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Die zehn besten Krimis im Oktober / H. Steinfest neue Nummer Eins

Diesmal steht ein deutsch-sprachiger Autor auf Platz 1: Heinrich Steinfest, in Stuttgart ansässiger Österreicher.

Er ist geboren in Australien, hat mit „Mariaschwarz“ seinen bisher klassischsten, d.h. am wenigsten und zugleich durch Formstrenge am meisten barocken Kriminalroman vorgelegt, ein Meisterwerk der Weltumstülpung – wenn Sie wollen, eine zentrale Aufgabe des hervorragenden Kriminalromans. In den Worten des Krimifans Peer Steinbrück: Der gute Kriminalroman hinterlässt eine Welt, wie sie zuvor nicht war. So Steinfest.

Gewissermaßen umgekehrt verfährt der Franzose Jean-François Vilar. Sein Protagonist Victor B., Fotograf, Dokumenatarist, lebender Kalender der Stadt Paris, rekonstruiert recherchierend die kriminellen, künstlerischen und erotischen Verwicklungen einer vergangenen Welt, die des Jahres 1938 in Paris. Stichworte: Surrealistenausstellung, imaginäre Stadt, Gründung der Vierten Internationale, Ermordung von Trotzkis Sohn Leo Sedow, Annexion der Tschechoslowakei durch Hitler, Reichspogromnacht. Verknüpft mit dem vorläufigen Ende dieser Ära, dem Jahr 1989 – ein Höhepunkt des wirklich historischen, nicht historisierend kostümierten Kriminalromans, erstmals auf Deutsch: Die Verschwunden auf Platz drei.

Weiterhin neu: Michael Collins mit „Tödliche Schlagzeilen“, einem Roman, der den Zustand eines ruinierten Kaffs am Rand der Plains als symbolisch für die Verfassung der USA am Ende der Carter-Ära in düstersten Farben beschreibt – u.a. eine Fußnote zum Zeitungssterben: Das Lokalblatt Truth wird durch die sensationelle Berichterstattung über einen Mordfall ein paar Monate länger am Leben gehalten.

Und Bernhard Jaumann mit „Die Augen der Medusa“. Eine Miniaturparabel über einen italienischen Ort, wie man sie seit Heinrich Mann nicht mehr gelesen hat. Dies ist der dritte Roman, empfehlenswert ist die ganze Trilogie von Jaumanns Montesecco-Romanen.

1. (3) Heinrich Steinfest: Mariaschwarz. Piper
Hiltroff/Wien/Mailand: Vor drei Jahren wurde Töchterchen Clara entführt. In Hiltroff, im marienschwarzen See, liegt die Zeugin der Entführung, skelettiert. Vinzent Olander, trauernder Vater, und Chefinspektor Lukastik suchen ein Kind – und finden Löcher im Universum. Krimi wunderbar. POW!

2. (1) Richard Stark: Fragen Sie den Papagei. Zsolnay
Pooley, Massachusetts: Parker ist auf der Flucht. Ein Einheimischer nimmt ihn unter die Fittiche. Er braucht den Fachmann, um seine Ex-Arbeitgeber zu berauben. Groteske Profi-und-Amateur-Geschichte. Comeback von Altmeister Stark mit einem der coolsten Verbrecher der Krimigeschichte. Jubel.

3. (–) Jean-François Vilar: Die Verschwundenen. Assoziation A
Paris, Prag: 3 Jahre waren Victor und Alexandre Geiseln von Terroristen. Zurück in Paris, stirbt Alexandre. Victor verliert sich im hinterlassenen Tagebuch von Alexandres Vater. 1938: Surrealisten, Trotzkisten, Stalinisten. Hitler. Dreiecksgeschichten: Kunst, Liebe, Spione. Krimi als historisches Kaleidoskop. Enorm.

4. (6) Deon Meyer: Weißer Schatten. rütten & loening
Kapstadt/Lowveld: Als Emma le Roux ihren toten Bruder im TV auf einem Fahndungsfoto zu erkennen glaubt, macht sie sich auf die Suche, beschützt von Bodyguard Lemmer. Eine abenteuerliche Recherche durch Südafrikas Wildnis, Gesellschaft und Geschichte. Großartig, epischer Atem. Meyer wird immer besser.

5. (-) Massimo Carlotto: Die dunkle Unermesslichkeit des Todes. Tropen
Nordostitalien: Zwei Männer auf Bankraub nehmen Geiseln. Mutter und Kind. Einer flieht, einer schießt: Geiseln tot. Der Vater und Witwer sinnt auf Rache. Der Mörder, noch im Knast, soll erfahren, wie Tod ist. Katz und Maus und Tod. Ein unversöhnliches Spiel mit überraschender Wendung.

6. (5) Leonardo Padura: Der Nebel von gestern. Metro im Unionsverlag
Havanna: Mario Conde, Antiquar, stößt in einer Privatbibliothek auf das Bild einer Bolero- Sängerin. Die „Königin der Nacht“ verzauberte die Männer und verschwand 1961. Der Ex-Polizist sucht Spuren und Zeugen – eine Reise durch fünfzig Jahre Kuba. Padura: melancholischer, faszinierender denn je.

7. (2) Jenny Siler: Portugiesische Eröffnung. Fischer
Lissabon/Beirut: Nach sechs Jahren Knast bevorzugt Fälscherin Nicole Blake die sichere Seite. Bis sie doch für die CIA in Lissabon ihren früheren Geliebten sucht und im Malstrom landet. Geheimdienstoperationen und Privatvendetta. Überleben im Weltbürgerkrieg: davon erzählt Siler. Einsame Klasse.

8. (4) Andrew Vachss: Der Fahrer. Rowohlt
Irgendwo in den USA: Eddie versteht viel von Autos und wenig von Menschen. Mechanisch lernt er: Mund halten, reagieren. Bis er J.C. trifft, sein großes Idol. Und Vonda, dessen Frau. Da steigt der Coup. Eine traurige Geschichte vom Jungen, der zu schlicht für diese Welt war. Der alte Vachss mit sanften Tönen.

9. (-) Michael Collins: Tödliche Schlagzeilen. btb
USA, am Rand der Plains: Hoffnungslosigkeit, Arbeitslosigkeit, Dürre. Das Provinzblatt Truth vor der Aufgabe. Als Ronny Lawtons Vater verschwindet, wissen alle: Ronny hat ihn zerstückelt. Reporter Bill macht sich an Ronnys Ex ran. Blues: Von der Zwangsläufigkeit des Kleinstadtuntergangs. Leichenhaft.

9. (-) Bernhard Jaumann: Die Augen der Medusa. Aufbau
Montesecco, Italien: Vor den Toren des 25-Einwohner-Kaffs fliegt eine Limousine mit Staatsanwalt in die Luft. Doppelte Belagerung: Medien und Polizei wollen den im Ort verschanzten Attentäter ausräuchern, doch die Dörfler haben besseres vor. Witzig, kunstvoll. Krimi-Idyll: So könnte Leben lebendig sein.

Die Oktober-Ausgabe der KrimiWelt-Bestenliste wird auch im NordwestRadio (heute live, ca. 8:35 Uhr, und am Sonntag in der Literaturzeit zwischen 15:00 und 16:00 Uhr) sowie in der Literarischen Welt vorgestellt.

Buchhändler können einen dreifarbigen Flyer mit der aktuellen KrimiWelt-Bestenliste bestellen. Kontakt: KrimiWelt, c/o asv vertriebs GmbH, Süderstraße 77, 20097 Hamburg, E-Mail: krimiwelt@axelspringer.de, Fax: 040/34 72 76 68.

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