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Andreas Meier über die Kooperation AGM und Hugendubel-Zentrallager

Die AG Marketing GmbH mit rund 70 Mio gemeinsamen Buchumsatz testet derzeit ein eigenes Bezugsmodell, das durch die Zusammenarbeit mit dem Hugendubel-Zentrallager

Andreas Meier: „Unsere Leistung
mehr nach Absatz definieren“

die Warenbeschaffung vereinfachen und gleichzeitig die Präsenz gängiger Titel in den Läden sichern und zu „überdurchschnittlichen“ (Meier) Einkaufsbedingungen führen soll [mehr…]. Anlass für Fragen an AGM-Geschäftsführer Andreas Meier:

buchmarkt.de: Wir verlieren in der Branche langsam die Übersicht über die Bezugsmodelle. Die AUB hat kürzlich eins präsentiert, jetzt die AGM: Worin unterscheiden sich die beiden Konzepte?
Andreas Meier: Das AUB-Modell und das Modell für die AGM-Buchhandlungen haben eine Gemeinsamkeit: Sie greifen auf vorhandene Strukturen zurück. Die Unterschiede liegen dann in der Wahl der Dienstleister. Das AGM Bezugsmodell ist eine Bezugs-Option für jede der AGM-Buchhandlungen. Es geht uns um die konsequente Vereinfachung der Beschaffungslogistik. Durch den Zugriff auf ein bestehendes, branchen-spezifisches Zentrallager (das von Hugendubel in Bad Hersfeld) und die gleichzeitige Konzentration von Barsortimentsbestellungen auf Libri, das sich ebenfalls in Bad Hersfeld befindet, kann ein Großteil der benötigten Waren aus einer Hand geliefert werden. Wir erwarten daraus erhebliche Synergieeffekte.

Wie sieht eine typische AGM Buchhandlung aus? Wie ist die zu charakterisieren?
Unsere Buchhandlungen sind von der Größenordnung her durchaus heterogen. Die Gruppe zeichnet sich aber durch ihre langjährige Existenz und die vertrauensvolle Zusammenarbeit der jeweiligen Eigentümer aus. Der Wille, sich als mittelständische Buchhandlung am jeweiligen Markt zu behaupten ist bei allen Teilnehmern ausgeprägt. Es besteht bei allen Buchhandlungen die Fähigkeit, bestimmte Entscheidungen an die Zentrale zu delegieren, andererseits soll natürlich jede Firma seine individuellen Stärken vor Ort leben und ausbauen.

Und ausgerechnet dieser Buchhandelstyp sucht sich als Kooperationspartner einen der großen Wettbewerber aus, die ihnen das Leben schwer machen?
Das Hugendubel-Zentrallager ist für die teilnehmenden AGM-Buchhandlungen nichts weiter als ein normaler Lieferant, bei dem in Barsortimentsqualität zu Verlagsbedingungen Lagerbestellungen getätigt werden können. Die Marktverhältnisse sind nun mal so wie sie sind und warum sollen sich kleinere oder mittlere Buchhandlungen nicht mit einem führenden Marktteilnehmer kooperieren, wenn diese Zusammenarbeit für beide Seiten Vorteile bringt? Nebenbei: In anderen Branchen gibt es dafür genügen Vorbilder. Electronic Partner zum Beispiel ist entstanden, weil ein Großer im Markt seine Beschaffung für andere geöffnet hat. Ähnliches haben wir bei Strauss Innovation gesehen, im Lebensmittel- oder Drogeriemarkt finden sich weitere Beispiele.

Im Vorfeld wurde bereits gemunkelt, dass damit auch ein Vorkaufsrecht durch Hugendubel verbunden sei?
Dieses Gerücht können wir nicht bestätigen.

Aber man lernt sich dadurch doch sehr gut kennen…
Ja sicher, aber das kann doch nicht schaden.

Wer hat sich denn dieses Modell ausgedacht?
Das Modell wurde während der verschiedenen Zusammenkünfte der AGM-Buchhandlungen entwickelt. Es folgten Gespräche mit möglichen Kooperationspartnern, extern wurde das Projekt von unserem langjährigen Berater, Arnd Roszinsky-Terjung, begleitet.

