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Berichte von der Aufbau Pressekonferenz: Solidarität aus der Branche ist groß

Der Raum im vierten Stock des Aufbau-Verlagsgebäudes war gerammelt voll. Die für das Ressort zuständige Berliner

Sinniges Zitat von Brecht:
Gezielt auf Brecht-Fan Bernd F.Lunkewitz

Presse war nahezu vollständig angereist, als die Pressekonferenz pünktlich um 13:30 Uhr begann. Unten über dem Eingang hing ein von den Mitarbeitern des Verlages selbst gemaltes Transparent mit einem Brecht-Zitat: aus dem Kaukasischen Kreidekreis. „Gehören soll, was da ist, denen, für die es gut ist“, stand da.

Und so war auch die Stimmung bei den Mitarbeitern, die vorn am Podium agierten: bedrückt, aber kämpferisch. Dort saßen die beiden Geschäftsführer Tom Erben und René Strien, Autor Thomas Lehr, der Lektor und Betriebsratsvertreter Andreas Paschedag und der, der nun das Sagen hat: der vorläufige Insolvenzverwalter Joachim Voigt-Salus, der auch die Insolvenz von Lettra abgewickelt hat, [mehr…].

Setzen Signal: (v.l.n.r.) Joachim Voigt-Salus, René Strien, Tom Erben

Voigt-Salus gibt sich zuversichtlich und will einen Investor finden. Die eleganteste und schnellste Lösung Zukunft herzustellen sei ein strategischer Partner, sagte er. Namen nannte Voigt-Salus nicht. Die Entscheidung, ob ein Investor gesucht werde, falle in drei bis vier Wochen. Der Aufbau-Verlag könne das operative Geschäft weiterbetreiben, ohne zugleich die Altschulden weiter bedienen zu müssen, denn diese werden im Insolvenzverfahren getrennt behandelt.

Verlagsgebäude: Gerammelt voll im vierten Stock

Voigt-Salus kündigte an, sich voraussichtlich am kommenden Wochenende mit Gesellschafter Bernd F. Lunkewitz zu einem persönlichem Gespräch treffen zu wollen, um dort eine Lösung zu finden, die die Interessen beider Seiten berücksichtigt.
Zwar sei die Zahlungsunfähigkeit und voraussichtlich auch die Überschuldung eingetreten, doch komme es wegen des mit der Insolvenz verbundenen Kapitalschnitts nur noch darauf an, dass das operative Geschäft profitabel organisiert werden könne, führte Voigt-Salus aus.

Da Lunkewitz seine Finanzierungsbereitschaft widerrufen habe, sei es dem Unternehmen unmöglich geworden, fällige Verbindlichkeiten von rund fünf Mio. Euro auszugleichen, so die Geschäftsführung. Im letzten Jahr erzielte die Verlagsgruppe einen Umsatz von 14,2 Mio. Euro (Vorjahr: 12,6 Mio.). Allein die Altschulden und die damit verbundene Zinsbelastung machten den Verlag laut Geschäftsführung auch 2007 noch unwirtschaftlich.

Noch bis zum Donnerstag habe alles nach einem business as usual ausgesehen berichtete der zweite Geschäftsführer Strien, Lunkewitz habe in den Verlag kommen wollen, um sich der Verbindlichkeiten anzunehmen, stattdessen habe am Freitag morgen der Brief auf dem Tisch gelegen. Man berief sich auf die Tradition und bemühte starke Worte. „Wir können uns das Vorgehen des Gesellschafters, das allen bisherigen Absprachen widerspricht, nur so erklären, dass er gegen die Treuhand pokert und den Verlag als Wetteinsatz zu opfern bereit ist“, ergänzte Strien seinen offenen Brief, den er zuvor in der Süddeutschen Zeitung [mehr…] veröffentlich hatte. Und ergänzte, es habe allerdings auch ein „empörendes Unrecht bei der Privatisierung des Verlages“ gegeben.

Nun muss das wichtigste organisiert werden: Die Gehälter der Mitarbeiter seien bis einschließlich August gesichert, Entlassungen derzeit nicht geplant, so die Geschäftsführung, die die Geschäfte fortführen will. Das Frühjahrsprogramm 2009 sei in Vorbereitung, das aktuelle Herbstprogramm solle wie geplant erscheinen. Seit heute sind die Vertreter unterwegs. Buchhändler und Leser forderte Geschäftsführer Tom Erben zur Solidarität auf [mehr…]. „Kauft Aufbau-Bücher! Diese Nachricht dürfen Sie gern weitergeben.“, so begann er sein Statement.

„Alle Mitarbeiter der Aufbau Verlagsgruppe werden sich weiterhin für ,ihre’ Autoren und dieses einzigartige Traditionshauses engagieren“, bekräftigte auch Lektor und Betriebsrat Paschedag und kündigte eine Autorenversammlung in den nächsten 14 Tagen an. „Wir sind zuversichtlich und machen volle Pulle weiter.“

Lunkewitz habe keine Ansprüche gegen die Aufbau Verlagsgruppe betonte Erben auf Nachfrage. Auch der Verlag Rütten & Loening gehöre zur Verlagsgruppe. Bisher gebe es dazu keine Titel. Noch am Freitag hatte Lunkewitz dem Verlag die Räume gekündigt, die er ihm zur Miete überlassen hatte. Das war nicht schnell genug, denn der Insolvenzantrag seiner Geschäftsführung war vorher beim Gericht eingegangen: Nun brauche der Verlag erst einmal gar keine Miete zu zahlen, sagt Voigt-Salus. Das gehöre zur Existenzsicherung.

Dann brach der Troß am Pult auf zu den folgenden Besprechungen: Erst mit dem Betriebsrat und dann vor die Mitarbeiter. In den nächsten 14 Tagen soll es eine Autorenversammlung geben. Aufbau kämpft um einen neuen Aufbau.

ML

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