
Jeden Morgen blättern wir für Sie durch die führenden Tageszeitungen – damit Sie schnell einen Überblick haben, wenn Kunden ein bestimmtes Buch suchen oder Sie nach einer Idee für einen aktuellen Büchertisch.
Der Spiegel
„Ein Werk der Superlative“ – so Schriftstellerkollege Thomas Brussig neidlos über Uwe Tellkamps Roman Der Turm. Dass freilich der Klappentext (der lang erwartete große Wenderoman) stimmt, bezweifelt (nicht allein) er – genau ein „wenderoman“ ist das Werk nämlich nicht.
Wolfgang Höbel hat sich beide Inszenierungen (Feuchtgebiete und Vermessung der Welt) angesehen. Ersteres fand er eher zum Gähnen, die Kehlmann-Adaption nicht.
Klaus Harpprecht legt die mit Die Gräfin. Marion Dönhoff (Rowohlt) eine erste Biographie der Publizistin vor: „Letztlich verneigt der Autor sich vor ihr. Hat man anderes von ihm erwartet?“
Die journalistischen Knaller aber gibt es im Kulturspiegel (also nur für Abonnenten, nicht für Kiosk-Käufer): Fotografinnen haben Stylingvorschläge für unsere Politikerinnen (abgebildet) unterbreitet – das hat nun nichts mit unserer Branche zu tun, ist aber ZU lustig, um hier unterschlagen zu werden.
Im Kulturtipp: Ingo Schulze, der verrät, welche Veranstaltungen auf seiner Lesereise er alles besuchen will.
„Unter Druck“ heißt eine Statementsammlung zum Thema: „Ist das Buch Vergangenheit? Lesen wir nur noch am Bildschirm?“ Meinungen von Helge Malchow, Hartwig Schulte-Loh, Rainer Groothuis, Matthias Ulmer, Michael Gaeb, Peter Haag, Peter Glaser, Tim Renner.
Rezensiert wird Wilfrid N’Sondés Das Herz der Leopardenkinder (Kunstmann) – ein „furioser Roman“, findet Claudia Voigt.
Annotationen
Noch einmal der Tellkampsche Turm, Judith Kuckart Die Verdächtige (DuMont), zweimal die Frankfurter Verlagsanstalt] mit der Hundenovelle von Marion Poschmann und Geister von Thomas von Steinaecker, Pierre Bayard Freispruch für den Hund der Baskervilles (Kunstmann) und Enzensbergers Hammerstein-Hörbuch (Der Hörverlag).
Überall ganz groß aufgemacht – wie es sich gehört – Nachrufe auf den großartigen Paul Newman.
Frankfurter Rundschau
Die Auszeichnungen vorweg: Bruno Latour erhält den Siegfried-Unseld-Preis [mehr…], Ursula Krechel den Rheingau-Literaturpreis.
Johannes Schneider berichtet von der Frankfurter Shortlist-Lesung im Literaturhaus dort: [mehr…].
Annotiert wird Gilbert Adairs Und dann gab’s keinen mehr, ein Krimi, den Jochen Schimmang übersetzt hat (C.H. Beck).
Joachim Kahlert, Dozent an der Maximilian-Universität in München, schreibt über den Ärger mit veralteten Schulbüchern: „Die nächste kunstreich konstruierte Forschungslücke wartet schon, wer mag sich da schon mit Schulbüchern aufhalten?“ – So viele Parteien kann man in Deutschland gar nicht abwählen, dass sich an der Bildungsmisere endlich mal was ändert …
Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Großvater, wie war es im Bordell?“ heißt die Hingucker-Überschrift zu Anja Hirschs Rezension von Adolf Muschgs Wenn es ein Glück ist (Suhrkamp) – ein „Glücksbuch versammelt Muschgs heißkalte Liebesgeschichten aus vier Jahrzehnten“.
Peter Handke hat mitgewirkt bei der Gestaltung des neuen Schreibhefts – Andreas Platthaus regt sich ziemlich darüber auf.
Annotationen
Thomas Klings Gedichtband schädelmagie (Reclam) und Adolf Endlers Nächtlicher Besucher, in seine Schranken gewiesen (Wallstein).
