
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Ist ja klar, was heute Spitzenthema auf allen ersten Seiten ist (und das schönste Foto hat die FTD: die beiden leeren Rednerpulte mit dem SPD-Schild): Wie sich der bisherige SPD-Chef Kurt Beck durch die Hintertür davonmachte. Die FAZ hat schon am 1. August ein feines Näschen bewiesen, als sie bei der Ankündigung, Beck wolle seine Memoiren unter dem Titel „Ein Sozialdemokrat“ veröffentlichen, fragte: „Mag also sein, dass der Titel der Beckschen Memoiren prophetischer ist als erwartet, weil am Tage des Erscheinens der Verfasser tatsächlich auch nur noch irgendein Sozialdemokrat ist.“ [mehr…]
Frankfurter Rundschau
In Sachen Büchern hat’s der FR heute die Sprache verschlagen, deshalb gehen wir gleich zur
Frankfurter Allgemeine Zeitung
Da feiert Jochen Hieber gleich auf der ersten Seite den Abschluss der Frankfurter Hölderlin-Ausgabe (Stroemfeld) – 33 Jahre hat es gedauert: „Die … Ausgabe kann und darf für sich in Anspruch nehmen, die Editionswissenschaft insgesamt zu einem Modernisierungsschub motiviert zu haben.“ Nun liegen 20 Bände vor: Glückwunsch auch von uns an den Verleger KD Wolff und den Herausgeber Dietrich Eberhard Sattler!
„Protokoll der babylonischen Moderne“ heißt Wolfgang Schneiders Artikel über Andrew Delbancos Melville-Biografie (Hanser): „Nicht Fakten, sondern kluge Verknüpfungen zeichnen die neue Melville-Biographie von Andrew Delbanco aus.“
Florian Borchmeyer rezensiert den „rollenden Reporter“ Hans Christoph Buch und sein bei zu Klampen erschienenes Buch Das rollende R der Revolution. Lateinamerikanische Litanei.
Annotationen
Hans-Jürgen Gerigk / Rudolf Neuhäuser Dostojewskij im Kreuzverhör. Ein Klassiker der Weltliteratur oder Ideologe des neuen Russland? (Mattes Verlag) und Michael Sollorz Die Eignung (Männerschwarm Verlag).
Der Verleger Robert Giroux ist tot. Er gab Autoren wie Jack Kerouac und Susan Sontag die erste Chance, veröffentliche Orwells 1984, machte Salingers Fänger im Roggen. Mit 94 Jahren ist er am vergangenen Freitag gestorben.
Neue Sachbücher
„Die zugeflaggte Erwartung“ titelt Christian Geyer seine Rezension von Catrin Kersten Orte der Freundschaft. Niklas Luhmann und Das Meer in mir (Kulturverlag Kadmos) – ein glänzenden Buch über Freundschaft und Liebe.
Uwe Walter rezensiert Gustav Adolf Lehmanns Perikles von C.H. Beck, und Melanie Müller betreibt „Benamsologie“ mit Gudrun Schurys Wir heißen Müller und das ist auch gut so. Fast alles über den erfolgreichsten deutschen Namen (Eichborn – oder was?).
Die Welt
Wieland Freund widmet Robert Giroux einen ausführlichen Nachruf: „In der Literatur ist die Unsterblichkeit den Erzählern und Dichtern vorbehalten, Verleger kommen ihr allenfalls nahe. Bei Robert Giroux allerdings, dem berühmtesten Lektor Amerikas, könnte das launische literarische Gedächtnis eine Ausnahme machen; es hätte Gründe genug.“
Weiterhin Streit um die Aufführung von Brechts „Die Judith von Shimoda“ [mehr…]: Matthias Heine berichtet von Claus Peymanns Protest gegen die „Uraufführung“.
Süddeutsche Zeitung
Ende des Jahres soll eine neue Biografie über Rupert Murdoch bei Random House in New York für Aufsehen sorgen. Die Zeitschrift Vanity Fair hält das für eine derart berichtenswerte Sache, dass sie bereits in der Oktoberausgabe über die Recherchen von Autor und Journalist Michael Wolff berichtet. Wie es aussieht, wird es eine ziemliche Lobhudelei auf einen, der sein Lebtag selbst recherchierender Journalist geblieben sei. Zumindest verkündet Murdoch heute, dass er bei Prmiere aufräumen will, wie turi 2 verkündet, hier mehr
„Am Nachmittag von La Cascade“: Lothar Müller berichtet über die letzte Vorlesung von Roland Barthes, dessen Buch die Vorbereitung des Romans beim Suhrkamp Verlag erschien.
„Der Ehrenname ‚Weiße Rose’ bleibt bestehen“ lautet wohl die gute Nachricht, nachdem Hans Mommsen die zweite Auflage von Sönke Zankels Buch über den Widerstandskreis nun begutachtet hat. Das Buch unter dem neuen Titel Mit Flugblättern gegen Hitler aus dem Böhlau Verlag, das versucht, den Kult um die Jugendlichen zu entmythologisieren, habe die Quellenbasis zwar erweitert, aber dem Buch fehle die geschlossene Darstellung.
„Eine Haut aus Dunkelheit“ lautet der Titel der heutigen Krimikolumne von Friedrich Ani, der an den Autor Cornell Wolrich erinnert, der heute vor 60 Jahren starb. Dafür hat Ani noch einmal in sein wichtigstes Buch Rendezvous in Black gesehen, das bei Diogenes in deutscher Übersetzung (Rendezvous in Schwarz) erschien. Nicht überragend komponiert, aber seine Figuren verlangen eben „unbedingte Empathie“, der man sich wohl nicht entziehen kann und wer das nicht vesteht, wird Wolrich wohl nie lesen.
Neue Zürcher Zeitung
Mit dem Dossier Sachbuch startet die NZZ heute in die Woche.
„Schicksale im Nahost-Konflikt“, überschreibt Erich Gysling seine Rezension von Karin Wenger Checkpoint Huwara, in dem israelische Elitesoldaten und palästinensische Widerstandskämpfer ihr Schweigen brechen. Der Autorin sei ein Buch gegen die Abstumpfung durch kalte Nachrichten gelungen.
„Schweizerische Migrationspolitik unter Damoklesschwertern“, lautet der Blick in das Buch von Damir Skenderovic, Gianni D’Amato, Mit den Fremden politisieren über Rechtspopulismus und Migrationspolitik in der Schweiz.
„Konflikte und Kriminalität“, ist der Bericht über Volker Bornschiers Konflikt, Gewalt, Kriminalität und abweichendes Verhalten. Viel Material, aber eine qualitative Sozialforschung fehle, so Urs Hafner.
Der Spiegel
Viel Platz im großem Interview erhält der Bildungskritiker Bernhard Bueb, der 31 Jahre lang Schulleiter des Eliteinternats Schloss Salem war. Seinem umstrittenen Buch Lob der Disziplin von vor zwei Jahren, (in diesem Jahr bei Ullstein als TB), folgt in diesem Monat Von der Pflicht zu führen. Neun Gebote der Bildung bei Ullstein.
In der Rubrik „Das Buch meines Lebens“ schreibt Wolfgang Niedecken über den Einfluss, den Jack Kerouac mit Unterwegs auf ihn hatte (zueletzt bei Rowohlt als TB).
„In die Reihe geatanzt“, berichtet über die Bqlettwelt der DDR und greift dabei das Buch von Ralf Stabel IM Tänzer auf, das bei Schott Music erschien.