
Am 13. Dezember wäre Robert Gernhardt 70 Jahre alt geworden, er erlebte dieses Jubiläum nicht mehr. So bedeutet der Besuch dieser Ausstellung Schmerz und Freude zugleich: erfreulich ist, Robert Gernhardt auf CDs und in Filmen und natürlich in Texten und Bildern wieder zu begegnen, schmerzlich zu wissen, dass man ihm in Neuem nie wieder begegnen kann.
In der Caricatura – sie wird im nächsten Jahr aus dem Historischen Museum wegziehen – sind vom 13. Dezember bis zum 2. März 2008 etwa 150 Arbeiten des vielseitigen Künstlers zu sehen, darunter Auszüge aus den 99 Sudelblätter von Robert Gernhardt zu 99 Sudelsprüchen von Georg Christoph Lichtenberg, erschienen im Haffmans Verlag 1999.
„Unsere Erde ist vielleicht ein Weibchen“ diente als Plakatvorlage für die Ankündigung der Ausstellung im Innenhof des Historischen Museums

Wunderbar auch Blätter aus „Das Randfigurenkabinett des Doktor Thomas Mann“, „Vom Schönen, Guten, Baren“ oder das „Septemberbuch“, das auch selbst in der Ausstellung in die Hand genommen werden kann (vorsorglich ist es angeseilt).

Gernhardt, der mit F. W. Bernstein und F. K. Waechter die legendäre Nonsens-Beilage der „Pardon“ – Welt im Spiegel – schuf, der zu den Gründern der „Titanic“ gehörte und uns in mehr als 100 Büchern und CDs begegnet, bringt uns mit seinen Bildern und Texten zum Lachen und zum Nachdenken. Er mochte Hunde und Katzen, aber vor allem die Menschen, so war seine Satire in Wort und Bild zwar mitunter bitterböse, aber nie inhuman.
Die Vielfalt seiner Kunst ist in der Ausstellung präsent, denn das sind nicht nur Bilder und Zeichnungen, das sind natürlich auch viele Texte – zu hören auf CD: Gernhardt liest Gernhardt und bringt uns in seiner unverwechselbaren Art und Weise immer wieder zum Schmunzeln.
„Ich bin bei dir, aber du bist gerade weit weg“ – ein Gernhardt-Titel, der dem Besucher der Ausstellung aus dem Herzen spricht.
JF