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08.05.: Knud Falck (65)

Knud Falck wird heute 65 Jahre alt.

Günter G. Rodewald, Literaturagent in Barcelona und BuchMarkt-Korrespondent, gratuliert ihm:

Knud Falck

Musik und Bücher, das sind die zwei wichtigsten Vitamine, die der Bremer Buchhändler Knud Falck aus dem Buchladen Ostertor zum Leben benötigt, ohne sie könnte er nur schwer überleben.

Seine Leidenschaft, mit der er von seinen Lieblingsbüchern erzählt, und das Furioso, wenn er von Musik, von der Kammermusik zur großen Oper, schwärmt, kennen kein Gegenmittel, unausweichlich stecken sie an.

Er ist einer dieser Buchhändler, die diesen Beruf heiligen könnten, die sich mit Leib und Seele um die Bücher kümmern, sorgen, sie pflegen, um für sie den passenden Leser zu finden, ihn mit dem Autor zu verkuppeln.

Nun müssen seine Stammkunden bald ohne seine Infizierungen auskommen, denn Knud Falck geht in Ruhestand. Der fällt zusammen mit seinem 65. Geburtstag, den er heute, am 8. Mai feiert. “Am Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus” wie er gerne und mit gewisser Genugtuung diesem Datum eine zusätzliche historische Bedeutung geben will, als wäre es nicht Freude genug, dass an diesem Tag dieser gute, großherzige Mensch geboren wurde.

Zur Welt kam er 1943 in Schlesien, wuchs dann aber in Glückstadt an der Elbe auf, woher seine Familie stammte. 1961 beendete er die Schule und ging nach Hamburg, um beim Barsortiment Georg Lingenbrink den Beruf des Buchhändlers zu erlernen und um das bedächtige bis provienzielle Leben in der Kleinstadt gegen das viel aufregendere in der Metropole einzulösen.

Nach seiner Zeit bei der Bundeswehr in Leer, im hohen Ostfriesland, zog es ihn dann auch wieder sofort zurück in die große Hafenstadt, wo er wieder zu Lingenbrink ging, dann zwei Jahre bei Paul Parey arbeitete, bevor er 1969 in Westerland auf Sylt die Montanus-Filiale aufbaute und leitete.

Inzwischen waren die Siebziger, unruhige Jahre, angebrochen, wo so vieles in der Republik durcheinander geriet und aufbrach. Auch Knud Falck verspürte Lust auf größere Veränderungen, verließ die Insel Richtung Berlin, um dem Brennpunkt der neueren Zeit näher zu sein. Dort leitete er vier Jahre die Montanus-Filiale im Europacenter am Kurfürstendamm.

Aber es kam dann doch noch größere Sehnsucht ins Spiel als die Perspektive, die berufliche Karriere als Filialleiter einer kommerziellen Buchhandelskette fortzusetzen. Eine neue große Liebe und ein kurz zuvor ins Leben gerufenes kollektives Buchladen-Projekt entführten ihn nach Bremen.

Dort trat er im Herbst 1978 dem Gründeremsemble des Buchladens im Ostertor bei, der vor dem Hintergrund der seinerzeitigen emanzipatorischen und politischen Entwicklungen gegründet worden war. Anti-AKW-Bewegung, Dritte-Welt-Gruppen, die Frauenemanzipation, die Schwulenbewegung, selbstbestimmtes alternatives Arbeiten und vieles mehr forderte nach Lese- und Informationsstoff und einer autonomen Gegenöffentlichkeit.

In dieser Zeit traf ich dann Knud das erste Mal, erst als “Fan” des Ladens, weniger als Kunde, dann aber bald als Aushilfe angeheuert für das Weihnachtsgeschäft 1979, ohne das auch der alternativste Buchladen nicht wirklich existieren kann.

So wurden wir also Kollegen, einmal im besten traditionellen Sinne, aber noch weitergehend als Teile einer Gruppe, eines Kollektivs, weil es der politische und gesellschaftliche Anspruch, dem man sich damals verschrieben hatte, so wollte. Eine Gemeinschaft, die vieles bis alles miteinander diskutierte, manches Mal ohne Ende, in nächtelangen und alkoholgeschwängerten Sitzungen, oder auch während der Ladenöffnungszeiten, die Kunden grob vernachlässigend, auf gemeinsam verbrachten Wochenenden.

Da krachte es dann, natürlich gab es Streit, aber auch viele Versöhnungen. Man kam sich näher oder auch gar nicht. Man erlebte sehr bewegte Zeiten, über die man heute manchmal den eigenen Kopf schüttelt, aber die man andererseits so gar nicht missen will.

Die Zeit brachte dann Veränderungen ins Geflecht, die Gründergruppe erweiterte sich, andere verließen sie, gingen andere Wege, geographisch wie inhaltlich, aber viele Freundschaften blieben.

So auch meine Verbindung zu Knud, die über die Entfernung – Knud bis heute im Buchladen im Ostertor, ich seit über zwanzig Jahren in Barcelona lebend – noch um so intensiver geworden ist.

Nach den wilden Gründer- und Flegelzeiten im Buchladen kam dann die Zeit, in der die Realitäten Einzug hielten, man “ernster“ werden musste. Es flog nicht mehr alles von selbst vom Himmel, man musste lernen, welche Schotten wann zu öffnen und welche wann ganz schnell zu schließen waren.

Zweifellos haben in dieser Zeit Knuds langjährige Erfahrungen als “seriöser” Buchhändler dem Laden geholfen, gesund und vor allem am Leben zu bleiben. Das waren nicht immer einfache Zeiten, man musste sich nach Decken strecken und natürlich entstanden dabei auch Reibungen.

Vor ein paar Jahren musste Knud deren Auswirkungen auch körperlich erfahren, glücklicherweise öffnete sich aber rechtzeitig sein Hilfsfallschirm, so dass die Landung zwar nicht samtweich, aber immerhin doch ohne Nackenbruch erfolgte.

Nach dieser Notlandung zog er einen weisen Schluss. Er arbeitete nur noch halbtags, machte sich Stück für Stück entbehrlicher, übte so schon einmal für die Zeit nach seinem Rücktritt aus der aktiven Tagespolitik, aber ganz sicher rettete er sein Leben.

Jetzt, mit dem Status des Privatiers, wird er noch mehr Zeit haben, seine Tage mit seiner Familie, seinen vielen, vielen Freunden zu verbringen, seine Musik zu hören und anderen näher zu bringen und für die Lektüre von alten und neuen Lieblingsbüchern.

Und hoffentlich auch die Zeit, mich in Barcelona zu besuchen. Knud, mein Freund, ich freue mich auf deinen Besuch!

Kontakt: knud.falck@t-online.de

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