Suhrkamp ist immer wieder für journalistisches Hü und Hott gut. Selten aber ging es so fix mit Feuilleton-Behauptung und Dementi wie an diesem Wochenende:
Die FAZ spekuliert in der heutigen Ausgabe, dass die Universität Stanford den Einstieg bei Suhrkamp erwäge. „Steve Hinton, Dekan der School for Humanities and Sciences, und der Stanforder Komparatist und Suhrkamp-Autor Hans Ulrich Gumbrecht möchten das Verhältnis zwischen Forschung und Publikation neu definieren“, schreibt Hubert Spiegel und fragt: „Steht Suhrkamp endlich vor einem wirklichen Neuanfang? Seit Jahren vergeudet der Verlag seine Energien in internen Auseinandersetzungen, die das Ansehen des Hauses stark in Mitleidenschaft gezogen haben.“
Deshalb – so Spiegel – denke man in Stanford nicht nur über eine inhaltliche Zusammenarbeit mit dem Frankfurter Verlag nach, sondern auch über ein finanzielles Engagement der steinreichen Universität. „Das Stanforder Stiftungsvermögen beträgt 14 Milliarden Dollar, der aktuelle Haushalt beläuft sich auf 3,5 Milliarden Dollar. Eine im Herbst begonnene Fünf-Jahres-Kampagne soll bis zu sechs Milliarden Dollar einbringen. Der Jahresumsatz des Suhrkamp Verlags wird auf knapp fünfzig Millionen Euro geschätzt.“
Die Quelle für all das? Spiegel nennt sie „…dem Vernehmen nach“. Genau da setzen Jörg Häntzschel und Volker Breidecker von der SZ (ebenfalls in der heutigen ! Ausgabe genüßlich dagegen: „Doch der „Coup“, den die Frankfurter Allgemeine Zeitung in ihrer Samstagsausgabe meldete, ist schlicht falsch.“
Und weiter: „Eine amerikanische Universität als Gesellschafterin eines deutschen Belletristikverlags? – Es ist kein Wunder, dass die Geschichte so unglaubwürdig klingt: Sie ist falsch. ‚Nichts daran ist wahr’, versicherte Steve Hinton, der Dekan der School for Humanities and Sciences, der von der FAZ als einer der Initiatoren des Einstiegs bei Suhrkamp genannt wird, am Freitagabend der SZ. ‚Ich bin sprachlos’, sagte er, ‚das ist unglaublich’“.
Auch die Sprecherin der Universität, Elaine Ray, bestätigte der SZ Hintons Dementi.
Woher aber stammt die falsche Information? Hinton spekuliert in der SZ: „Ich habe keine Ahnung“, sagt er dem Blatt. Er vermutet, dass es zuging wie bei der „Stillen Post“: „Jeder, der die Nachricht weitergibt, verschönert sie ein bisschen, bis sie am Ende fast nichts mehr mit der Realität zu tun hat.“
Diese Vermutung trifft offenbar die tatsächlichen Verhältnisse, resümiert die SZ: Entstanden ist das Gerücht wohl am Donnerstagabend, als man am Rande einer Konferenz über „Das Potential europäischer Philologie“ an der Universität Osnabrück in geselliger Runde zusammensaß.







