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Bücher und Autoren heute in den Feuilletons – ausführlich Stimmen zum Übersetzerstreit und ein Kommentar zum Abgang von Sigrid Löffler

Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.

Frankfurter Rundschau

Ina Hartwig kommentiert das Ausscheiden von Sigrid Löffler [mehr…] bei „Literaturen“: „Das ist keine gute Nachricht, die da, auffallend schmallippig formuliert, über die Agenturen eintrudelt…“ Nämlich – ohne ein Wort des Dankes. Und: Ein Nachfolger ist offenbar nicht vorgesehen.

Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Sagen wir doch du“: Arnd Rühle Rühle Hat Ninni Holmqvists Die Entbehrlichen(Fahrenheit) gelesen und fast für gut befunden.

Unter „Neuen Sachbüchern“ gibt es eine Besprechung von Manuela Lenzen zu Ingrid Vendrell Ferrans Die Emotionen (Akademie Verlag) – eine „Gefühlsarbeit“, meint die Rezensentin.

Annotationen
Wojciech Kuczok Höllisches Kino. Über Pasolini und andere (Suhrkamp) und Des Menschen Würde – entdeckt und erfunden im Humanismus der italienischen Renaissance(Mohr Siebeck).

Daniel Kehlmann hat in Stuttgart eine W.G. Sebald-Ausstellung eröffnet – Andreas Platthaus berichtet. Der Begleitband unter dem Titel Zerstreute Reminiszenzen ist im Verlag Ulrich Keicher erschienen.

Noch ein Kataloge zu einer aktuellen Ausstellung: Spuren des Geistigen – im Münchner Haus der Kunst – bei Prestel.

Die Autorin Amma Darko lebt in Ghana, aber ihre Bücher erscheinen hauptsächlich in Deutschland bei Schmetterling-Verlag. Jetzt ist sie Gast auf dem Berliner Literaturfestival. Ganz nebenbei bemerkt: eine großartige Autorin.

Die Welt

Heute nichts, was uns beträfe.

Süddeutsche Zeitung

Großes Thema auf der Literaturseite der Süddeutschen ist der Übersetzerstreit. Statements von sechs Verlagsvertretern und Übersetzern werden dort abgedruckt.

Hans Peter Übleis, Verlegerischer Geschäftsführer bei Droemer Knaur, äußert seine Fassungslosigkeit über den nicht zustande gekommenen Kompromiss. Bereits heute sei das Übersetzerhonorar bisweilen höher als das Autorenhonorar, und Übersetzer bekämen schon jetzt rückwirkend Vergütungen. Er bedauert die Wahl von „Hardlinern“ in den Vorstand.

Verlegerin Antje Kunstmann trifft die Ablehnung mit „Ratlosigkeit und Erschöpfung“. Und: „Ob sich Verlage angesichts dieser Lage auf Projekte wie die grandiose Neuübersetzung von Célines ‚Reise ans Ende der Nacht’ von Hinrich Schmidt-Henkel, der dem Übersetzerverband nun vorsteht, noch einlassen werden, wage ich zu bezweifeln.“

Autor und Übersetzer Henning Ahrens sieht die verfehlte Vereinbarung auch als Ausdruck von Vereinsmeierei, die es überall gebe. Immerhin hätten die Übersetzer das Privileg, beim Scheitern eines Buches nicht die finanziellen Verluste mitzutragen. Im Verlagswesen sei dies „im Rahmen des sogenannten Raubtierkapitalismus unter dem Strich noch immer eine einigermaßen gemäßigte Wiederkäuerzone“. Dass der Übersetzerverband Garantien verlange, sei verständlich, aber wirke realitätsfern.

Übersetzer Andreas Tretner plädiert für eine Branchenlösung und glaubt nicht, dass der BGH das komplizierte Problem lösen wird. Dennoch moniert er, dass dies nun das erste Angebot der Verleger „nach Jahren des Verschleppens“ war, das man nicht gleich annehmen konnte und macht konkrete Vorschläge. Er fordert von den Verlegern ein Umdenken vor allem bei der Buchkalkulation.

Wagenbach-Verlegerin Susanne Schüssler hätte sich dem Kompromiss ohnehin nicht angeschlossen. Denn es hätte sich ohnehin um einen „Haustarif“ der Random-House Gruppe gehandelt. Die Folge der Übesetzerforderungen sei, das betont auch Übleis, dass weniger Übersetzungen auf den Markt kommen werden. Sie sei weiterhin bereit, Einblicke in ihre Kalkulationen zu geben.

