
Vanessa Wieser (37), die nun seit einem Jahr den Milena Verlag, ehem. Wiener Frauenverlag, leitet, in den sie 2004 nach Arbeiten als freie Journalistin und DJ eingestiegen ist, hat sie ihr zweites Programm auf den Markt gebracht und präsentiert, nachdem der Verlag fast 30 Jahre lang ausschließlich Bücher von Autorinnen veröffentlicht hat, das erste Buch eines Autors.
Warum dieser Bruch mit der Verlagstradition? „Ich sehe nichts Positives darin, diese Trennung weiterhin aufrecht zu erhalten. Es geht mir um die Inhalte, nicht ums Geschlecht ihrer Urheber. Was das Programm inhaltlich zusammenhält, ist der Anspruch an Transgressives, Grenzüberschreitendes. Das drückt sich literarisch komprimiert besonders in unserer neuen Reihe ,exquisite corpse‘ aus“, sagt sie.
Das bedeutet, dass der Verlag mit seiner bisherigen feministischen Ausrichtung raus aus der Nische will: „Wir bestehen auf Gesellschaftskritik, wollen Geschlechterkategorien aber weiterdenken, das Ende der Dichotomie ausrufen. In der Reihe Sachbuch wird feministische Kritik weiterhin wichtig sein“, so die Verlegerin, der auch die Herausgabe vergessener moderner Klassiker am Herzen liegt: „Ebenso wie Zeitgeschichte, die immer schon ein Teil des Programms war und jetzt als eigene Reihe geführt wird. Literatur, Krimis und Wissenschaft gibt es natürlich weiterhin. Und vor allem das politische Sachbuch.“