Es gab doch sicher Alternativen, sowohl bei der Wahl des Zentrallagers, z.B. Thalia oder andere, und auch der des Barsortiments. Warum diese Entscheidung für das Hugendubel Zentrallager und Libri?
Unsere Entscheidung ist keine gegen Thalia, sondern für ein Rationalisierungsinstrument. Unser Modell besteht aus zwei Modulen: Einem Dienstleister „Zentrallager“ und einem Dienstleister „Barsortiment“. Aus der Kombination ergeben sich dann vereinfachte Beschaffung, schlanke Logistik, regalfertige Lieferung. Für die gewünschten Leistungen gibt es nun mal nur wenige Anbieter in unserer Branche; damit ist die Entscheidung für den einen immer auch die Entscheidung gegen einen anderen. Nochmals: Unsere für die gewählte Kombination ist so getroffen worden, weil beide Dienstleister an einer Stelle (Bad Hersfeld) angesiedelt sind und sich von daher zusätzliche Rationalisierungseffekte ergeben.

Die AGM suchtnoch weitere Partner – an wen denken Sie da? Wie sollten die aussehen?
Wir können uns vorstellen, dass in nächster Zeit noch einige Buchhandlungen zu unserem Kreis hinzustoßen. Dabei sollte eine gewisse Größenordnung nicht unterschritten werden, es sollten inhabergeführte, mittelständische Buchhandlungen sein, mit denen wir eine sehr persönliche, vertrauensvolle und langfristige Zusammenarbeit vorstellen. Und nicht zuletzt legen wir Wert darauf, dass die „Chemie“ zwischen den Personen stimmt.

Was meinen Sie mit „da muss aber die Chemie stimmen“?
Eine Kooperation zwischen Unternehmen stößt sehr schnell an ihre Grenzen, weil sie zwangsläufig mit dem Verzicht auf individuelle Entscheidungen einhergeht. Bekanntlich ist die Neigung unter Buchhändlern ja sehr groß, im Namen der Individualität die Dinge kompliziert zu machen. Umso willkommener sind uns also weitere Partner, die zu beherzter Kooperationen in der Lage sind.

Gab es seitens der Verlage schon Reaktionen oder haben Sie Vorgespräche zum Thema Bezugsmodell geführt?
Ja, von den Verlagspartnern, mit denen wir im Vorfeld gesprochen haben, kam in etwa die Botschaft „Wenn Sie die ‚Black Box‘ öffnen, also Ihre Bezugswege offen legen, sehen wir in der teilweisen Anbindung an ein Zentrallager kein Problem“.

Und ist das so?
Ja, denn die Vertriebsleistung der an der AG Marketing beteiligten Buchhandlungen soll in Zukunft nicht mehr über die Nettobezüge bei den Verlagen definiert werden. Vielmehr soll als Maßstab der Absatz zu Verkaufspreisen gelten, nachgewiesen anhand der halbjährlichen Abverkaufsdaten der jeweiligen Warenwirtschaftssysteme.

Wie soll das in der Praxis gehen?
In der Praxis wird eine Schnittstelle zum jeweiligen Warenwirtschaftssystem hergestellt, damit jede Buchhandlung in der Lage ist, die Zentrallagertitel zu erkennen und regelmäßig nachzubestellen. Ansonsten gilt eine Konzentration von Bestellungen auf das Barsortiment, da auch mit diesem natürlich bestimmte Rahmenbedingungen vereinbart wurden.

Und wie siehts mit Remissionen aus?
Eine Remission von bestellten Zentrallagertiteln ist, gegen eine gewisse Bearbeitungsgebühr, natürlich möglich.

Ach ja, und wie hoch ist die Eintrittsgebühr?
Über die Modalitäten eines Beitritts wird individuell gesprochen, aber eine „Eintrittsgebühr“ in dem Sinne gibt es nicht.

Mit welchen Spannen ist denn zu rechnen?
Das ist natürlich geheime Kommandosache, aber die Teilnehmer am Bezugsmodell werden Ihre Spanne sicher nicht verschlechtern.

Und was muss ein Sortimenter noch wissen?
Alles weitere sollte einem persönlichen Gespräch mit mir vorbehalten sein.

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