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Die zehn besten Krimis im August / Matti Rönkä schafft Sprung an die Spitze / Erinnerung: Buchhändler können Liste zum Aushang bestellen

Tobias Gohlis, der Initiator der Liste, kommentiert sie diesmal so:

„Bürgerkriege und Grenzgebiete sind gutes Terrain für den Kriminalroman. In den aktuellen Empfehlungen unserer Jury stützen folgende Indizien diese These:
Matti Rönkäs „Der Grenzgänger“ (auf Platz 1) hat fast alle Jurymitglieder überzeugt. Halb Privatdetektiv-, halb Gangsterstory aus einem der historisch und aktuell spannendsten Grenzgebiete EU-Europas, hat Rönkäs auch in Finnand ausgezeichneter Roman sich von Mai bis Juli unaufhaltsam auf den ersten Platz vorgeschoben – eine Anerkennung dieses interessanten Autors, aber auch der anderen finnischen Krimischriftsteller, die im nordischen Konzert gekonnt die schrillen Melodien spielen.
Vom Überleben und von der Moral im Bürgerkrieg handeln Juan Damontes „Ciao Papá“ (Platz 4) und Walter Mosleys „Little Scarlet“ (Platz 10). Beide sind in ihren Sprachgebieten hochgeschätzte, hier noch weit unter Wert gehandelte Autoren. Damontes (1945-2005) Totentanz aus der Zeit der argentinischen Militärdiktatur genießt in lateinamerikanischen Krimikreisen Kultstatus. Walter Mosley schreibt seit Jahren um seinen schwarzen Helden Figur Easy Rawlin eine Kultur- und Kriminalgeschichte der Afroamerikaner in Los Angeles/Watts, die mit „Little Scarlet“ (original 2004) inhaltlich wie literarisch einen Höhepunkt erreicht hat.

Andere Bücher, darunter „Feuertod“ (A. Paprotta), Kalteis“ (A.M. Schenkel), „Das Schweigen“ (J.C. Wagner) und „Königsallee“ (H. Eckert) weisen bereits voraus in die Zukunft: Uns steht ein heißer deutscher Krimiherbst ins Haus. “

Die komplette August-Liste:

1. (2) Matti Rönkä. Der Grenzgänger. Grafit
Helsinki/Tallinn/Sortavala: Viktor Kärppä ist Russe in Finnland. Sein Beruf: Grenzgänger – zwischen den Nachbarländern, zwischen Gesetz und Geschäft, zwischen Familienverpflichtung und Freundschaftsdienst. Frische Luft aus Finnland: Ein klassischer Privatdetektiv in zeitgenössischem Schlamassel.

2. (3) Astrid Paprotta. Feuertod. Piper
Frankfurt am Main: Es ist die Geschichte vom Phönix, der aus der Asche neu ersteht, meisterhaft erzählt. Nichts geht zusammen, in jedem Satz knirscht der Zweifel, tastet das Misstrauen, schwelt die Angst vor dem Feuer. Arme Leute müssen brennen, eine reiche Liberale brennt zuerst. Noch nie war die Paprotta so gut.

3. (-) Andrea Maria Schenkel. Kalteis. Edition Nautilus
München 1931-1939: Josef Kalteis fährt Rad, schaut in die Landschaft und nach den Weibern. Schenkel erzählt von den fünf jungen Frauen, die er umbrachte, von ihren Träumen und Hoffnungen, von Mord und Zerstückelung. „Kalteis“ folgt auf „Tannöd“: ebenso gut, genau, erschütternd.

4. (-) Juan Damonte. Ciao Papá. Lateinamerika Verlag
Buenos Aires: Die Militärdiktatur tobt. Carlitos Tomassini wird 30 und hat schon Elektroden, Wasserfolter, Besenstiel und das Jesuitenkolleg hinter sich. Jetzt heißt es koksen, saufen, leben. Statt abzuhauen oder anständig zu werden, sucht Carlitos den verschleppten Sohn seiner Tante. Argentinischer Totentanz.

5. (-) Robert B. Parker. Der stille Schüler. Pendragon
Boston/Dowling: Ein aussichtloser Fall. Zwei 17-Jährige haben ein Schulmassaker veranstaltet, fünf Tote, acht Verletzte. Private Eye Spenser gräbt unterm Kleinstadtbeton und findet einen schüchternen, ritterlichen Jungen. Und jede Masse Heuchelei. Spenser ist wieder da, einfühlsam, treu und mit gutem Punch.

6. (6) Christine Lehmann. Allmachtsdackel. Ariadne im Argumentverlag
Stuttgart/Balingen: Der Patriarch ist tot. Der Nachbar stellt die Kälber vaterlos. Rinderherde zertrampelt Jüngling. Lisa Nerz, narbenreiche Journalistin, hat Hirngespinste, verliebt sich in die Falsche und klaut das Geständnis eines Serienkillers. Lehmanns Schwaben-Western: Rinder, Söhne, Pietisten. Do legscht di nieder.

7. (4) Gisbert Haefs. Caesar Heyne
Rom/Gallien/Ägypten: Immerwährende Geschichte: Das Imperium zerfällt. Und nur durch Machtgier, Käuflichkeit, Verrat und Kumpanei zusammenhält. Des Imperators Aufstieg und Untergang von unten gesehen. Kriminalisierung der Historie: Demokratietheorie ist Schmierpraxis, und wie überleben die Kleinen?

8. (-) Jan Costin Wagner. Das Schweigen. Eichborn Berlin
Turku, Finnland: Dreiunddreißig Jahre liegt der unaufgeklärte Mord an einem Mädchen zurück. Da geschieht es wieder. Ein Mädchen verschwindet. Angst baut sich auf, staut sich. Ist der Täter von damals zurückgekehrt? Bricht der Augenzeuge jetzt sein Schweigen?

9. (-) Horst Eckert. Königsallee. Grafit
Düsseldorf: Die Transnistrier kommen! OB Dagobert Kroll kungelt auch mit der ex-sowjetischen Mafia, wenn er nur sein Denkmal kriegt. Eine Etage tiefer brodelt es: Menschenhandel, Mord und Drogen – hier kann KOK Reuter Karriere machen. Der Preis ist hoch. Bullenoper aus Deutschlands protzigster Kleinstadt.

10. (-) Walter Mosley. Little Scarlet. Fischer
Watts, Los Angeles 1965: Aufstand. Eine schwarze Frau wird ermordet, Easy Rawlins soll ermitteln. Wasser ins Flammenmeer des Rassenkriegs. Blut ist sozial, Rasse Trauma. Ein Frantz Fanon der Kriminalliteratur, legt Walter Mosley die Wunden bloß, die generationenalter Hass geschlagen hat. Mit Würde. Easy. Grandios.

Die August-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste wird auch im NordwestRadio (heute live mit Jurysprecher Tobias Gohlis zwischen 8:05 und 9:00 Uhr und am So. in der „Literaturzeit“ zwischen 15:00-16:00 Uhr), unter www.arte.tv/krimiwelt mit Kommentaren des Jurysprechers, Kurzrezensionen der Juroren und weiteren Infos zu Büchern und Autoren („Krimiautoren A-Z“) sowie in der Literarischen Welt vorgestellt.

Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.

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