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Das Buch auf Knopfdruck / Digitale Revolution kehrt sich um: Die erste EBM, Espresso Book Maschine, in New York druckt in nur 5 Minuten ein Buch

EBM macht mächtig Druck

78 Jahre ist er alt und manche würden sagen, kein bisschen weise. Andere bewundern ihn für seine Weitsicht, die er an den Tag legt, wenn er sich zur Verlagsbranche äußert. Unbestritten ist bei allen, dass Jason Epstein zu den erfahrensten Männern der amerikanischen Buchbranche zählt.

Nun hat er, der auch The New York Review of Books www.nybooks.com mitgründete und 2001 in seinem Buch Book Business/Vom Geschäft mit Büchern www.midas.ch bereits Wesen, Werden und den Wandel des Verlegertums in den letzten 50 Jahren unter die Lupe genommen und eine kühne Vision formuliert hatte, einen Traum erfüllt. [mehr…].

Denn Epstein ist Mitbegründer der Firma On Demand Books www.ondemandbooks.com, die, wie letztes Jahr angekündigt, nun ihre erste Espresso Book Maschine, kurz EBM, in New York aufgestellt hat. Seit dem 21. Juni steht die EBM, eine Art ATM, Geldautomat für Bücher in der Science, Industry and Business Library der New York Public Library, 188 Madison Avenue, 34th Street, und wird Ende August in den täglichen Regelbetrieb gehen.

Auf Knopfdruck druckt und bindet die EBM ein herkömmliches Text-Buch mit Umschlag in 5 Minuten (bis zu 500 Seiten), sie soll unter 50 000 US-Dollar (40 000 Euro) in der Anschaffung kosten und zukünftig mit dem gesamten Datenbestand der OCA-Open Content Alliance www.opencontentalliance.org, die über 220 000 rechtefreie Bücher im Angebot haben, verknüpft sein. EBMs in New Orleans, Alberta (Kanada), in Manchester (Vermont) und San Francisco sollen im Laufe des Jahres folgen.

Die New Yorker EBM bietet dem Bibliotheksbesucher ab August Zugriff auf 20 Titel, darunter auch Epsteins eigenes Buch „Book Business“ und Chris Anderson’s vieldiskutierter Titel „The Long Tail“. Wer nicht glauben mag, was er hier gerade liest, schaue sich den kleinen Film an, den OBD auf seiner Website www.ondemandbooks.com bereithält und der die Funktionen der EBM im Detail erklärt. Da heißt es auch, die EBM verfüge über eine Technologie, die es ermögliche, fast alle digitalen Formate in EBM-taugliche, also für die Maschine druckbaren Formate umzuwandeln.

Auch wenn im Moment noch viele Fragen offen sind, wie z.B. erfolgt die Bezahlung der Bücher, wann gibt es Zugriff auf den Bestand der OCA, wann Zugriff auf andere und welche Buchbestände, so ist doch klar, dass die EBM einen neuen Markstein beim Publizieren setzt.

Denn was die EBM, wenn sie auch nur halb so gut arbeitet, wie beschrieben, für den Handel mit Büchern und Printmedien bedeutet, ist schlichtweg gravierend: Die digitale Revolution kehrt sich um und wird physikalisch. Die Lücke zwischen digitalem (Buch-)Angebot im Web und physikalischem Buch wird – in nur 5 Minuten – geschlossen! Kein Buch muss mehr vergriffen oder gerade ausverkauft sein, kosten- und energieintensive Transportwege entfallen, ein Großteil der Lagerhaltung wird überflüssig, Auslieferungen, Barsortimente, Buchhandlungen, Verlage und Autoren müssen sich vollständig neu orientieren…

Mehr zu den Digitalisierungs-Projekten von Amazon über Google, Microsoft und Ocelot bis zu OCA und VTO finden Sie in der August-Ausgabe vom BuchMarkt.

STEFAN BECHT
stefan@stefanbecht.de

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