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Aufbau Pressemitteilung: Herbstprogramm erscheint wie geplant / Insolvenzverwalter will weiterführen: Aufbau verfügt über alle Rechte seit Beginn der 90er Jahre

Parallel zur derzeit noch laufenden Pressekonferenz hat die Pressestelle der Aufbau Verlagsgruppe zwei Pressemitteilungen verschickt. Die erste betrifft die Tätigkeit des Insolvenzverwalters.

Demnach habe der von dem Insolvenzgericht Berlin-Charlottenburg eingesetzte vorläufige Verwalter,Rechtsanwalt Joachim Voigt-Salus (45), heute morgen auf einer Pressekonferenz erklärt, dass er den Geschäftsbetrieb des Aufbauverlages zusammen mit der Geschäftsführung aufrecht erhalte und sehr gute Chancen für eine Sanierung sehe. Voigt-Salus: „Bereits die erste Durchsicht der Bücher über das vergangene Wochenende zeigt, dass dieses Ziel realistisch ist.“ Nötig sei es, die Instrumentarien, die die Insolvenzordnung bereitstelle, klug einzusetzen.

Weiter heißt es:

„Der vorläufige Verwalter erläuterte, dass zwar mit der Entscheidung des Gesellschafters, den Aufbau-Verlag nicht weiterzufinanzieren, die Zahlungsunfähigkeit und voraussichtlich auch die Überschuldung eingetreten sei, doch komme es wegen des mit der Insolvenz verbundenen Kapitalschnitts nur noch darauf an, dass das operative Geschäft profitabel organisiert werden könne.

Voigt-Salus „Wenn die Autoren, Druckereien und Arbeitnehmer an einem Strang ziehen,wird der Aufbau-Verlag nicht untergehen.“ Die Geschäftsführung habe bereits in den letzten Jahren durch Sanierungen eine positive Wende geschafft. Dieser bereits eingeschlagene Wegkönne nun schnell zu Ende gegangen werden, betonte Voigt-Salus.

Voigt-Salus wolle dabei auch den mittelbaren Gesellschafter Bernd F. Lunkewitz einbeziehen, umso unnötige Reibungsverluste im Interesse aller und vor allem der 60 Arbeitnehmer zu vermeiden:“Rechtlich sicher ist, dass zur Insolvenzmasse alle Lizenzen und Rechte gehören, die der Verlag seit 1992 erworben hat“. Ob dies auch für die zuvor entstandenen Rechte gilt, wollte Voigt-Salus noch nicht beantworten. Er hält es für möglich, dass diese Rechte wegen Fehlern bei Errichtung der Aufbau-Verlages GmbH durch die Treuhandanstalt inzwischen bei dem Gesellschafter liegen. Diese Rechte seien laut Voigt-Salus allerdings wirtschaftlich unwichtiger: „Sollte der Gesellschafterin Bezug auf diese Rechte unkooperativ sein, behindert dies zwar, stellt aber nicht mein Konzept der Fortführung in Frage“, zeigt sich Voigt-Salus zuversichtlich.

Die Geschäftsführung des Aufbau-Verlages hatte Freitag letzter Woche Insolvenzantrag gestellt, nachdem für diese überraschend der mittelbare Gesellschafter Lunkewitz seine Finanzierungsbereitschaft widerrief. Dem Berliner Traditionsverlag ist es damit unmöglich geworden, fällige Verbindlichkeiten in Höhe von etwa 5 Mio. € auszugleichen. Der vorläufige Verwalter rechnet mit einer Eröffnung des Verfahrens zum 1. September. Er hofft,dass er bis dahin eine dauerhafte tragfähige Lösung präsentieren könne, die voraussichtlich einen neuen Investor einschließt.“

Zudem erreicht uns eine Stellungnahme des Aufbau Verlagsgruppe. Wir dokumentieren im Wortlaut:

„Heute nahmen die Geschäftsführer der Aufbau Verlagsgruppe GmbH, René Strien und Tom Erben, zu dem beendeten Engagement des Gesellschafters Bernd F. Lunkewitz auf einer Pressekonferenz Stellung. Gemeinsam mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter, Rechtsantwalt Joachim Voigt-Salus kündigten sie an, die Geschäfte “as usual” fortzuführen.

„Wir gehen davon aus, dass alle Bücher des Herbstprogramms wie geplant erscheinen werden“, sagte Tom Erben. „Die umfangreichen Kataloge sind verschickt, die Vertreter reisen ab dem heutigen Montag. Gemeinsam werden Geschäftsführung und Mitarbeiter alles daran setzen, die Versprechen gegenüber Autoren und Partnern einzuhalten und Aufbau am Leben zu erhalten.“ Das weitere Insolvenzverfahren wird von einem Beirat aus Gläubigern, Autoren, Betriebsrat begleitet.

