Seit gestern kursiert der Vorschlag, die ermordete russische Journalistin Anna Stepanowa Politkowskaja solle den diesjährigen Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten, berichtet die FAZ. heißen. Postum würde damit eine Autorin einen der wichtigsten internationalen Preise erhalten, die für das freie Wort ihr Leben geben mußte:
Als die russische Journalistin und Menschenrechtsaktivistin am 7. Oktober letzten Jahres gegen 17 Uhr erschossen im Lift ihres Moskauer Wohnhauses aufgefunden wurde, stand der Träger des vom Deutschen Buchhandel verliehenen Friedenspreises längst fest: Wolf Lepenies. Einen Tag nach dem Mord wurde die Auszeichnung in der Frankfurter Paulskirche verliehen.
Ein Rundschreiben, in dem der Historiker Gerd Koenen, Preisträger des diesjährigen Leipziger Buchpreises zur Europäischen Verständigung, für die Preisnominierung der Politkowskaja plädiert, heißt es: Sie habe wie kaum jemand sonst „selbstlos und kompromisslos alle ihre literarischen und investigativen Fähigkeiten und ihre gesamte berufliche Karriere in den Dienst eines unbestechlichen Rechtsempfindens“ gestellt. Laut Satzung des Börsenvereins, der den Preis verleiht, können auch Personen, die nicht dem Stiftungsrat angehören, Vorschläge einreichen. Mitiniatiator ist auch
Norbert Schreiber, Redakteur beim Hessischen Rundfunk und Herausgeber eines demnächst erscheinenden Politkowskaja-Gedenkbandes.
In diesen Tagen wird im DuMont Verlag Politkowskajas „Russisches Tagebuch“ auf Deutsch erscheinen.
PS: Dass der Fall Politkowskaja nur die Spitze eines Eisberges ist, zeigt ein Buch, aus dem Wallstein Verlag. Der kleine Göttinger Verlag hat gerade die Tagebücher des russischen Journalisten Grigori Pasko veröffentlicht, der die Verklappung radioaktiver Abfälle ins japanische Meer durch die russische Pazifikflotte gefilmt hatte. 1997 wurde er wegen Spionage und Landesverrat zu vier Jahre Straflager verurteilt. Seine bedrückenden Erlebnisse beschreibt er plastisch und hoch spannend zu lesen unter dem Titel Die rote Zone.