Hinrich Schmidt-Henkel, der neue Vorsitzende des Verbandes deutschsprachiger literarischer Übersetzer (VdÜ) versteht die Enttäuschung, dass die Mühe nicht gefruchtet hat. Er zählt noch einmal auf, welche Gründe aus seiner Sicht gegen die Annahme des Kompromisses sprachen. Dennoch glaubt er, dass eine gemeinsame Einigung möglich ist. Die Forderung nach Verdreifachung der Honorare sei vom Tisch. Die Bereitschaft sei gewachsen, die Situation der Verlage mit zu berücksichtigen. Der Rückhalt des neuen Vorstandes sei größer. „Alles, was mich für diesen Spagat zwischen Verlagen und Übersetzern wappnet, ist meine persönliche Glaubwürdigkeit auf beiden Seiten. Ich setze sie gern ein!“

Ansonsten wird besprochen:

Passend dazu geht es ums Übersetzen inm Buch In Ketten tanzen. Übersetzen als interpretierende Kunst, herausgegeben von Gabriele Leuthold und Katharina Raabe aus dem Wallstein Verlag. Es gäbe Einwendungen, aber Rezensent Burkhard Müller findet unter „Der staunende Blick ins Grammophon“, dass der Tagungsband erstaunlich gut harmonisiere.

Annotiert wird Gustav Seibt Goethe und Napoleon. Eine historische Begegnung aus dem Verlag C.H. Beck, das eine erhellende Verknüpfung einer Goethe-Passage mit einer Epoche liefere.

Auf den Medienseiten wird berichtet, dass Oliver Berben, der seit 1994 die Simmel-Romane neu verfilmen will, nun endlich seinen ersten Streifen fertig hat. Und Jimmy ging zum Regenbogen wird heute im ZDF um 20:15 Uhr zu sehen sein.

Neue Zürcher Zeitung

In England seien 27 von Agatha Christie besprochene Tonaufnahmen gefunden worden, berichtet Georg Waser unter „Apfelmus und ’seriöse‘ Morde“. Christie sei Vertreterin eines alten Großbritannien, in dem Engländer neben einer guten Mahlzeit auf dem Sofa noch nach Zeitungsberichten mit „seriösen“ Morden suchten. Nun üerlege die Verwertungsgesellschaft Agatha Christie Lzd. zwar die Biografie zu aktualisieren, aber kaum die Bänder in der Gesamtheit als CD auf den Markt zu bringen.

„Ein Freund Nietzsches“, war der Philosophiehistoriker und Indologe Paul Deussen. Ihm hat Heiner Feldhoff unter dem Titel Nietzsches Freund. Die Lebensgeschichte des Paul Deussen. nun eine Biografie bei Böhlau gewidmet. Ludger Lütkehaus findet, dass sie Betonung der Freundschaft etwas zu stark sei, aber ein angemessenes Bild zeichne und gut zu lesen ist.

Unter „Züge und Geisterzüge“ hat sich Claudia Wenner die Neuübersetzung von Khushwant Singhs Klassiker Train to Pakistan angesehen. Erschienen unter dem Titel Der Zug nach Pakistan beim Insel Verlag findet sie das Projekt samt zusätzlich eingefügter Fotos lobenswert, die Anmerkungen schießen aber manchmal über ihr Ziel hinaus.

„Reformierte Theologie und der Geist der Demokratie“, darüber schreibt Christoph Strohm in seinem Buch Calvinismus und Recht. Rezensent Friedrich Wilhelm Graf ist von dem Mohr Siebeck-Buch begeistert: „Aus historischer Ferne fällt plötzlich Licht auf gegenwärtige Problemschauplätze, auf die heiklen Begegnungen von Islam und moderner Demokratie wie die Schwierigkeiten der römisch-katholischen Kirche, die konsequente Weltlichkeit der politischen Ordnung anzuerkennen.“

Es gebe wenige Bücher, bei denen man sagen könne, der Autor habe alles richtig gemacht. Dazu gehöre Das Löwenmädchen von Erik Fosnes Hansen (Verlag Kiepenheuer & Witsch), findet Uwe Stolzmann unter „Das Mädchen mit dem Katzenfell“.

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