Natürlich war die Premiere im Kleinen Haus des Neuen Theaters in Halle ausverkauft. War ja schließlich auch Premiere von Feuchtgebiete nach Charlotte Roche (DuMont): „Über neunzig zähe Minuten lang wechseln sich bieder gymnastische Gruppenchoreographien mit unerfreulichen Einzelnummern ab“ –Rezensentin Irene Bazinger wird wohl wissen, warum sie das genauso formuliert …
Die Londoner Polizei glaubt einen islamistischen Anschlag vereitelt zu haben. Am Wochenende nahm sie drei Verdächtige fest, nachdem eine Brandbombe in den Briefkasten des Verlegers des umstrittenen Aischa-Romans geworfen wurde.
Neue Sachbücher
Michael Pawlik rezensiert Die Funktion der Menschenwürde im Verfassungsstaat von Karl-Heinz Ladeur und Ino Augsberg (Mohr Siebeck).
Immanuel Kants Kritik der Urteilskraft ist neu herausgegeben worden von Ortfried Höffe (Akademie Verlag). Gustav Falke meint, dass der Kommentar das Kant-Verständnis revolutioniert.
Auf den Deckel kriegt der Franz Steiner Verlag u.a. für Schlank! Ein Körperkult der Moderne. Zwei aktuelle Bücher von Sabine Merta seien nix weiter als olle Kamellen, die ohne Hinweis auf das Original noch einmal durch die Mangel gedreht wurden, meint Gesine Hindemith.
Die Welt
Auch wenn das Opener-Foto gar nicht so bieder aussieht: die „Feuchtgebiete“-Aufführung in Halle sei es gewesen, findet auch Cosima Lutz. Dass Halle nun – angebandelt ans Thema – deshalb auch gleich der „Arsch der Welt“ sein muss, wie die Lutz schreibt, weist der Schreiber dieser Zeilen aus alter Heimatverbundenheit entschieden zurück. – War wohl nix mit Pornos auf der Bühne in Halle, deshalb jammern nun die enttäuschten Rezensenten. Wie aber erst hätten sie geschrieen, wären die JungschauspielerInnen da mehr als nur „fast nackt“ gewesen? So lautet nun das Fazit: „Letztlich ist man asexuell und hat nette, meist folgenlose Einfälle“. Gemeint sind die Theaterleute.
Noch mehr Literatur auf der Bühne: In Braunschweig ist Kehlmanns Bestseller Vermessung der Welt in der Bühnenfassung des Regisseurs Dirk Engler uraufgeführt worden – Matthias Heine ist des Lobes voll.
Süddeutsche Zeitung
Gert Raeithel rezensiert Ronald D. Gerste Duell ums Weiße Haus. Amerikanische Präsidentschaftswahlen von George Washington bis 2008 (Schöningh).
„Wie es sich anfühlt, weiß zu sein“: Lloyd Jones hat darüber den Roman Mister Pip geschrieben (Rowohlt) – „eine schwungvolle Lektüre“, findet Jutta Person.
Warum wird man krank? fragt Viktor von Weizsäcker in seinem gleichnamigen Buch bei Suhrkamp. Die Schriften des 1957 verstorbenen Onkels des ehemaligen Bundespräsidenten werden hier in einem Lesebuch präsentiert.
Von Eckhard Henscheid] gibt es Hörwerke bei Zweitausendeins – wer den Meister einmal live erlebt hat, weiß, was ihn erwartet.
Beilage DAS POLITISCHE BUCH
Peter Joachim Lapp hat sich den Band Paulus – Das Trauma Stalingrad von Torsten Diedrich (Schöningh) angesehen – sehr lesenwert, findet er.
Gestern durfte er bei Anne Will das CSU-Wahldebakel mit be-orakeln, heute kriegt er sein Buch Mein Strauß. Staatsmann und Freund (Verlag Ars Una) von Peter Fahrenholz rezensiert. Der findet Wilfried Scharnagls Mein Strauß „regelrecht spannend“: „Strauß für Feinschmecker“ – heißt die offensichtlich nicht ganz durchdachte Überschrift des Artikels.