„Großer Bahnhof bei Axel Springer“ titelt die Bild-Zeitung in ihrer heutigen Ausgabe.
Und weiter: „Deutschlands wichtigste Bahnhofsbuchhändler in Berlin“. Anlass ist die Jahreshauptversammlung des Verbands Deutscher Bahnhofsbuchhändler im Axel-Springer-Verlagsgebäude.

Bereits gestern stand ein Seminar für Filial- und Abteilungsleiter von Jörg Winter auf dem Programm: „Mitarbeiter coaching – Neue Wege der Mitarbeiterführung“ und ein Workshop „Power-Kanal Bahnhofsbuchhandlung“ mit Professor Christopf Seeger von der Hochschule der Medien, Stuttgart.
In der öffentlichen Hauptversammlung verglich Götz Grauert, der Vorsitzende des

Verbandes, heute die wirtschaftliche Situation der Bahnhofsbuchhändler mit der Hauptstadt: „Arm aber sexy“, zitierte er den Regierenden Bürgermeister. Die Rentabilität der Branche habe sich auch im vergangenen Jahr dramatisch verschlechtert, so Grauert, und auch in den ersten drei Monaten diesen Jahres habe sich der negative Absatz- und Umsatztrend fortgesetzt, bei gleichzeitig gestiegenen Nebenkosten. Durch das neue Ladenschlussgesetz habe die Branche zusätzlich einen Standortvorteil eingebüßt. Grauert forderte die Deutsche Bahn daher zu Zugeständnissen auf, um den Bahnhofsbuchhandel zu stärken. Auch kritisierte er die kostenlosen Tageszeitungen, die in den Wagen der ersten Klasse ausliegen. „Im Interesse der Bahn werden wir dieses Angebot der Verlage weiterhin nutzen“, sagte Wolf-Dieter Siebert, der Vorstandvorsitzende DB Station & Service AG in seinem Grußwort. „Wir würden sonst einen Wettbewerbsvorteil aufgeben.“
Der Berliner Hauptbahnhof sei mit seinen hochwertigen Ladenflächen beispielhaft für die

Entwicklung der Bahn, betonte Siebert. Mit immer neuen Events werde man ihn laufend für Nichtreisende attraktiv machen. So sorgt derzeit ein Saurierskelett für Aufmerksamkeit, bevor es in ein paar Monaten ins Naturkundemuseum wandert. Siebert kündigte bundesweit die Schaffung weiterer Top-Bahnhöfe mit Eventcharakter an. Den Bahnhofsbuchhandel lobte er als stabilen Partner, der den Bahnhöfen ein besonderes Ambiente gebe. Erfolg sei allerdings nicht durch Zugeständnisse, sondern nur durch gemeinsame Anstrengungen möglich. „Gefragt sind Initiativen und Kreativität aller Beteiligten.“ Kreativität forderte auch der scheidende dpv-Leiter Hartmut Bühne und er appellierte an die Bahnhofsbuchhändler ihre Erfahrungen auch in Shops, die nicht auf Bahnhofsgelände stehen, einzubringen.
„Deutschland 2020 – Wie wir in Zukunft arbeiten werden“ lautete der Titel des unterhaltsamen Vortrags von Professor Horst Opaschowski. Der Gründer und wissenschaftliche Leiter des BAT Freizeit-Forschungsinstituts zeichnete zehn Zukunftstrends auf. Beruhigende These für die Branche: Printmedien bleiben auch langfristig dominant. „Hat die Zeitung im Zeitalter des Internet noch eine Zukunft?“ fragte auch Theo Sommer, Editor-at-Large der ZEIT. Vor allem bei jungen Leuten mache das Internet den Printmedien zu schaffen. Die Verlage müssten daher reagieren und ihre Angebote auch ins Internet stellen. Dennoch, „noch nie hat ein neues Medium ein altes verdrängt“, beruhigte er. „Qualität wird weiter gefragt sein.“ Die ZEIT habe ihre Auflage in den letzten Jahren kontinuierlich gesteigert – auch bei jungen Leuten. 32 Prozent der Leser sind zwischen 20 und 49 Jahren alt.
Anschließend hatten die Bahnhofsbuchhändler Gelegenheit in der Axel-Springer-Passage von Stand zu Stand zu schlendern und sich über die Angebote ihrer Geschäftspartner zu informieren. Die Tagung geht morgen zu Ende.
M.Lesemann