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3. Marburger Lesetag mit vielen Ideen

Gestern fand der dritte vom staatlichen Schulamt organisierte Lesetag statt. Mehr als hundert Lehrerinnen und Lehrer fanden sich im romantischen Schloss in Marburg-Rauischholzhausen ein, um neue Forschungsergebnisse zu hören und an den Workshops teilzunehmen. In Hessen ist Leseförderung vom Kultusministerium zum strategischen Ziel erhoben worden und hat somit eine besondere Bedeutung, wie die
Organisatorinnen des Lesetages Dr. Erika Schellenberger-Diederich und
Rosemarie Wolny bestätigten.

Das Thema des Lesetages war „Mit allen Sinnen – Lesen in allen Fächern“. Auf dem Markt der Möglichkeiten hatten verschiedene Lesefördereinrichtungen und –initiativen wie die Marburger Leseambulanz, die Grüne Schule, Klangkoffer von Ohr liest mit oder das kultur mobil des Amtes für Lehrerfortbildung die Gelegenheit ihre Projekte vorzustellen.

Cordula Artelt

Gleich zu Anfang der Tagung stellten Schülerinnen und Schüler des Projektes „Grüne Schule“ vor, was Biologie und Pflanzen mit Leseförderung zu tun haben kann und Schüler der Wollenberg Gesamtschule vertonten die Geschichte vom Löwen, der nicht schreiben wollte.

Nach den anschaulichen Beispielen aus der Praxis betonte Prof. Dr. Cordula Artelt, Mitglied im deutschen PISA (2006) Konsortium und Lehrstuhlinhaberin für empirische Bildungsforschung in Bamberg in ihrem Vortrag, dass es wichtig sei, dass Leseförderung als gemeinsame Aufgabe der gesamten Schule verstanden werde und nicht nur in den Deutschunterricht einfließe. Daher fordert sie ein Fächerübergreifendes Lesecurriculum, dass alle Fächer einbezieht. Lange wurde angenommen, dass mit dem Spracherwerb in der Grundschule, die Entwicklung der Lesekompetenz abgeschlossen sei. Dies sei jedoch ein Fehler gewesen, was auch die Ergebnisse von PISA und IGLU bestätigen. Die Studien haben gezeigt, dass es in Deutschland eine sehr große Gruppe an schwachen Lesern in der Sekundarstufe I (8./9. Klasse) gäbe. Und hier sei es besonders wichtig und notwendig die Lesekompetenz zu fördern. Dies geht nur, wenn die Diagnosefähigkeit des Lehrpersonals geschult wird und Strategien im Umgang mit Texten vermittelt werden.

Grüne Schule

Im Anschluss des Vortrages ging es in die verschiedenen Workshops unter anderem von Volker Bernius „Ohrenspitzen in Hörclubs und Schulen von der Stiftung Zuhören oder von Frederick Vahle „Oma. Samurei. Musik und Sprache in Bewegungsliedern“. Der ungewöhnlichste Workshop war sicher das Angebot von Armi Bernstein-Roth, Diplom-Bibliothekarin aus Finnland von der Stadtbücherei Göppingen, die das Projekt „Living-Library – Menschen mit Geschichte(n) als lebendige Bücher vorstellte. Das Projekt wurde 1993 Dänemark entwickelt als Jugendliche verschiedener Nationalitäten sich gegenseitig bedrohten. „Es gibt einen Katalog mit Personen, die eine besondere Geschichte haben, die ausgeliehen werden können wie Bücher“, wie Bernstein-Roth erläutert. So kommt man persönlich ins Gespräch und dadurch können Vorurteile und Ängste abgebaut werden.

Bodo Kirchhoff

Kein Lesetag ohne Bücher, deshalb ließ es sich Antje Tietz von der Buchhandlung Leszeichen nicht nehmen und ist mit vielen Fachbüchern angereist. Sie sieht sich als Buchhändlerin als wichtige Partnerin und Beraterin für Lehrerinnen und Lehrer, die häufig zu ihr in den Laden kommen und nach neuer Lektüre für den Unterricht fragen. Als Service stellt sie auch Bücherlisten zusammen oder stellt neue Fachbücher im Kollegium vor. Der krönende Abschluß war die Lesung mit Bodo Kirchhoff, der mit sonorer und fester Stimme aus seinem neuen Roman “Eros und Asche“ las.

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