Die Geschäftsführung geht davon aus, alle Verträge der Aufbau Verlagsgruppe erfüllen zu können. Die Gehälter der Mitarbeiter sind bis einschließlich August als Insolvenzgeld sichergestellt. Es sind zum jetzigen Zeitpunkt keine Entlassungen geplant.

Die Geschäftsführung, die den Betrieb bis zum Insolvenzverfahren im September fortführen wird, betont, dass allein die Altschulden der Gesellschaft und die damit verbundenen Effekte (Zinsbelastung, teurer Einkauf, überstrapazierte Zahlungsziele) den Verlag noch immer unwirtschaftlich machen. Die Sanierungsmaßnahmen der jetzigen Geschäftsführung innerhalb der letzten zwei Jahre haben gegriffen: Die Strategie, weniger Titel mit höheren Auflagen zu drucken und ein schärferes Programmprofil sowie effizientes Wirtschaften haben sich positiv auf die operative Ebene ausgewirkt. Die Vertriebsumsätze konnten per Ende April um 5% gegenüber dem Vorjahr gesteigert werden. Mit einem ungewöhnlich starken Herbstprogramm wird auch im zweiten Halbjahr ein einträgliches Geschäft erwartet.

Die zugesagte Finanzierung der Altschulden zu erfüllen, hat der Gesellschafter BFL Beteiligungsgesellschaft/Bernd F. Lunkewitz in den vergangenen Wochen und Monaten mehrfach schriftlich und mündlich versichert. Er hat dem Verlag diese Zusage am 30.5.2008 überraschend entzogen und damit die Geschäftsführung gezwungen, einen Insolvenzantrag zu stellen. Lunkewitz wähnt sich im Besitz aller Verlagsrechte, die Aufbau entstanden sind. Die gegenteilige Rechtsauffassung der Geschäftsführung aber wurde vom Insolvenzgutachter bestätigt: Die Aufbau Verlagsgruppe verfügt über alle Rechte, die seit dem Beginn der 90er Jahre entstanden sind und damit über den Großteil aller wirtschaftlich relevanten Verlagrechte, die Aufbau eingeräumt wurden. Allenfalls Altrechte des Verlages 1945-1992 sind strittig gegenüber dem Gesellschafter BFL Beteiligungsgesellschaft/Bernd F. Lunkewitz. Aber selbst für Traditionsautoren wie Erwin und Eva Strittmatter, Victor Klemperer und Brigitte Reimann wurden nach 1992 neue Verträge geschlossen.

Auch die Markenrechte gehören der Aufbau Verlagsgruppe, die sie bereits vor Jahren beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet hat. Die Geschäftsführung wird sich nicht zu den Scheinprozessen und Scheinansprüchen von Herrn Lunkewitz erklären. Sie ist, gestützt auf mehrere umfangreiche Rechtsgutachten, zu der Erkenntnis gelangt, dass Herr Lunkewitz weder Ansprüche gegen die BvS noch gegen die Aufbau Verlagsgruppe hält. Stattdessen wird die Geschäftsführung alle Kräfte auf die Zukunft des Verlages verwenden.

„Alle Mitarbeiter der Aufbau Verlagsgruppe werden sich weiterhin für ,ihre’ Autoren und dieses einzigartige Traditionshauses engagieren“, sagte der Lektor Andreas Paschedag, der den Betriebsrat bei der Pressekonferenz vertrat. Vor allem gehe es nun auch darum, mittels offener Kommunikation den von Lunkewitz überrumpelten Autoren Klarheit zu vermitteln. Zum weiteren Vorgehen wird in den nächsten 14 Tagen eine Autorenversammlung einberufen.

Die Zukunft des Verlages könnte in einem Vergleich mit den Gläubigern bei beibehaltener Gesellschafterstruktur liegen. Diese Lösung scheint durch das aktuelle Verhalten des Gesellschafters äußerst schwierig. Bernd F. Lunkewitz hat der Aufbau Verlagsgruppe GmbH noch am Freitag, den 30.5. den Mietvertrag zu kündigen versucht, offensichtlich um den existierenden Verlag zu vernichten. Das Insolvenzverfahren schiebt derartigen Bestrebungen einen Riegel vor und eröffnet stattdessen ein breites Spektrum zur Unternehmens-fortführung. Erste vertrauliche Sondierungsgespräche mit Investoren und strategischen Partnern wurden bereits geführt.

René Strien, der auch einen offenen Brief an Lunkewitz geschrieben hat, konstatierte: „Wir können uns das Vorgehen des Gesellschafters, das allen bisherigen Absprachen widerspricht, nur so erklären, dass er gegen die Treuhand pokert und den Verlag als Wetteinsatz zu opfern bereit ist. Für derartige Chimären aber gibt sich die Aufbau Verlagsgruppe nicht her. Im Interesse der Mitarbeiter, Autoren, Partner und Leser werden wir weiter gute Bücher machen.“

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