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VdS Bildugsmedien: Privaten Kauf von Unterrichtsmaterialien fördern / Michaela Hueber, Andreas Klinkhardt und Karl Slipek im Vorstand bestätigt

Mit weiterer, intensiver Öffentlichkeitsarbeit will der VdS Bildungsmedien e.V., die Interessengemeinschaft der Bildungs- und Schulbuchverlage, den privaten Kauf von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien fördern, da sich der Staat zunehmend aus der Beschaffung von Bildungsmedien verabschiedet. Diesen Beschluss der 52. Mitgliederversammlung des Branchenverbandes am 28. und 29. Juni wird uns soeben mitgeteilt.

Die 45 vertretenen Mitgliedsfirmen bestätigten bei den turnusgemäßen Wahlen Michaela Hueber (Hueber Verlag, Ismaning), Andreas Klinkhardt (Klinkhardt Verlag, Bad Heilbrunn) und Karl Slipek (Ernst Klett Verlag, Stuttgart) in ihren Vorstandsämtern. Stellvertretender Vorsitzender bleibt Wolf-Rüdiger Feldmann (Cornelsen Verlag, Berlin), als Schatzmeister fungiert für ein weiteres Jahr Hans-Dieter Möller (Bildungshaus Schulbuchverlage Westermann, Schroedel, Diesterweg, Schöningh, Winklers GmbH, Braunschweig).

„Die öffentlichen Hände bringen derzeit gerade mal 20 Euro pro Schüler und Schuljahr für den Neukauf von Schulbüchern auf;“, betonte VdS Vorsitzender Wilmar Diepgrond (Bildungsverlag EINS), „damit lassen sich die ambitionierten Schulreformen der Länder überhaupt nicht realisieren“. Außerdem appellierte die Versammlung an den Gesetzgeber, im Juli eine „starke“ Urheberrechtsnovelle auf den Weg zu bringen, die die Rechte der Autoren und Verlage nachhaltig schützt.

Durch das massenhafte Kopieren aus Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien wird die Branche drastisch getroffen. Die Bildungspolitik wurde zudem aufgerufen, ihre Reformprozesse künftig so zu gestalten, dass sich weder Schüler, Lehrer, Eltern noch Verlage überrumpelt fühlen: „Die Reformen müssen inhaltlich gut vorbereitet werden und ausreichend Zeit für eine erfolgreiche Umsetzung erhalten“, erklärte Diepgrond. Bei der Einführung des achtjährigen Gymnasiums wurde zum Teil mit heißer Nadel gestrickt.

Was die aktuelle Urheberrechtsnovelle, den sog. „Zweiten Korb“, angeht, sehen die Bildungsverleger die unabdingbare Notwendigkeit, die Autoren und Verlage als Rechteinhaber durch konsequente und einfach zu praktizierende Vorschriften nachhaltig zu schützen. Verbandsvorsitzender Diepgrond stellte fest, dass besonders das unkontrollierte Fotokopieren aus Schulbüchern, Unterrichtsmaterialien und Werken für die Erwachsenenbildung radikal auf den Primärmarkt der Verlage wirkt: jährlich werden nachweisbar rund 300 Millionen Kopien aus Schulbüchern angefertigt.

Die Dunkelziffer liege nach Schätzungen des Verbandes deutlich darüber. Da die Bildungs- und Schulbuchverlage ihre Werke ausschließlich für einen eng umgrenzten und stark fragmentierten Markt herstellen, haben sie keine anderweitigen Absatzmöglichkeiten für diese Produkte. Die Verlegerversammlung forderte den Gesetzgeber deshalb auf, geeignete Schutzmaßnahmen zu treffen, z.B. durch Bereichsausnahmen in den jeweiligen Vorschriften.

Die öffentlichen Schulbuchausgaben sind seit 1991 stetig reduziert worden: 2006 haben Länder und Kommunen für Lernbücher und -software nur noch knapp 20 Euro pro Schüler aufgewendet; vor 15 Jahren waren es noch 34,30 Euro: ein Minus von 40%. Bundesweit fielen die staatlichen Ausgaben von ca. 400 Mio. Euro in 1991 auf rund 220 Mio. Euro in 2006. Auch der „PISA-Schock“ 2002 änderte an dieser Negativentwicklung trotz aller Beteuerungen der Politik nichts.

Berücksichtigt man die allgemeine Preisentwicklung, so habe sich die Kaufkraft der Schulen sogar um mehr als die Hälfte reduziert. Daher forderte die Mitgliederversammlung die Länder auf, die staatlichen Ausleihsysteme bedarfsgerecht zu budgetieren, damit die schon eingeleiteten und noch anstehenden Bildungsreformen auch tatsächlich umgesetzt werden können. Auch die Eltern, so der Verband weiter, müssten in dieser Beziehung mehr Verantwortung übernehmen und sich stärker beim Schulbuchkauf engagieren.

„Nirgendwo in Deutschland verhindert der Schulbuchkauf durch die Eltern den Bildungszugang“, erklärte Wilmar Diepgrond. Der VdS-Vorsitzende verwies darauf, dass die Kinder aus dem eigenen Portmonee Spielsoftware im Wert von 637 Mio. Euro kaufen (Trend Tracking Kids 2006) – also fast dreimal so viel ausgeben wie die Eltern in Schulbücher investieren. Der VdS Bildungsmedien will die Eltern deshalb auch künftig mit öffentlichen Kampagnen und Aufklärungsarbeit ansprechen, um ihnen zu verdeutlichen, dass der Eigenkauf von Schulbüchern und Unterrichtsmaterialien eine wirksame Investition in die Zukunft der eigenen Kinder ist.

Die diversen „Szenarien“ zur Neuausrichtung der beruflichen Bildung wurden von den Bildungsverlegern kritisch beurteilt. Ob die von Bundesbildungsministerin Schavan angedachte Reduktion der Ausbildungsberufe von derzeit etwa 350 auf nur noch 50 geeignet wäre, elementare Probleme in diesem Bereich zu lösen, sei intensiv zu diskutieren. Ebenso wäre genau zu prüfen, inwiefern eine stärker modularisierte berufliche Bildung, die nicht mehr auf „Mono-Berufe“ setzt, realistisch sei. Die betroffenen Verleger werden hierzu in absehbarer Zeit eine Position entwickeln.

Der VdS Bildungsmedien organisiert 83 Anbieter von Bildungsmedien, die jährlich ca. 3.000 bis 4.000 neue Titel auf den Markt bringen (Gesamttitelangebot rund 40.000). Der Branchenumsatz von Bildungsmedien für das schulische, berufsorientierte und Freizeitlernen lag 2006 bei rund 500 Mio. Euro. Die mittelständig geprägte Branche hat etwa 3.000 Mitarbeiter. An sie sind etwa 30.000 Autoren gebunden, die Bildungsmedien nach über 3.000 Unterrichtsvorgaben der Länder produzieren.
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