Wie wir gerade erst erfahren ist Rüdiger Hildebrandt am 18. August im Alter von 78 Jahren in seinem Haus in Moos bei Straubing gestorben. – Einen kürzlichen Schlaganfall hatte er schon wieder überwunden; er war mit seiner Lebensgefährtin auch schon wieder Bergsteigen.
Der langjährige und legendäre Vertriebschef von HoCa – damals im Team mit dem ebenso legendären Dr. Albrecht Knaus – war danach kurz bei K. G. Saur und dann Geschäftsführer von Droemer Knaur.
Der Buchhandel hat einen seiner großen Männer verloren, dessen Rat noch lange auch nach seiner Pensionierung gesucht war: Er war einer der wichtigen Vordenker der Branche, was sich in vielen wichtigen Beiträgen auch für BuchMarkt niederschlug.
Und ich trauere um meinen väterlichen Ratgeber; vermisse seinen Humor, der sich auch in jährlichen satirischen Rückblicken auf unsere wunderbare Branche niederschlug, die er mit JUPITER zeichnete.
Beim Zeus, das tut weh.
Ihr CVZ
PS: Dazu erreicht uns heute am 22. 8. ein „offener“ Brief von Philine Meyer-Clason an Rüdiger Hildebrandt:
Lieber Herr Hildebrandt,
Sie schrieben seinerzeit am 20.4. 1999 unter Ihren Dankesbrief zu meinen Wünschen zum 70. Geburstag: „Die guten Wünsche auf der Karte aus Lemgo (schöne Stadt, nicht, waren Sie da? …… kassiere ich bereitswilligst, kann sie gebrauchen. Ja, vielleicht sehen wir uns wirklich mal wieder….“ Es kam leider nicht dazu, was ich sehr bedauere.
Ja, das war Rüdiger Hildebrandt. (ich weiss nicht, ob ich jemals in Lemgo war, wahrscheinlich nicht, es war eine Karte aus den üblichen Kunstpostkarten- Sammlungen von vielen Reisen) .
Er war einer der wenigen Berater und Vertriebsleiter des damaligen Generations-Umbruches (von den seinerzeit 40ig bis 60ig Jährigen zu den 25 jährigen…..), die die Weisheit und Jugendlichkeit besassen, Pragmatismus mit Erfahrung, Menschlichkeit mit Goodwill zu vereinen, ohne die „Jungen“ zu verschrecken. Er beherrschte es, Jüngeren die „lange Leine “ zu lassen, ihre Erfahrungen machen zu lassen und so habe ich Ihn als Berater bei Egon Ammann erfahren: er war grossartig und mir und selbstverständlich dem Verlag eine grosse Hilfe.
Ohne ihn hätte ich auch nach der Zeit bei Egon Ammann manche knifflige Situation nicht so gut gemeistert. Er war ein väterlicher Berater. Danke Lieber Rüdiger Hildebrandt. Und machen Sie es gut, wo Sie auch sind und bitte lachen Sie über uns, wenn Sie uns betrachten. Bitten zeichnen Sie ab, als RH oder Jupiter. Je nachdem auf welcher Ebene Sie über uns lachen werden. Sie hatten die Karten in der Hand, Sie hatten als einer der wenigen der damaligen Zeit die Fähigkeit die Dinge pragmatisch zu sehen und haben uns ein grosses Fachwissen und Verhandlungsgeschick beigebracht. Das hat uns damals Jungen Leuten sehr geholfen. Sie waren ein Meister Ihres Fachs.
Das Wetterleuchten des heutigen Abends über München möge Sie begleiten.
Ihre
Philine Meyer-Clason
Tucholsky Buchhandlung,München