In der neuen Ausgabe von BuchMarkt hat Martin Ludwig grundsätzlich zur Amnestie des BAG-Vorstandes Stellung bezogen [mehr…]. Jürgen Horbach, Schatzmeister des Börsenvereins, antwortet. Wir dokumentieren im Wortlaut:
„Man reibt sich verwundert die Augen, wenn man die Ausführungen von Martin Ludwig im BuchMarkt zur BAG-Affäre liest. Die Chuzpe, mit der hier – wie während der Diskussion über die Vorgänge bei der in die Pleite getriebenen BAG im vergangenen Jahr – immer noch versucht wird, dem Börsenverein, der als Retter in höchster Not agiert hat, unlautere Motive zu unterstellen („Unfriendly Take-Over“ der BAG), ist beispiellos und beispiellos unklug.
Mehr noch, Herr Ludwig erklärt dem erstaunten Leser eineinhalb Jahre nach dem Eintritt der Katastrophe und zahllosen Informationen seitens des Börsenvereins über die Geschehnisse bei der BAG, dass BAG- und FGM-Geschäftsführung und Aufsichtsrat der BAG nicht nur fast alles richtig gemacht hätten, ja mehr noch, dass er das Factoringgeschäft heute wieder genauso betreiben würde.
Das heißt also, bei einem Jahresüberschuss von 250.000 EUR Gesamtrisiken von über 15 Mio EUR einzugehen und davon mit einem einzigen Kunden rund 13 Mio EUR (85% des gesamten Factoring-Volumens der FGM), was dann auch prompt schiefging, das heißt also, auch heute wieder ein Factoring-Geschäft mit ganz wenigen Kunden betreiben zu wollen, obwohl jeder kleine Bankangestellte den Hinweis geben wird, dass bereits 5% Konzentration auf einen Kunden bei einem Factoringgeschäft ein hohes Risiko bedeutet. Na dann …
Wenn also alle bei der BAG fast alles richtig gemacht haben und sogar die Kontrollmechanismen funktioniert haben sollen, wie Herr Ludwig wahrheitswidrig behauptet, dann stellt sich die Frage, wie es denn zu der Pleite kommen konnte. Die BAG GmbH weist für 2007 einen Jahresfehlbetrag, also einen Verlust von rund 13,5 Mio EUR aus.
Wie ist der denn entstanden? Herr Ludwig macht Glauben, der Börsenverein suche dafür einfach unschuldige „Schuldige“, weil er, der Börsenverein, durch die Übernahme der BAG den Fehlbetrag verursacht habe. Diese Unterstellung bzw. dieses den Leser-Glauben-Machen ist ungeheuerlich. Nein, das BAG-Desaster haben allein die Entscheidungsverantwortlichen der BAG GmbH und des BAG-Aufsichtsrates zu verantworten.
Damit sind wir beim zentralen Punkt der sogenannten „Vorverurteilung“. Hier redet sich Herr Ludwig um Kopf und Kragen. Das von ihm so genannte Gefälligkeitsgutachten zu den Haftungsfragen stammt von einer der ausgewiesensten Kanzleien für Gesellschaftsrecht, Heuking Kühn Lüer Wojtek in Düsseldorf. Deren Erkenntnisse werden heute online gestellt werden. Herr Ludwig kennt dieses Gutachten. Es gehört schon viel Mut dazu, die dort festgestellten juristischen Haftungstatbestände in den Geruch der Gefälligkeit für den Börsenverein stellen zu wollen. Eine solche Behauptung ist darüberhinaus in hohem Maße unprofessionell.
Die Zurückweisung jeglicher Mitverantwortung ist so unerträglich und durch so wenig Sachkenntnis untermauert, dass man versucht ist, Herrn Ludwig den Prozess zu ermöglichen, den er sich so sehnlichst wünscht. Nicht eine „negative Feststellungsklage“ ist der Weg, sondern eine Verfolgung der Haftungsansprüche durch den Börsenverein bzw. die MVB und den sich daran unweigerlich anschließenden Prozess, in dem Herr Ludwig und andere ehemaligen BAG-Aufsichtsräte alle Gutachten vorlegen können, die sie als nicht aus „Gefälligkeit“ entstanden erstellen lassen werden.
Liest man diese Passagen im BuchMarkt-Interview, kann man daraus nur den Schluss ziehen, dass Herr Ludwig in Berlin eine große Mehrheit gegen die eigene Nichtverfolgung organisieren wird. Dann erhält er die gerichtliche Klärung der Schuldfrage, an der ihm so viel liegt. Dann werden die Fakten schließlich gerichtsaktenkundig, die bereits zum Allgemeingut der meisten Mitglieder geworden sind. Es ist ihm zu wünschen, dass er dies mit seinen ehemaligen Co-Aufsichtsräten abgesprochen hat.
Fast bin ich geneigt, ihm meine Stimme dazu nicht mehr zu verweigern.
Jürgen Horbach
Schatzmeister des Börsenvereins“







