„Räumungsverkauf“ steht bereits auf einem Banner in den Schaufensterscheiben. Am 30.

April wird ein letztes Mal der Schlüssel umgedreht, dann endet eine Buchhandelstradition, die im Jahr der Gründung des Deutschen Kaiserreiches begann: 1871.
Die Rückert-Buchhandlung in Schweinfurt schließt. Bis zuletzt hatte die legendäre Heide Trebst-Kaemmerling [mehr…] die Buchhandlung geführt. Sie hatte bei Elwert in Marburg und Gonski in Köln gelernt. Ihr Vater Johannes Trebst hatte einst sein Glück in Shanghai gesucht und fand es stattdessen in der Buchhandlung in Schweinfurt, indem er sie kaufte. Sein Enkel, der Literaturwissenschaftler Ekkehard Kaemmerling, hat sich zwar auch der Welt der Bücher verschrieben, lebt aber in Berlin. Er suchte lange vergeblich einen Nachfolger.
Mitte der Achtziger Jahre hatte Trebst-Kaemmerling zusätzlich zum allgemeinen auch ein wissenschaftliches Sortiment eingerichtet. Die ausgebildete Germanistin hatte ihre Doktorarbeit abgebrochen, um eine Ausbildung als Buchhändlerin zu machen und schließlich die elterliche Buchhandlung zu übernehmen. Sie verband so ihr wissenschaftliches Interesse mit dem Beruf.
Seit 1988 gehörte die Buchhandlung dem Arbeitskreis wissenschaftlicher Sortimenter (AWS) an. Man spüre die neuen Trends, so Ekkehard Kaemmerling: Verkauf über Internet und das Eröffnen von Einkaufszentren am Rand der Stadt. In Schweinfurt hat sich ein Haus aus dem Unternehmen ECE angekündigt. Thalia ante portas.
Die Schließung hat in der Stadt heftige Reaktionen hervorgerufen, weil damit eine kulturelle Institution schließe, so viele Kunden. Mit der Rückert-Buchhandlung geht eine lange Buchhändlertradition zu Ende, die vor allem auf Johannes Trebst (Berlin, London, Wesel, Schweinfurt), zurückgeht. Sein Spruch zum 50-jährigen Berufsjubiläum 1994 können viele selbständige Buchhändler nachvollziehen: „46 Jahre habe ich schlecht geschlafen, aber trotzdem liebe ich diesen Beruf“.