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54. BAG-Mitgliederversammlung in Berlin: Verwirrung bei Abstimmung / BAG kommt unter BV Dach / BAG Verein hofft aber auf Nachbesserung in Richtung mehr Mitbestimmung

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Ole Schultheis, Ulrich Ohm
Ralf Alkenbrecher, Norbert Schaepe (v.l.)

Selten ist eine BAG-Mitgliederversammlung mit soviel Spannung erwartet worden wie die heute in Berlin zu Ende gegangene: Es ging um nichts weniger als um die Zukunft eines seit den 20er Jahren bereits unverzichtbaren Branchen-Dienstleisters.

Vorsteher Gottfried Honnefelder: „Wir wissen um die Verantwortung für dieses Unternehmen, das für unsere Branche unverzichtbar ist. Das Unternehmen BAG ist teuer, und wenn wir das Unternehmen verantwortungsvoll in die Zukunft führen wollen, ist das sehr teuer, es kommen neue Investitionen noch auf uns zu. Und es geht darum, es stark zu führen. Das geht nicht mit einer Sperrminorität. Aber, es geht auch darum, einen Schnitt zu machen.“

Sie müssen teilweise neu verhandeln:
MVB-Chef Ronald Schild (l.) , …

Honnefelder lässt durchblicken, dass er zu den „alten“ Leuten kein Vertrauen hat – worauf das neue Vorstandsmitglied Volker Neumann kontert: „Das ist nicht in Ordnung.“ Er stellt deswegen den Antrag, dem Kölner Modell zwar zuzustimmen; aber dem neuen Vorstand des BAG-Vereins den Auftrag zu geben, über mehr Mitwirkungsmöglichkeiten zu verhandeln, also wenigstens 25,1 % zu erreichen. Eine Position, die aus Börsenvereins-Sicht unverhandelbar erscheint.

Um diese Frage gab es deshalb zum Schluss großes Gerangel, es gab unterschiedliche Interpretationen; auch Neumann erkannte an, dass man die Partnerschaft des Börsenvereins brauche, aber er möchte dem Verein eine Mitwirkungsmöglichkeit erhalten.

…Börsenvereins-Hauptgeschäftsführer Gottfried Honnefelder
und Geschäftsführer Alexander Skipis (Zweite Reihe v.r.),
vorn: Wahlleiter Rudolf Braun-Elwert

Die Versammlung musste unterbrochen werden, da man sich über Interpretation von Anträgen und juristische Folgen uneins war. Der Versammlung war sich wohl auch nicht klar, dass man im Falle keiner Einigung an den alten Vertrag und dessen schlechtere Bedingungen gebunden ist.

Man hat sich deshalb in letzter Minute ganz knapp gegen den Antrag des alten BAG-Vorstandes entschieden, das Kölner Modell ohne Vorbehalt zu unterzeichnen. Was auch nicht einfach war, da es Unklarheiten über das Abstimmverfahren gab. Der neue Vorstand hat also etwas Spielraum.

Die seit Monaten kontrovers geführte Diskussion um die Zukunft des durch die Zanolli-Insolvenz in Schieflage geratenen Unternehmens ist mit der 54. Mitgliederversammlung der BAG Buchhändler-Abrechnungsgesellschaft mbH damit also nur vielleicht zu Ende – rund 200 der etwa 4500 Mitglieder waren aber trotz der Brisanz des Themas nur erschienen, viele aber hatten sich vertreten lassen.

Schwere Entscheidung bei der Abstimmung?

Das von Börsenverein, BAG-Verein und MVB vorgeschlagene Kölner Modell hat dabei die beiden Konkurrenten (Genussscheinmodell, Genossenschaftsbank) aus dem Feld geschlagen, letztlich auch aus Zeitgründen, weil eine andere Lösung derzeit nicht realistisch in passender Zeit durchzusetzen ist: download(bag_online.pdf), auch wenn der Verein keine große Einflussmöglichkeit mehr hat, da er keine Sperrmonorität hat. Aber es ist eben das einzige Modell, dass derzeit das Vertrauen des gesamten BV-Vorstands hat.

Zur Erinnerung: Das Kölner Modell, zwischen Börsenverein und BAG-Vorstand als Absichtserklärung abgestimmt, besteht zusammengefasst aus folgenden Eckpunkten: Die BAG-GmbH als Trägerin des Clearing-Geschäfts wird ein eigenständiges Unternehmen der BBG-Holding, gleichberechtigt neben der AuM und der MVB, das heißt: 25% bleiben beim Verein, der Verein gibt 65% seiner Anteile an die BBG. Dafür bringt die BBG insgesamt 4,4 Mio. auf (das Darlehen von 3,0 Mio. und die mit Rangrücktritt versehenen Darlehen in Höhe von 1,4 Mio.). Die Tochterunternehmen der BAG sollen im Interesse einer einfacheren Struktur und im Sinne der Transparenz soweit rechtlich möglich als 100%-ige Töchter unterhalb der BAG GmbH angesiedelt werden. Es wird ferner überlegt, die IBU in die MVB einzugliedern. Die BBG als Mehrheitsgesellschafter garantiert den Mitgliedern den Schutz und die Vertraulichkeit der geschäftlichen Daten. Grundsätzliche Beschlüsse der BAG GmbH werden in der Gesellschafterversammlung entschieden. Daneben gibt es einen Fachbeirat, dessen 4 Mitglieder je zur Hälfte von der BBG und vom BAG-Verein gestellt werden.

Das Genussscheinmodell hat zwar viel Sympathie gefunden, aber im Vorfeld waren nur € 150.000 zusammengekommen, weil zu wenig Zeit dafür war. Auch das Bankmodell solle ggf. nochmal überdacht werden.

Der scheidende BAG-Vorsitzende Ulrich Ohm fand in seiner Abschlussrede noch einmal sichtlich bewegt und in Bitterkeit über die mangelnden Informationen aus der damaligen BAG-Führung und auch über die einseitige Berichterstattung im Börsenblatt harte aber klare Worte. Er wurde mit langem Beifall verabschiedet. Ob das die Wunden heilt? Ohm: „Das hat Spuren hinterlassen, die Art des Umganges miteinander ist das Schwerste in meinem Berufsleben gewesen.“

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