Aufarbeitung von Familiengeschichte ganz anders: Der Name Saur hat in der

Buchbranche Klang – seit Jahrzehnten. Daß er auch eine ebenso lange wie spannende Geschichte hat, wußten die Wenigsten so genau: Bis Karl-Otto Saur (Bruder des Verlegers Prof. Dr. h.c. mult. Klaus G. Saur) und sein in New York lebender Sohn Michael Saur sich der Geschichte annahmen und bei Econ im Jahr 2007 das Buch „Er stand in Hitlers Testament“ (siehe auch BuchMarkt 11/2007) herausbrachten.
„Er“? Das ist Karl-Otto Saur sen., der bis Ende des Zweiten Weltkrieges das Hauptamt für Technik im Rüstungsministerium leitete – als enger Vertrauter Hitlers (und Nachfolger von Albert Speer) und einer der ganz wenigen, die von Hitler im Testament bedacht wurden. Kurz vor Hitlers Selbstmord wurde er von diesem sogar noch zum Rüstungsminister ernannt, was dem bis zum Lebensende Uneinsichtigen eine hohe Ehre gewesen sein muß.
Gestern stellte Karl-Otto Saur dieses in verschiedenen Perspektiven „montierte“ Buch im Düsseldorfer Heine Haus vor, in dem Sohn und Enkel zeigen, wie sie mit diesem wahrlich ungewöhnlichen Erbe umgehen – und Regierungspräsident Jürgen Büssow war zu einem Grußwort gekommen.
„Es ist wirklich ein zündender und wirkungsvoller Grundeinfall, daß der Vater den Sohn mit an den Tisch der Erinnerung eingeladen hat“, lobte kein Geringerer als Heinrich Breloer das Buch, das für Branchenmenschen doppelt interessant ist: zeigt es doch auch die Wurzeln des K.G. Saur-Verlags – ein Verlag, der „wie aus Versehen“ aus dem „bankrottierenden Ingenieurbüro“ entstanden war und unter Seniors Leitung nur rote Zahlen schrieb – erst, als Sohn Klaus G. Saur sich der Sache annahm, stellten sich Erfolge ein – was wiederum den Senior stocksauer machte.
Aber das Buch ist viel mehr als eine Auseinandersetzung eines „Täterkindes“ mit dem schwer belasteten Vater. Es ist tatsächlich eine „Familieninnensicht“ geworden – denn Michael Saur reflektiert in seinen Beiträgen wiederum sein Verhältnis zu seinem Vater. „Und“, wie Karl-Otto Saur erläuterte“ – wir konnten uns nicht heimlich beim Schreiben über die Schulter schauen – New York war dann doch ein bißchen weit weg…“
Was auch der Grund war, dass Michael Saur nicht zur Veranstaltung anreisen konnte. Er arbeitet nämlich derzeit in New York an seinem neuen Roman.