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HoCa-Buchpräsentation mit Betül Licht in Berlin

Betül Licht

„Migration gestern und heute“ lautete das Thema eines Podiumsgesprächs, mit dem der Verlag Hoffmann und Campe gestern Abend im Festsaal Kreuzberg am Kottbusser Tor das neue Buch von Betül Licht präsentierte: „In meiner Not rief ich die Eule“.

Die Autorin, 1955 in der Türkei geboren, war zehn Jahre alt, als sie mit ihren Eltern nach Deutschland kam. Heute arbeitet sie in einem sozial-psychiatrischen Beratungszentrum in Hamburg und begleitet dort Migrantinnen und Migranten. Ihre Erfahrungen hat Betül Licht in dem ergreifenden Buch verarbeitet. Im Mittelpunkt steht Fatma, die acht Jahre alt ist, als ihre Eltern in den 60er Jahren beschließen nach Deutschland zu gehen. Es wird zwei Jahre dauern bis sie ihre Kinder nachholen. Die Trennung von den Eltern, das Leben zwischen zwei Kulturen, Misshandlung in der eigenen Familie, Orientierungslosigkeit, der Schmerz nirgendwo dazuzugehören, über ihre traumatischen Erlebnisse kann Fatma erst viele Jahre später sprechen.

Fatma ist kein Einzelschicksal. In ihrer täglichen Arbeit hat Betül Licht erfahren, dass das Grundgefühl von Heimatlosigkeit bei den meisten Einwanderern der ersten Generation vorhanden ist. Oft dauert es lange bis sie Vertrauen fassen, doch dann – oft nach 20, 30 Jahren des Schweigens – ist das Reden eine Erlösung. „Es muss doch einmal gesagt werden, was geschehen ist“, begründete sie gestern ihr Buch, das alles andere als eine anklagende Leidensgeschichte ist. „Die Herzen müssen geöffnet werden“, sagte sie.

In der Podiumsdiskussion wurde deutlich, dass das Thema Migration und Integration noch viel Gesprächsstoff bietet. Betül Licht bringt mit ihren Geschichten eine neue Qualität in die Diskussion: Sie gibt den Menschen hinter den Gesprächen und wissenschaftlichen Untersuchungen ein Gesicht und trägt damit zum besseren Verständnis bei.

„Wer dieses Buch gelesen hat, wird es leichter haben, in Türken und Migranten Menschen zu sehen, die den hochkomplexen Vorgang der Integration zu leisten haben“, schreibt die Psychotherapeutin Marianne Röhl im Nachwort.

ML

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