung dem Text eine neue Dimension öffnet. Die Symbiose von intensiven Dialogen und Erzählpassagen – eingebunden in Musik- und Geräuschcollagen – erschließt beim Hören eine eigene Bilderwelt.
In der Kategorie „BESTES KINDER- / JUGENDBUCH“
– „Wie schön weiß ich bin“
Autor: Dolf Verroen
Sprecher: Laura Tonke, Dolf Verroen
Erschienen bei: Hörcompany 2006
Begründung der Jury: Ein absoluter Mehrwert ist dieses Hörbuch, das die Geschichte der Kolonialzeit ansprechend widerspiegelt und zeigt, wie Kindern Unterschiede gelehrt wurden. Eine Kongruenz zwischen der sprachlich hervorragenden Textvorlage und dem Hörbuch schafft einen Gewinn an Authentizität. Macht Gänsehaut!
– „So B. It“
Autor: Sarah Weeks
Sprecher: Fritzi Haberlandt
Erschienen bei: Hörcompany 2005
Begründung der Jury: Dieses mitreißende und liebevoll umgesetzte Hörbuch stimmt einfach in seiner Gesamtkomposition.
– „Belgische Riesen“
Autor: Burkhard Spinnen
Sprecher: Boris Aljinovic
Erschienen bei: Patmos 2006
Begründung der Jury: „Belgische Riesen“ hat alles, was ein klassisches Kinderhörbuch ausmacht: Es ist warmherzig, kurzweilig und spannend – für die ganze Familie.
In der Kategorie „BESTE VERLEGERISCHE LEISTUNG“
– Silberfuchs für die Reihe „China, Niederlande, Japan hören“
Buch / Regie: Corinna Hesse, Antje Heinz
Sprecher: Rolf Becker
Erschienen bei: Silberfuchs 2006
Begründung der Jury: Diese hochwertigen Reiseführer fürs Ohr verbinden Information, Literatur und Musik auf ganz besondere Weise und sind zudem wunderschön ausgestattet.}
– Hörkultur – für sein Gesamtprogramm
Begründung der Jury: Dieses junge Label bietet mit seinen besonders aufgemachten Hörbüchern und deren bibliophilen Ausstattung etwas ganz eigenes. Ein sowohl akustisches, als auch haptisches Erlebnis.
– Hörcompany – für sein Gesamtprogramm
Begründung der Jury: Der Hörbuchverlag mit dem richtigen Riecher für das gute und besondere im Kinder(hör)buchbereich ist zielgruppengerecht und bietet liebevoll gemachte Hörbücher und ihre Extras – mit der Fähigkeit, immer den richtigen Sprecher zu finden. Seit Jahren gleich gleichbleibend gut.
In der Kategorie „DAS BESONDERE HÖRBUCH/MUSIK“
– „Das Gespenst von Canterville“
Autor: Oscar Wilde
Musik: Henrik Albrecht, gespielt vom SWR-Rundfunkorchester (Leitung: Andreas Hempel)
Sprecher: Peter Fricke
Erschienen bei: Headroom Sound Production 2006
Eine Produktion von SWR, DLR, hr2, NDR, WDR
Begründung der Jury: Musik wird bei diesem Hörbuch zu einer eigenen Erzählfigur und schafft dabei eine einzigartige Atmosphäre. Bei einem guten Konzept werden Kinder an klassische Musik herangeführt.
– „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“
Autor: Martin Baltscheit
Musik: Von den Studenten der Kinder-Kompositionsklasse David Graham der Clara-Schumann-Musikschule,gespielt von Schülern der Musikschule Bonn
Sprecher: Ernst-August Schepman, Lena Marie Anzenhofer, Lorenzo Liebetanz, u.v.a.
Erschienen bei: Cybele Records 2006.
Eine Produktion des WDR
Begründung der Jury: Man merkt, für wen dieses gut gemachte Hörbuch bestimmt ist: Eine tolle Idee – von Jugendlichen für Jugendliche.
– „Rot ist mein Name“
Autor: Ohan Pamuk
Musik: Claudio Puntin
Sprecher: Sylvester Groth, Christian Berkel, Peter Fitz, u.v.a.
Erschienen bei: Hörverlag 2005
Eine Produktion des WDR
Begründung der Jury: Musik wird hier zu einem akustischen Bühnenbild und schließt sich mit dem Text zu einem Ganzen zusammen. Hervorragend, wie dieses Hörbuch es schafft, die Welt des 15. Jahrhunderts vor dem geistigen Auge auftauchen zu lassen. Da leistet Musik alles, was sie leisten kann!
Die End-Jury, die aus den nominierten Hörbüchern die Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises 2007 auswählt, setzt sich in diesem Jahr aus vielen neuen Mitgliedern zusammen: Schauspielerin und Tatort-Kommissarin Sabine Postel mit ihrer langjährigen Erfahrung als Sprecherin, Journalistin Anna Mikula, Journalist und Hörbuchproduzent Ralf Niemczyk, FOCUS-Kulturredakteur Jobst-Ulrich Brand, Professorin Sabine Breitsameter, die an der Hochschule Darmstadt einen Lehrstuhl für Sound Production hat, Dr. Holger Schulze von der Universität der Künste Berlin, Lothar Sand vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Professor Dr. Gert Ueding von der Universität Tübingen und Rainer Unglaub, Hörbuchsprecher und Mitglied der Jury des Hörspielpreises der Kriegsblinden. Gemeinsam werden sie über die endgültige Vergabe der Preise entscheiden.
Neuer Träger des Preises ist der im Oktober 2006 gegründete Verein Deutscher Hörbuchpreis. Neben dem WDR und der WDR mediagroup GmbH gehören ihm das Nachrichtenmagazin FOCUS und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels an. Ausgezeichnet werden die besten und innovativsten Hörbücher aus dem Erscheinungsjahr 2006, für die ein Gesamtpreisgeld von mehr als 23.000 Euro bereitsteht. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer Galaveranstaltung am 18. März 2007 in Köln statt.
Erstmals wird zusammen mit dem Deutschen Hörbuchpreis auch der Publikumspreis des Buchhandels Hörkules verliehen. Bisher wurde dieser im Rahmen der ARD-Hörbuchnacht bei der Buchmesse in Leipzig überreicht. „Als Publikumspreis ist der Hörkules eine wundervolle Ergänzung zu unserem Jurypreis“, so die Geschäftsführerin des Deutschen Hörbuchpreis e. V. Esther-Maria Roos. „Die gemeinsame Preisverleihung wird ein großes Publikum für das Hörbuch begeistern“.







