Die BAG und nochmals die BAG – in drei Buchstaben lässt sich umreißen, womit sich heute in Berlin zu Ende gegangenen Buchhändlertage hauptsächlich beschäftigten. Das war natürlich vorhersehbar: Seit Jahresanfang scheiden sich die Geister an dieser Frage: und die viel zu lange unter der Vereinsdecke gehaltene Krise der BAG ist zu einer Zerreißprobe historischen Ausmaßes für den Börsenverein geworden. Nicht umsonst sprach heute Manfred Keiper vom AKS-Sprecherkreis auch von einer Vertrauenskrise, die durch die BAG-Affäre ausgelöst wurde.
Ein modifiziertes „Kölner Modell“ war gestern Ergebnis des 54. Mitgliederversammlung des BAG-Vereins [mehr…], aber kaum war dieses Ergebnis erzielt, schossen die Verleger quer: VA-Vorsitzender Karl-Peter Winters machte deutlich, dass der VA das Kölner Modell ohne Wenn und Aber wolle. Wer eine Sperrminorität zulasse, habe sein Handwerk nicht gelernt, sagte er. VA und auch der Arbeitskreis kleinerer Verlage wollen deshalb am ursprünglichen Kölner Modell festhalten. [mehr…]
Diskussionsbedarf nicht allein für den neuen BAG-Vorstand, der aus Peter Peterknecht, Helmut Richter, Andreas Meier und Volker Neumann gebildet wird, mit Ralf Alkenbrecher und Eckart Schlapp als Kassenprüfer [mehr…], sondern zugleich eine Steilvorlage für die 180. Hauptversammlung des Börsenvereins heute, die sich in weiten Teilen noch einmal mit der BAG – nun aus Sicht des Börsenvereins – zu befassen hatte: Der Vorstand des Börsenvereins sprach sich vehement gegen eine Sperrminorität des BAG-Vereins aus. [mehr…]
Er fasste allerdings keinen Beschluss. Das wird jetzt wohl hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden müssen.
Was war noch? Die Ehrung des Verlegers Klaus G. Saur mit der Friedrich Perthes-Medaille [mehr…], die Beitragsstrukturreform, die ebenfalls kontrovers diskutiert, dann aber doch angenommen wurde, die Wahl von Viola Taube und Stephan Jaenicke in den Vorstand des Börsenvereins [mehr…].
Und das Unbehagen an einer Tagungsregie – die dazu führte, dass das wichtige Thema ZUKUNFT von vielen nicht wahrgenommen wurde, da das Thema BAG zu lange dauerte (was vorher klar war).
Und zum Schluss ein überraschendes Statement, das klarmacht, dass die Branche eigentlich vor viel schwerwiegenderen Problemen steht als Verbandsquerelen: Das Schlusswort von Thalia-Chef Michael Busch, indem er den Fall der Preisbindung in der Schweiz ansprach: Manchem deutschen Mitbewerber warf er große Scheinheiligkeit vor: Auf der einen Seite beklagten sie den Fall der Preisbindung, auf der anderen Seite nutzten sie den neuen Zustand schamlos aus.
Thalia habe bislang kein einziges Buch preisreduziert angeboten: Dabei soll es auch bleiben, sagte Busch, bis hoffentlich bei allen Marktteilnehmern wieder Vernunft eingekehrt sei: „Nicht, dass wir in einem Jahr hier wieder zusammensitzen und darüber reden, was wir jetzt hätten vermeiden können.“