1. (-) 105 Punkte
RICHARD FORD: Die Lage des Landes
Roman. Aus dem Amerikanischen von Frank Heibert
Berlin Verlag, 688 Seiten, EUR 24,90
mittelschwere Lektüre
Der dritte Roman um den amerikanischen Durchschnittshelden Frank Bascombe, den einstigen Sportreporter und jetzigen Immobilienmakler. Er ist 55 und scheint es geschafft zu haben. Aber dann kommt alles knüppeldick: Seine zweite Frau verläßt ihn, sein Arzt diagnostiziert Krebs und George W. Bush gewinnt die ominösen Wahlen von 2000.
2. (-) 55 Punkte
IAN McEWAN: Am Strand
Roman. Aus dem Englischen von Bernhard Robben
Diogenes Verlag, 208 Seiten, EUR 18,90
leichtere Lektüre
„Kühl und mit einer Präzision, die ans Bösartige grenzt, verfolgt McEwan in dieser genialen Tragödie der Verkennungen, wie zwei Liebende einander immer wieder verfehlen, um Millimeter nur und am Ende endgültig. (…) Sich lieben, so lautet die Definition, die McEwan uns mit diesem Buch andient, hieße aus zwei Käfigen einen zu machen. Ob daraus Glück folgen kann, ist eine Frage des Zufalls und seiner Interpretation.“ (Hubert Spiegel)
3. (2.) 52 Punkte
NICOLAS BORN: Briefe 1959-1979
Herausgegeben von Katharina Born
Wallstein Verlag, 663 Seiten, EUR 34,00
leichtere Lektüre
Der früh verstorbene Autor auf dem Weg zu einem Klassiker der Nachkriegsmoderne. Nach den Gedichten jetzt die Briefe und Briefwechsel: mit Peter Handke, Günter Kunert,
F.C. Delius, Günter Grass, Rolf Dieter Brinkmann, Dieter Wellershoff, … (Leseprobe vorhanden)
4. (-) 40 Punkte
WARLAM SCHALAMOW: Durch den Schnee
Erzählungen aus Kolyma, Band 1
Aus dem Russischen von Gabriele Leupold
Verlag Matthes & Seitz, 342 Seiten, EUR 22,80
mittelschwere Lektüre
Schalamow wurde 1929 zum ersten Mal verhaftet, dann 1937 ein zweites Mal und in die sibirischen Lager deportiert. Seine dokumentarisch-nüchternen Berichte aus dem Gulag
bilden den Auftakt zu einer geplanten Werkausgabe.
5. (-) 36 Punkte
ROR WOLF: Pfeifers Reisen
Gedichte. Verlag Schöffling & Co., 264 Seiten, EUR 19,90
mittelschwere Lektüre
Zum 75. Geburtstag von Ror Wolf neue Gedichte und bisher unveröffentlichte aus früheren Jahren. Ein lyrisches Resümee: „In einer Grube in gekrümmter Lage,/ von Erde ganz und insgesamt bedeckt, / bemerken wir, wie schlecht die Erde schmeckt,
/ ihr Leute, jetzt, am Ende unserer Tage.“
6. (-) 31 Punkte
MARTIN MOSEBACH: Der Mond und das Mädchen
Roman. Carl Hanser Verlag, 192 Seiten, EUR 17,90
mittelschwere Lektüre
Gerade haben sie geheiratet, das junge Paar Hans und Ina, da ist sie schon wieder mit ihrer Mutter unterwegs und der zurückgelassene Bräutigam auf der Suche nach einer Wohnung in Frankfurt. Dort, wo einer erfolgreichen Bankkarriere nichts im Wege zu stehen scheint. Gleich hinterm Hauptbahnhof findet er eine Bleibe – mit einer verhängnisvollen Nachbarschaft.
7. (1.) 30 Punkte
ARNOLD STADLER: Komm, gehen wir
Eine Liebesgeschichte
Roman. S.Fischer Verlag, 395 Seiten, EUR 18,90
mittelschwere Lektüre
Nur zum Bräunen sind Rosemarie und Roland nach Capri gefahren. Und dann treffen sie Jim. Am Anfang ihrer Liebesgeschichte zu dritt steht die Erfüllung. Und dann beginnt schon die Erinnerung und das Warten darauf, dass es wieder so wird, wie es einmal
gewesen ist – für einen ganz kurzen Augenblick.
8. (-) 28 Punkte
MONIKA MARON: Ach Glück
Roman. S. Fischer Verlag, 224 Seiten, EUR 18,90
leichtere Lektüre
Immer der gleiche Alltag zwischen Ehe und Arbeit. Und dann taucht plötzlich ein schwarzer Hund auf, der alles durcheinanderbringt, weil er sich leidenschaftlich über seine neue Herrin zu freuen scheint. Tier lehrt Mensch. Als Johanna den Anruf einer alten russischen Aristokratin erhält, ergreift sie die Chance zum Ausbruch und fliegt nach Mexiko.
9. (-) 19 Punkte
MARCUS BRAUN: Armor
Roman. Suhrkamp Verlag, 187 Seiten, EUR 17,80
mittelschwere Lektüre
„Wie von einem geheimen Kraftwerk angetrieben, ist Marcus Braun ein geradezu hyperaktiver Erzähler – dem ruhigen, coolen, fast schon ausgezehrten Tonfall zum Trotz. Ein Springteufel. Er steckt in allen Köpfen, ansatz- und absatzlos springt er von einem zum anderen und wieder zurück, von einer Tonlage zur nächsten.“ (Elmar Krekeler)
10. (3.) 18 Punkte
THOMAS VON STEINAECKER: Wallner beginnt zu fliegen
Roman. Frankfurter Verlagsanstalt, 367 Seiten, EUR 19,80
mittelschwere Lektüre
„Steinaecker hat einen Familienroman geschrieben, der nicht, wie gewohnt, verschiedene Etappen der Vergangenheit aufrollt, sondern dieselben in die Zukunft verlagert. Er entfaltet in einer rasanten Ästhetik der Gleichzeitigkeit eine satirisch
zugespitzte Pop- und Fernsehwelt.“ (Helmut Böttiger)
Persönliche Empfehlung im August von Kirsten Voigt (Karlsruhe):
ARNO GEIGER: Anna nicht vergessen
Carl Hanser Verlag, 249 Seiten, EUR 19,90
„Die Figuren in Arno Geigers Erzählungen „Anna nicht vergessen“ leben selten selbstbestimmt: Anna, das vernachlässigte Kind, sowieso nicht. Aber auch die verlassenen, hoffnungslos liebenden Erwachsenen sind Flüchter, zwanghaft, grotesk verzweifelt. Eifersucht fällt sie an, Sehnsucht spricht aus ihren manischen Monologen, am Alltag schürfen sie sich die Seele auf und leiden aberwitzig, aber auch komisch. Geigers Erzählungen verblüffen und beeindrucken nicht erst durch ihre mitunter skurrilen Wendungen, sondern schon in ihrer Anlage, durch die präzise Engführung von Perspektiven, die Mühelosigkeit, mit der dieser Autor sein Ziel findet.“