Die Bestätigung auf unsere Meldung VTO tauft sich in Libreka um [mehr…] vom 1. Oktober kam von der MVB prompt am 2. Oktober: „Aus VTO wird libreka!“ heißt es da. Im „Volltextsuche-Online Newsletter 8/2007“ steht wortwörtlich: „Das Branchenprojekt Volltextsuche-Online (VTO) erhält zur Frankfurter Buchmesse einen neuen Namen: Künftig wird die Plattform libreka! heißen. Der auf der ersten Silbe betonte Namen des Volltext-Finders ist ein Kunstwort, das sich an ‚iber’ dem lateinischen Wort für Buch, und den griechischen Ausspruch ‚Heureka! Ich hab’s gefunden’ anlehnt.“
Es ist ja nichts dagegen zu sagen, dass nun, nach uns Schreibern, die wir uns immer wieder gerne bei den wortgewaltigen Griechen und Römern bedienen, die MVB auf die gleiche Idee kommt. Allerdings, so haben wir mal gelernt, sollten wir dabei Äpfel nicht mit Birnen vergleichen bzw. die Römer nicht mit den Griechen halblänglich verhackstücken. Anders ausgedrückt: Welcher Internet-Nutzer soll sich ein „Kunstwort“ merken können, das so umständlich erklärt werden muss? Es gibt über 11,2 Millionen deutsche Domains (Stand 31.8.2007), also Websites mit „.de“ am Ende. Die, die funktionieren, haben entweder per se eine starke Marke im Rücken, wie BMW oder Lego oder es sind einfache Begrifflichkeiten, wie buch.de oder buecher.de. Die reinen Web-Brands, wie Amazon, eBay, Yahoo oder Google wurden in der „Steinzeit“ des Internets gegründet, als das digitale Terrain noch nicht besetzt und vergeben war. Und sie alle haben Jahre gebraucht, um sich auch jenseits des digitalen Raums zu etablieren.
Egal, ob das „KITKAT für Arme“ [mehr…] nun eine Komödie der Irrungen oder eine widerspenstige Zähmung wird, die MVB rührt auf der Buchmesse mit „Public Previews“ und „Ich find dich besser“-Buttons, -Gewinnspiel und gleichnamiger -Party die Werbetrommel dafür (Halle 4.0, Stand D 1339). Wann VTO/Libreka nun aber wirklich online, ins Web geht, bleibt jedoch weiterhin offen.
Bereits am 17. September stellte der Münchner Verleger Herbert Utz in einem Brief http://www.utz.de/news/VLB_VTO_Brandbrief_Utz_Web.pdf an die MVB die Koppelung von VLB und VTO und die damit verbundene Preiserhöhung für die VLB-Meldungen in Frage. Von einem ähnlichen Fall berichtet Gerhard Beckmann in seiner neuen buchmarkt.de-Kolumne [mehr…] und rechnet vor, dass die Zwangkoppelung von VLB und VTO/Libreka zu einer Preissteigerung für den VLB-Titeleintrag führt (siehe dazu auch den Beitrag von Wolfgang Hertling [mehr…] und Beckmanns Entgegenung und Neuberechnung [mehr…]).
Ergänzen ließe sich von unserer Seite noch, dass der Buch-Datenbestand von Amazon permanent von den Nutzern selbst ergänzt wird, in dem diese neue Titel via Marketplace oder Auktionen aufspielen. Das beste VLB (im Web) ist also schon ziemlich lange Amazon, nicht nur wegen der Anbindung an die internationalen Titel. Kein Web-Nutzer schaut, selbst wenn es möglich wäre, was es nicht ist, ins VLB, alle klicken Amazon oder einen anderen Online-Buchshop an. Das Ende des VLB hat also schon längst begonnen. Die Datenqualität und -masse, die Amazon oder auch Buecher.de anbietet, ist einfach zu gut, um daran vorbei zu surfen.
Noch eine Korrektur zu unserer letzten Meldung [mehr…]. Die Mitglieder im Aufsichtsrat der BBG (Börsenverein Beteiligungsgesellschaft) sind (bis zum Jahr 2011): der in Frankfurt/M. ansässige Rechtsanwalt und Notar Joachim Treeck (als Vorsitzender), Hubertus Brockhaus (Heinrich Albert Verlag), Dieter Düsedau (Director McKinsey & Copmpany), Siegmar Mosdorf (Parl. Staatssekretär a.D., CNC, Partner), Gottfried Honnefelder (als Vorsteher des Börsenvereins, Verleger der University Press Berlin), Jürgen Horbach (als Schatzmeister des Börsenvereins, Verleger der VEMAG Verlags- und Medien AG) und Stefan Könemann (Barsortiment Könemann).
STEFAN BECHT
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