
Frankfurter Rundschau
Zehn Jahre Rechtschreibreform sind heute der Feuilleton-Aufmacher. Christian Schlüter findet freilich, dass es nicht viel zu feiern gibt: Wenn selbst der Vorsitzende des Rechtschreibrates Zehetmeier öffentlich fragt, warum um Gottes Willen man überhaupt diese Reform gemacht habe. Hat der Schreiber dieser Zeilen bis heute auch nicht kapiert…
Korrespondierend zum Themenschwerpunkt China hat Arno Widmann auf einer Seite Hinweise auf alte und neue Bücher aus dem Reich der Mitte gegeben, die auf Deutsch vorliegen. Anton Thuswaldner rezensiert Franz Doblers neuen Roman „aufräumen“ bei Kunstmann: „In diesem Roman laufen die Gefühle Amok… Mit geradezu Brechtscher Emphase erzählt Dobler ein Lehrstück ohne brauchbare Lehre…“
Und zu guter Letzt: Christian Y. Schmidt, Ex-Titanic-Redakteur und seit Jahren Wahl-Chinese, über Mao: Früher war er Parteichef, dann eine Art Popstar, jetzt gilt er als Gott. Und das im atheistischen China…
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Kurt Beck schreibt seine Memoiren unter dem Titel „Ein Sozialdemokrat“ bei Pendo, war gestern beiläufig zu hören – und heute macht sich die FAZ darüber lustig: „Mag also sein, dass der Titel der Beckschen Memoiren prophetischer ist als erwartet, weil am Tage des Erscheinens der Verfasser tatsächlich auch nur noch irgendein Sozialdemokrat ist.“
Henryk M. Broder kriegt den Hildegard-von Bingen-Preis, aber nur weil Peter Slotderdijk keine Zeit gehabt hätte, ihn entgegenzunehmen. Merkwürdiges Auswahlverfahren…
Steffen Gnam rezensiert Haruki Murakami „Wovon ich rede, wenn ich vom Laufen rede“ (DuMont). KiWi bringt Thomas Hettches Feuilletons als Buch heraus „Fahrtenbuch. 1993-2007″.
Annotationen
Stefan Ummenhofer / Alexander Rieckhoff „Ringfahndung“ (Romäus Verlag) und Barbara Frischmuth „Vom Fremdeln und vom Eigentümeln“ (Droschl).
Neue Sachbücher
David Miller „Grundsätze sozialer Gerechtigkeit“ (Campus): Dieter Thomä findet: „Eine Pflichtlektüre für alle, die den Kuchen verteilen“ – ein Standardwerk über Grundsätze sozialer Gerechtigkeit.
Friederike Reents hat sich John Virapens „Nebenwirkung Tod. Korruption in der Pharma-Industrie“ (Neuer Europa-Verlag) angesehen – Leute, bleibt lieber einfach gesund…
Politische Sachbücher
Detlef Kühn über Robert Allertz „Die RAF und das MfS“ (Edition Ost): „Die eigentliche ‚Botschaft’, die dieses Buch transportieren will, ist eine andere. Es gilt zu ‚beweisen’, dass die DDR und damit das MfS im Kalten Krieg die Angegriffene war und stehts in Notwehr … handelte…“
Daniel Koerfer schreibt über Sebastian Weitkamp „Braune Diplomaten“ (Dietz Verlag) – es geht um Horst Wagner und Eberhard von Thadden als Funktionäre der sogenannten Endlösung. Annotiert werden Gerhard Ringshausen „Hans-Alexander von Voß. Generalstabsoffizier im Widerstand“ (Lukas) und Karl Doehring „Von der Weimarer Republik zur Europäischen Union“ (wjs).
Hannes Hintermeier hat die von uns gestern aufgebrachte Bayerische Justizposse um „Elfenmond“ [mehr…] [mehr…] aufgegriffen: „Dessen (gemeint ist Guido Krain, der im Print on Demand-Verfahren beim Autor-Verlag Hamburg veröffentlicht) im Jahr 2000 veröffentlichter Roman „Elfenmond“ hat die Staatsanwaltschaft davon überzeugt, dass das Buch „eine bekannte geschäftliche Bezeichnung“ sei und somit ein Verstoß gegen das Markenrecht vorliege, außerdem „Verwechslungsgefahr“ bestehe. Im aktuellen Verkaufsrang bei Amazon liegt Krain auf Platz 432 755, Melling rund 200 000 Plätze besser.
Auf der letzten Feuilleton-Seite ein großes Interview mit Ingo Schulze über „Liebe in den letzten Tagen der DDR“ – das Gespräch führte Hubert Spiegel: „’Adam und Evelyn’ (der neue Roman Schulzes – d. Red.) ist ein Buch über die seltsame Zwischenphase, in der weder Abschied noch Neubeginn deutlich zu erkennen sind.“
Die Welt
Die Welt hält uns heute knapp, verspricht aber für morgen in der Literarischen Welt das Thema: Hatte Goethe etwas mit Herzoginnenmutter Anna Amalia?
Süddeutsche Zeitung
Den Fall Trintignant hat Albert Ostermeier zu einem Roman verarbeitet: „Zephyr“ ist bei Suhrkamp erschienen – Christoph Bartmann rezensiert. Verena Mayer bespricht Anthony McCarten „Englischer Harem“ (Diogenes) – und findet: Cat Stevens ist an allem Schuld. (Schreibt man wirklich groß jetzt, fragt Herrn Zehetmeier…)
Zwei neue Überblicksdarstellungen zur mittelalterlichen Geschichte: Hagen Keller, Gerd Althoff „Gebhard. Handbuch der deutschen Geschichte. Band 3“ (Klett-Cotta) und Stefan Weinfurter „Das Reich im Mittelalter“ (C.H. Beck) – Christian Jostmann rezensiert.
Tobias Lehmkuhl hat sich Marius Hulpes Lyrikdebut „wiederbelebung der lämmer“ (Ammann) angesehen, und Christoph Haas bespricht den Comic „Mouse Guard“ von David Petersen (Cross Cult Verlag).
Eine ganze Seite Kinder- und Jugendliteratur:
Philippe Lechermeier hat mit „Prinzessinnen“ ein farbenprächtiges Nonsensbuch zu einem uralten Thema gemacht (cbj), findet Christine Knödler, Verena Hoenig hat Ricardo Gómez’ „Wolkenauge“ gelesen (Ravensburger) – eine Geschichte aus dem Leben der Crow-Indianer.
Lois Lowrys „Traumbringer (Carlsen) begeistert Rezensentin Hilde Elisabeth Menzel, Siggi Seuss hat sich Albert Wendts zeitlose Parabel “Betti Kettenhemd” (Jungbrunnen) angesehen. Rotraut Susanne Berner schenkt sich zu ihrem 60. Geburtstag bei Hanser das von Armin Abmeier herausgegebene „Lese-Bilder-Buch“ „Alphabet & Zeichenstift“. Und wird darin zugleich auch beschenkt: nämlich mit Texten von Kollegen.
Taschenbücher
Hilke Rosenboom „Das falsche Herz“ (cbj omnibus) und Martha Brooks „Mistik Lake“ (Reihe Hanser dtv).